Zeitreise

Urs Hölzle erinnert sich an Googles erstes "Data Center"

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Googles erstes Rechenzentrum war so klein, dass man nicht wirklich einen Fuß hineinsetzen konnte.

Das erinnert Urs Hölzle, Googles Mitarbeiter Nummer 8, erster Chief Engineer des Internetriesen und mittlerweile Senior Vice President of Technical Infrastructure und Google Fellow, beim Social Layer Google+. Larry Page hatte ihm das "Data Center" am 1. Februar 1999 höchstpersönlich gezeigt - damals arbeitete Hölzle noch gar nicht für Google.

Urs Hölzle war der achte Mitarbeiter von Google - und ist immer noch dabei.
Urs Hölzle war der achte Mitarbeiter von Google - und ist immer noch dabei.
Foto: Google

Genauer gesagt handelte es bei dem damaligen Rechenzentrum um ein winziges Abteil beim Colocation-Anbieter Exodus (gibt es nicht mehr, aber viele Teile davon stehen mittlerweile im Computer History Museum), in dem 30 PCs in den Regalen standen. Auf 24 davon lagerte der Index der Suchmaschine, auf vier weiteren liefen die Crawler. In den umliegenden Abteilen fand sich ein Großteil der damals direkten Konkurrenz wie Altavista (DEC) und Inktomi, aber auch eBay.

Interessantes findet sich übrigens auch noch in den Kommentaren zu Hölzles G+-Eintrag - Sergey Brin verrät zum Beispiel Details zur improvisierten Verkabelung und vermutet, dass Googles frühe Server-PCs von Kingstar gebaut wurden und mit jeweils nur einem Pentium-II-Prozessor liefen. Und der ebenfalls langjährige Google-Kollege und Webspam-Bekämpfer Matt Cutts sagt, dass Google Haupt-Anzeigendatenbank damals (genauer kurz nach Hölzles Besuch, als Google schon ein weiteres Exodus-Abteil mit weiteren 42 Servern belegte) auf einer einzige Maschine mit der internen Nummer "f41" Platz fand.

Eine frühe Rechnung für das Data Center zeigt, dass Google damals für eine Anbindung mit 1 Mbps 1400 Dollar im Monat zahlen musste und sich zwei solche Leitungen leisten musste. Der Traffic erreichte Hölzle zufolge im Sommer 1999 die 1-Mbps-Grenze (was damals etwa einer Million Suchanfragen pro Tag entsprach). Der CoLo-Vertrag mit Exodus umfasste übrigens auch eine Anzahl "zumutbarer" Reboots pro Monat...