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US-Behörden behindern Suns Grid-Pläne

28.02.2006
Jonathan Schwartz, President von Sun Microsystems, entschuldigte die Verzögerungen des Grid-Netzes mit Sicherheitsbedenken des US-amerikanischen Außenministeriums.

"Es hat sich als schwieriger herausgestellt, als wir ursprünglich dachten", erklärte Schwartz. Ursprünglich wollte Sun Microsystems sein weltumspannendes Grid-Netz bereits Anfang 2005 live schalten. Kunden sollten daraus für einen Dollar pro CPU-Stunde Rechenleistung beziehen können.

In den Augen der US-Regierung stellten die Sun-Server aber offenbar potenzielle Risiken dar, berichtete der Sun-Manager. Der Server-Spezialist hatte ursprünglich vor, seine Grid-Offerte ohne Einschränkungen global anzubieten. Das ging den US-Politikern aber offenbar zu weit. Schwartz zufolge bestanden die Behörden darauf, darüber in Kenntnis gesetzt zu werden, wer auf das Grid zugreife.

Diese Reglementierung habe es erforderlich gemacht, das Grid-Angebot zu modifizieren. Nutzer, die Rechenleistung beziehen möchten, müssten etwa 24 Stunden warten, bevor der Zugang frei geschaltet werde. Nur so lasse sich verhindern, dass Anwender aus Ländern, gegen die US-amerikanische Exportbeschränkungen vorlägen, Zugang zu dem Grid erhielten. Damit müsse sich Sun allerdings auch von seiner Vision eines global verfügbaren Grid-Netzes verabschieden, räumte Schwartz ein.

Als alleinige Entschuldigung für die Verspätungen der Hochleistungs-Rechenzentren will Jonathan Eunice, Analyst von Illuminata Inc., die Auflagen der Behörden jedoch nicht gelten lassen. Die Sun-Verantwortlichen hätten in den vergangenen Jahren so viel versprochen, dies aber nur selten halten können.

Sun Microsystems setzt große Hoffnungen auf seine Grid-Technik (siehe auch: Sun startet sein bislang größtes Grid-Projekt). Da die Hardwareverkäufe seit Jahren rückläufig sind, versucht der Server-Hersteller sich zunehmend als Service- und Lösungsanbieter zu positionieren (siehe auch: Sun setzt alles auf Open Source). Die gemeinsam mit Dienstleistern betriebenen Grid-Rechenzentren sollen einen kontinuierlichen Einnahmestrom sichern.

Der scheint nun aber in Gefahr. Verzögerungen und Sicherheitsbedenken könnten potenzielle Kunden verschrecken, warnte Sun-CEO Scott McNealy. So fordere beispielsweise eine Bank umfassende Sicherheitsgarantien für ihre Daten, ohne dass Sun darauf Zugriff darauf haben dürfe, berichtete der Manager. Wegen der Kontrollabsichten der US-Behörden könnte Sun gezwungen sein, diesen Deal abzulehnen. (ba)