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US-Geheimdienste: MySpace für Spione

06.09.2007
Von pte pte
Web 2.0 ist nur ein Thema für Jugendliche? Mitnichten! Unter dem Namen A-Space öffnet im Dezember eine gemeinsame Social-Networking-Plattform der 16 verschiedenen US-Geheimdienste die virtuellen Tore.

Das Netzwerk der Geheimdienste soll dafür sorgen, dass der Informationsaustausch zwischen den verschiedenen Behörden in Zukunft besser funktioniert. Die Initiative gilt als Reaktion auf die vermehrte Kritik an der schlechten Zusammenarbeit der Geheimdienste im Vorfeld der Terroranschläge vom 11. September. Die über Generationen geführten Grabenkämpfe zwischen den Organisationen seien allerdings nur schwer zu beseitigen, räumen die Verantwortlichen ein. Der ausschließlich unter Geheimhaltungsstufe zugängliche Dienst A-Space ist der Nachfolger der Plattform Intellipedia. Der Informationsservice nach dem Vorbild von Wikipedia wurde vor Jahren eingerichtet, um den Informationaustausch der Geheimdienste zu ermöglichen. A-Space soll das Angebot durch die Einbindung von Blogs, Datenbanken und anderen Werkzeugen verbessern. Obwohl die Plattform auf frei erhältlicher Software basiert, weisen die Verantwortlichen jede Kritik bezüglich der Sicherheitsrisiken zurück. Vertrauliche Daten würden durch zahlreiche, eigens entwickelte Sicherheitsvorkehrungen geschützt.

Neben dem simplen Austausch von Dokumenten soll der neue Dienst Experten direkt vernetzen, die zwar im selben Fachgebiet, aber in unterschiedlichen Behörden tätig sind. Im Moment sei dies aufgrund der schwerfälligen Strukturen nahezu unmöglich. Richard Russell, ehemaliger CIA-Analyst, hält die neue Informationsplattform dennoch für überflüssig. Die Regierung solle sich auf die Verbesserung der Methoden der Geheimdienste konzentrieren. "Es mag eine großartige technologische Infrastruktur sein, um Informationen zu verwalten, aber wenn nur Müll eingespeist wird, wird auch der Output Müll sein", so Russell gegenüber der Los Angeles Times.

Mark Lowenthal, Präsident der Intelligence and Security Academy, sieht in der neuen Plattform die Chance auf die Verbesserung der Zusammenarbeit der Behörden. "Es ist offensichtlich, dass wir uns nicht immer wie eine Gemeinschaft verhalten haben, deshalb begrüße ich jede Initiative, die die Situation verbessern könnte." Die Entwicklung des fünf Millionen Dollar umfassenden Projekts startete im Juni - im Dezember wird A-Space online gehen. Im Laufe des nächsten Jahres sollen zusätzliche Dienste ergänzt werden. In Zukunft könnte auch ein frei zugänglicher Bereich in das Netzwerk integriert werden. (pte)