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US-Gericht verdonnert Telsim-Familie zu Milliardenstrafe

01.08.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Ein US-Bundesgericht in Manhattan ist zu dem Schluss gekommen, dass mehrere Mitglieder einer prominenten und wohlhabenden türkischen Familie die Finanzierungssparte von Motorola in großen Umfang betrogen haben und hat sie deshalb zu einer Geldstrafe von mehr als vier Milliarden Dollar verurteilt. In seinem 173-seitigen Urteil stellte Richter Jed Rakoff fest, der Uzan-Clan habe von Motorola mehr als eine Milliarde Dollar erschwindelt und in den eigenen Taschen sowie denen von ihnen kontrollierter juristischer Personen verschwinden lassen.

Motorola hatte die Uzan-Familie im vergangenen Jahr gemeinsam mit Nokia verklagt mit der Begründung, diese habe sich Gelder unter dem Vorwand erschlichen, sie dienten der Finanzierungs des türkischen TK-Unternehmens Telsim. Rakoff erließ neben der Geldstrafe Haftbefehl für Kemal, Cem, Cengiz, Murat Hakan, Melahat und Aysegul Uzan sowie deren Kompagnon Antonio Luna Betancourt für den Fall, dass diese sich in den Bereich seiner Jurisdiktion begeben.

Die Uzans kündigten unterdessen Berufung an und verwiesen auf ein Urteil eines Genfer Gerichts von Anfang Juni. Die dortigen Richter hatten konstatiert, Motorola könne seine Betrugsvorwürfe nicht hinreichend untermauern. Das US-Unternehmen hatte gemeinsam mit Nokia zwischen April 1998 und September 2000 insgesamt rund 2,7 Milliarden Dollar an die türkische Familie überwiesen. Der Richter forderte die Uzans außerdem auf, die Anteile ihrer 73,5-prozentigen Telsim-Beteiligung innerhalb einer Woche dem Gericht zu überstellen. Die Uzans hatten 66 Prozent an Motorola und 7,5 Prozent an Nokia als Bürgschaft verpfändet, die Aktien aber nie ausgehändigt. (tc)