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US-Anschläge: Datenverluste noch immer unklar

18.09.2001

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Auch knapp eine Woche nach den Terroranschlägen in den USA ist das Ausmaß der durch die Katastrophe verursachten Datenverluste noch unklar. Die drei großen Desaster-Recovery-Anbieter - Comdisco, Sunguard und IBM - können noch keine absoluten Zahlen nennen. "Ich kann die Menge noch nicht abschätzen", erklärte Tom Kelly, Senior Director of Operations bei Sunguard. Zwar hätten praktisch alle betroffenen Kunden ihre wichtigsten Daten gespiegelt und regelmäßig Backups angelegt. Einige Anwender seien aber in Nachhinein zu dem Schluss gekommen, dass ihre Maßnahmen unzureichend gewesen seien. Beispielsweise sei die Backup-Frequenz rückblickend zu gering ausgefallen.

Don DeMarco, Director Business Continuity und Recovery Services bei IBM, gibt an, die Unternehmen seien in Bezug auf Systeme, Server und primäre Anwendungen "zufrieden" mit dem Recovery-Prozess. Einige Kunden hätten aber auf PC-Ebene Daten verloren. Diese hätten im Vorfeld ihre Daten besser priorisieren müssen, um sicher zu stellen, dass die richtigen und wertvollsten Informationen gesichert würden, so der IBM-Experte.

Ins gleiche Horn bliesen bereits zuvor die Analysten von Gartner. Diese weisen darauf hin, dass sich der Wert der Aktiva eines Unternehmens mit der Zeit verändere, und dass Recovery-Pläne regelmäßig entsprechend angepasst werden müssten. So mancher Anwender mag nach der Katastrophe seine Investitionen in Desaster Recovery und Business Continuity erhöhen. Bisher wurden dafür laut Gartner im Schnitt 3,6 bis 3,7 Prozent der Rechenzentrumsbudgets aufgewendet. Gartner empfiehlt allerdings einen Anteil von wenigstens sechs Prozent am RZ-Budget. Große Finanzdienstleister (und die waren hauptsächlich von den New Yorker Angriffen betroffen) wissen aber schon längst um den Wert ihrer Daten und investieren nach Einschätzung von Experten 15 Prozent und mehr ihrer Data-Center-Mittel in Desaster Recovery.