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US-Anwender gründen Softwarekooperative

13.04.2004

Was einige US-amerikanische IT-Manager mit dem Projekt Avalanche planen, könnte sich für die großen Softwareanbieter zur Bedrohung entwickeln: Ähnlich dem Vorgehen in der Open-Source-Gemeinde haben sie einen gemeinsamen Software-Pool gegründet, auf den alle Mitglieder kostenlos zugreifen können.

Der Name Avalanche (englisch für Lawine) kommt nicht von ungefähr, berichten die Initiatoren Andrew Black und Scott Lien. Eine Lawine sei nicht zu stoppen, sie begrabe alles auf ihrem Weg oder reiße es mit sich fort. Die Opfer könnten die etablierten Softwarehersteller sein, wenn denn die ehrgeizigen Pläne aufgehen.

Unter dem Namen Avalanche gründeten die IT-Verantwortlichen zweier US-Unternehmen eine Art Softwarekooperative. Mitgliedsfirmen stellen dem Projekt intern entwickelte Programme zur Verfügung, die Urheberrechte gehen auf die Arbeitsgemeinschaft über. Für einen Jahresbeitrag von 30.000 Dollar können Mitglieder im Gegenzug jedes Programm in der gemeinsamen Bibliothek kostenfrei nutzen.

Die Idee für Avalanche entstand bereits vor drei Jahren. Black und Lien ärgerten sich über die hohen Lizenzgebühren ihrer Softwarelieferanten. Zugleich stellten sie fest, dass viele interne IT-Abteilungen mit hohem finanziellem Aufwand an ähnlichen Programmen arbeiteten. Eine Zusammenarbeit, wie sie etwa US-amerikanische Automobilhersteller in der Forschung praktizieren, schien nicht möglich. Die Ursache des Problems lag für die Avalanche-Erfinder auf der Hand: ein Machtungleichgewicht zwischen IT-Anbietern und deren Kunden. Ziel des Avalanche-Projekts sei es, das Gleichgewicht wiederherzustellen.

Zu den Unterstützern der Kooperative zählen mittlerweile auch amerikanische Großunternehmen, darunter die Handelskette Best Buy, der Landwirtschaftskonzern Cargill oder der Medizintechnik-Anbieter Medtronic. Ähnlich dem Vorgehen in der Open-Source-Welt versprechen sich die Softwarespender unter anderem eine Verbesserung ihrer Programme durch die Gemeinschaft. So entstandene Modifikationen können über die Avalanche-Bibliothek wieder allen Mitgliedern zugänglich gemacht werden.

Zwar arbeiten viele Anwendungen im Pool unter Linux. Die Ausrichtung auf das quelloffene Betriebssystem ist aber keine Voraussetzung. Etliche Programme sind beispielsweise für Windows-Plattformen konzipiert. Unterm Strich, so die Initiatoren, sollen Unternehmen weniger Geld für gewöhnliche Software ausgeben, die keine Wettbewerbsvorteile bringt. Die eingesparten Mittel könnten dann für strategisch bedeutende Entwicklungsprojekte eingesetzt werden. (wh)