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US-Fiskus nimmt Aktienoptionen ins Visier

29.07.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die US-amerikanische Bundesteuerbehörde IRS (Internal Revenue Service) legte am vergangenen Freitag Pläne vor, wonach US-Firmen künftig Aktienoptionen bei Forschungs- und Entwicklungsvereinbarungen mit ausländischen Tochtergesellschaften als Ausgaben ausweisen müssen. Das Resultat wäre eine kräftige Besteuerung auf Aktiengeschenke an Mitarbeiter im In- und Ausland. Diese würde insbesondere auch IT-Firmen treffen, die aus Kostengründen einen Großteil der Entwicklung - etwa die Softwareprogrammierung - zu Partnern in anderen Länder ausgelagert haben. Nach Wegfall des jetzigen Steuervorteils müssten viele Unternehmen ihre Auslandsaktivitäten neu überdenken.

Bei Joint-Ventures fordert das IRS, dass die Entwicklungskosten im Verhältnis zu dem erwarteten Nutzen der einzelnen Firmen aufgeteilt werden sollen. Als Richtlinien für die Bewertung von dabei gezahlten Aktienvergütungen schlug die Steuerbehörde den Preis des Papiers bei Ausübung der Option oder deren Kapitalwert, wie er (nach US-GAAP) auch in den Bilanzen aufgelistet wird.

Das IRS versucht seit Jahren, die Steueranreize für Aktienoptionen zu senken oder gar aufzuheben. Außerdem stößt sich der Fiskus an den Bemühungen von Hightech-Firmen, ihre Rechte auf intellektuelles Eigentum auf Niederlassungen in Steueroasen zu übertragen, wo dann die Erlöse aus dem Auslandsgeschäft geparkt werden können. In diesem Zusammenhang prozessiert das IRS unter anderem am US-Steuergericht gegen Xilinx: Die Behörde fordert von dem kalifornischen Hersteller von programmierbaren Chips die Zahlung von 94 Millionen Dollar an Steuerschulden und Strafen für angeblich falsche Angaben im Bericht über die Geschäfte mit seiner irländischen Niederlassung, inklusive der Höhe der immateriellen Vermögenswerte.

Da bislang noch die gesetzliche Rückendeckung fehlt, ist das IRS in der jüngsten Vergangenheit mehrmals dabei gescheitert, entsprechende Ansprüche bei internationalen Geschäften geltend zu machen: Im vergangenen Jahr gab IRS den Versuch auf, den Festplattenhersteller Seagate dazu zu zwingen, seine Aktiengeschenke zu versteuern. In diesem Monat verzichtete die Behörde auf Ansprüche in Höhe von rund 150 Millionen Dollar gegen den Speicheranbieter Adaptec. Auch für Xilinx stehen die Chancen gut, noch einmal davon zukommen. Laut "Wallstreet Journal" soll erst am 20. November eine öffentliche Anhörung über die Vorschläge des IRS stattfinden. Sollten die Regeln Zustimmung finden, werden sie nicht rückläufig wirksam. (mb)