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US-Bundesstaat will OpenDocument-Format zur Pflicht machen

02.09.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der US-Bundesstaat Massachusetts will alle Behörden verpflichten, nur noch Office-Applikationen zu verwenden, die dem Format OpenDocument entsprechen. Dieses Format, mit vollem Titel "Open Document Format for Office Applications" wurde vor wenigen Monaten von der Organization for the Advancement of Structured Information Standards (Oasis) spezifiziert (siehe "OASIS verabschiedet OpenDocument als Standard"). OpenDocument ist ein XML-basierendes Dateiformat für Textverarbeitung, Tabellenkalkulation, Präsentation und Grafik.

OpenDocument wird unterstützt von den Bürosoftwaresuiten OpenOffice, StarOffice, KOffice und IBM Workplace, nicht aber von Microsoft Office, Wordperfect und Lotus Notes. Das hat zur Folge, dass die Behörden in Massachusetts, die größtenteils Microsoft Office verwenden, nach den bisherigen Plänen bis zum 1. Januar 2007 auf ein OpenDocument-gerechtes Office-Programm migrieren müssen. Entsprechend negativ war die Reaktion einer Microsoft-Sprecherin. Sie wandte ein, die konkurrierenden Office-Produkte böten weniger Funktionen und das OpenDocument-Format eigne sich nicht für Datentypen aus Anwendungen wie Voice over IP oder Video, die künftig eine wichtige Rolle im Büro spielen würden. Es werde zu Inkompatibilitäten kommen, wenn der Bundesstaat andere Dokumentenformate benutze als seine Bürger.

Peter Quinn, Chief Information Officer von Massachusetts, wies Vorwürfe zurück, die staatliche IT-Politik sei Microsoft-feindlich: "Wir versuchen, herstellerneutral zu sein." Der Bundesstaat wolle proprietäre Formate stoppen, denn "wir wollen die Geschichte für alle Zeit bewahren". Es sei zu befürchten, dass elektronische Dokumente in der Zukunft nicht mehr gelesen werden könnten, weil die Softwarehersteller ihre Formate dann nicht mehr unterstützen oder vom Markt verschwunden seien. (ls)