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US-Börsenaufsicht nimmt AOL ins Visier

28.11.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Verdacht gegen AOL-Verantwortliche, die Bilanzen des Konzerns frisiert zu haben, verdichtet sich. So untersuchen die US-amerikanische Börsenaufsicht Security and Exchange Commission (SEC) und das Justizministerium zur Zeit eine Reihe von Scheingeschäften der Internet-Company, mit deren Hilfe der Umsatz künstlich aufgebläht worden sein soll. Demnach hätten die ehemaligen AOL-Manager David Colburn und Eric Keller einen Deal mit dem kalifornischen Unternehmen Homestore Inc. abgeschlossen, wonach Homestore Produkte und Services von Drittfirmen einkauft, die eigentlich gar nicht benötigt werden. Teil dieser Deals sei es gewesen, dass die beauftragten Firmen Werbung bei AOL schalten. Im Gegenzug für diese Vermittlung habe AOL seine daraus resultierenden Werbeeinnahmen mit Homestore geteilt.

Nach Einschätzung der Finanzbehörden hätten diese Dreiecksgeschäfte dazu beigetragen, dass die Unternehmen ihre finanziellen Zielvorgaben erreichten. Die verantwortlichen AOL-Manager haben das Unternehmen mittlerweile verlassen. Laut einer offiziellen Einschätzung hat das Internet-Segment bei AOL Time Warner rund 190 Millionen Dollar falsch verbucht. Die Hiobsbotschaften kommen kurz vor einer strategischen Neuausrichtung des gesamten Konzerns. So wird allgemein erwartet, dass der neue starke Mann Jon Miller die Abhängigkeit der Internet-Sparte vom Werbegeschäft abbauen und verstärkt auf die Vermarktung von Inhalten und das Breitbandgeschäft setzen will. (ba)