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Update: Telekom @ IFA oder T-DSL für alle

23.08.2001

BERLIN (COMPUTERWOCHE) - Um T-DSL kurzfristig flächendeckend anzubieten, haben die Bonner mit dem Satellitenbetreiber SES Astra eine Partnerschaft geschlossen. In Gebieten wo TDSL via Festnetz nicht realisierbar ist, weil die Telefonleitung zu lang ist oder aber Glasfasern verlegt sind, sollen die Surfer künftig Daten via Satellit mit T-DSL-Geschwindigkeit empfangen können. Bei näherer Betrachtung ist jedoch die Bezeichnung "T-DSL via Satellit" eine Mogelpackung, denn der Dienst hat mit dem schnellen Festnetz -Service nichts gemeinsam. Die Surfer gehen nämlich via Analog-Modem oder ISDN Online und der schnelle Satelliten-Download schaltet sich nur bei Bedarf zu - etwa für Videostreaming oder große Datei-Downloads. Hierzu benötigt der Benutzer neben Modem oder ISDN-Adapter eine Astra-Satellitantenne mit einem erweiterten Universal-LNB sowie eine DVB-Karte für den PC. Zwar nannte Brauner noch keine genauen Preise für den Satelliten-Service, doch eines ist

sicher: Die Telekom tarifiert den Service anders als das klassische T-DSL und die dort bekannte Flatrate bleibt wohl ein Wunschtraum für die Satelliten-Surfer.

Positive Nachrichten hatte der Telekom-Vorstand dafür für die T-DSL-Festnetzkunden: So soll die Geschwindigkeit auch im Privatkundenbereich in naher Zukunft von 786 Kbit/s auf 1,5 Mbit/s gesteigert werden. Ferner werde die Telekom auf der Grundlage von ausgiebigen Tests in Kürze bekanntgeben, ob sie eine Fastpath-Konfigurierung für die DSL-Anschlüsse einführt. Dies wurde immer wieder von Online-Spielern gefordert, da sie aufgrund der langen T-DSL-Antwortzeiten bei Action-Spielen keine Chancengleichheit hätten. Die Telekom hatte nämlich, um eine störungsfreie Datenübertragung zu gewährleisten, ihre Anschlüsse mit Interleaving konfiguriert.

Für die Tausende von ungeduldigen T-DSL-Kunden, die seit Monaten auf ihren Anschluss warten, hatte Brauner noch ein zusätzliches Bonbon im Gepäck: Seinen Angaben zufolge richtet die Telekom zur Zeit pro Woche 60.000 neue T-DSL-Ports ein. Eine Aufbauleistung die laut Brauner ihresgleichen sucht, denn die Wettbewerber der Telekom würden Deutschland nicht flächendeckend mit DSL versorgen, sondern sich nur die lukrativen Großstädte herauspicken. Bei aller Euphorie in Sachen T-DSL-Ausbau, die Kunden müssen jedoch auch eine bittere Pille schlucken: Im nächsten Jahr wird die Telekom mit dem T-DSL-Anschluss keine DSL-Modems mehr zur Verfügung stellen. Diese müssen sich die Benutzer dann selbst besorgen. Ein Schritt, den Brauner damit begründet, dass für die entsprechenden Geräte nun ein Käufermarkt entstehe und so der Kunde selbst wählen könne. Dabei geht für den Vorstand der Trend weg vom externen DSL-Modem hin zur

PC-Karte, die in den Rechner eingebaut wird.

Gut gerüstet für die auf der diesjährigen Funkausstellung propagierte Konvergenz von Telekomunikation, IT und klassischer Unterhaltungselektronik sieht Josef Brauner, Vorstand der Telekom-Bereiche T-COM und T-Systems, sein Unternehmen. Seinen Optimismus begründet Brauner damit, dass der Konzern in einem zentralen Punkt, nämlich der Vernetzung, hervorragend für die digitale Welt von morgen gerüstet sei.

Egal, ob neue schnelle Handynnetze wie UMTS oder neue digitale Audio- und Videodienste, im Hintergrund werden, so Brauner, "gigantische Festnetz-Highways benötgt, um Daten rund um den Globus zu transportieren". Eine Einschätzung, die sich auch in der künftigen Ausrichtung der T-COM niederschlägt. Stärker als in der Vergangenheit will Vorstand Brauner nicht nur mit Services wie etwa Telefongesprächen Geld verdienen, sondern auch beim eigentlichen Netzanschluß. Mit Hilfe eines intelligenten Teilnehmeranschlusses will der Manager in diesem Bereich die Wertschöpfung um 15 Prozent steigern. Ein Beispiel eines intelligenten Anschlusses ist für Brauner die Kombination von ISDN und T-DSL. Brauner zufolge ist die Telekom mit rund 1,2 Millionen vermarkteten T-DSL-Anschlüssen, von denen rund eine Million eingerichtet sind, Marktführer in Europa. Bis zum Jahresende will der Konzern in Deutschland 90 Prozent der Kunden via Festnetz mit T-DSL erreichen und

deutlich mehr als zwei Millionen Zugänge vermarktet haben. (Von CW-Redakteur Jürgen Hill in Berlin)