Streit um iPhone-Software

US-Behörden prüfen Wettbewerb

04.08.2009
Was auf den ersten Blick nur wie ein weiteres Scharmützel der IT-Giganten Apple und Google aussieht, könnte für den Mobilfunkmarkt und die mobile Nutzung des Internets weitreichende Folgen haben.

Die Verbannung der Telefonsoftware Google Voice aus dem iTunes-App-Store hat das Interesse der US-Telekom-Aufsicht FCC geweckt. In den Fokus der Behörde ist dabei die beim iPhone übliche Vermarktung über exklusive Partnerschaften gerückt. Noch gibt es keine offizielle Untersuchung, doch die Ermittlung könnte die gesamte Telekom-Branche umwälzen.

Apples iPhone hat wie kaum ein anderes Handy die mobile Nutzung des Internets hoffähig gemacht. Für das normale Internet könne jeder Nutzer jeden beliebigen Computer und die Software seiner Wahl einsetzen, erklärt Daniel Lüders, Redakteur der Fachzeitschrift "c't". Im Mobilfunkbereich bestimmten dagegen die Provider und Hardware-Anbieter, welche Handys und welche Anwendungen genutzt werden dürften. Durch die Dominanz von Apple finde inzwischen eine eindeutige Wettbewerbsverschiebung statt. "Mich wundert, warum die FCC erst jetzt tätig wird", sagte Lüders.

Der neue FCC-Chef Julius Genachowski
Der neue FCC-Chef Julius Genachowski

Inzwischen richtete die US-Behörde erste Anfragen an Apple, Google und den Mobilfunk-Anbieter AT&T. Die FCC wolle unter anderem prüfen, ob exklusive Industrie-Partnerschaften den technischen Fortschritt fördern oder aber behindern könnten, sagte FCC-Vorstand Julius Genachowski. Mit Ausnahme weniger Länder wie etwa Frankreich bietet Apple sein iPhone exklusiv über ausgewählte Mobilfunkprovider an, in den USA über AT&T, hierzulande mit T-Mobile. Von AT&T will die FCC nun auch wissen, inwieweit der US-Mobilfunkprovider Einfluss auf die Entscheidung Apples genommen hat.

Streitpunkt zwischen Apple und Google ist die Telefon-Software Google Voice, die bislang nur in einer Test-Version zur Verfügung steht. Die Software ermöglicht unter anderem kostenloses Versenden von SMS-Nachrichten und günstige beziehungsweise kostenlose Telefongespräche über das Internet-Protokoll (VoIP) mit einer einheitlichen und unveränderlichen Rufnummer. Sie wurde ursprünglich von der Firma GrandCentral entwickelt, die Google im Sommer 2007 aufkaufte.

AT&T dürfte in Google Voice eine große Herausforderung für das eigene Geschäftsmodell sehen und könne deshalb durchaus Druck auf Apple ausgeübt haben, schätzt Carl Howe, Analyst der Yankee Group in Boston. In Deutschland hatte zuletzt die Internet-Telefon-Software Skype in der Mobilfunkbranche für Aufregung gesorgt. Die Ankündigung des zum Auktionshaus eBay gehörenden Skype vor einigen Monaten, den Internet-Telefon-Dienst künftig auch für Apples iPhone und den Blackberry anzubieten, konterte iPhone-Partner T-Mobile prompt damit, die Software in den eigenen Netzen blockieren zu wollen. Mit zum Teil kostenlosen Gesprächen über das Internet-Protokoll sieht der Mobilfunk-Provider seine wichtigsten Umsatz-Quellen in Gefahr.

In einer ersten Stellungnahme gegenüber der "Washington Post" bestritt AT&T jegliche Einflussnahme auf die Entscheidung von Apple. "Kunden können jedes GSM-fähige Telefon in unserem Netzwerk nutzen", betonte das Unternehmen. Den Kunden stehe es auch frei, jede Anwendung ihrer Wahl auf ihren Handys zu nutzen. Für eine ausführliche Antwort hat die FCC den drei Unternehmen bis zum 21. August Zeit eingeräumt.

Für das iPhone bietet Apple im App Store inzwischen mehr als 65.000 Programme an.
Für das iPhone bietet Apple im App Store inzwischen mehr als 65.000 Programme an.
Foto: Apple

Für Apples iPhone ist der App Store mit über 65.000 Programmen eine der tragenden Säulen des Erfolgs. Innerhalb eines Jahres registrierte das Unternehmen insgesamt 1,5 Milliarden Downloads. Googles Telefonsoftware Voice ist nicht die erste Anwendung, die an dem umstrittenen Zulassungsverfahren für den Store scheitert. Die Art und Weise der Auswahl war wiederholt in die Kritik geraten. Die Kriterien seien nach außen nicht transparent, so einer der Vorwürfe. Branchenbeobachter sehen in der restriktiven Auslese für den Store eine bedenkliche Wettbewerbsverzerrung.

Der Streit um Google Voice zeigt auch, dass die Konkurrenz zwischen dem Suchmaschinenriesen und dem iPhone-Hersteller immer schärfer wird. Dazu passt, dass sich Google-Chef Eric Schmidt nach rund drei Jahren aus dem Verwaltungsrat von Apple zurückzieht. Angesichts der zunehmenden Rivalität der beiden US-Konzerne galt Schmidts Sitz in dem Gremium zuletzt immer mehr als problematisch. (dpa/tc)