Web

 

Update: Sun will Service- statt Lizenzumsatz

01.12.2005
Sun Microsystems verschenkt künftig seine gesamte Middleware - zumindest auf den ersten Blick. Auf den zweiten ist der Hersteller nur weiter auf der Suche nach Wachstum.

Suns "kostenloses" Softwarepaket "Solaris Enterprise System" (siehe "Sun: Software zu verschenken") ist umfänglich - es enthält Solaris 10 (das ja inzwischen auch die PostgreSQL-Datenbank unterstützt), das komplette JES - Identity-Management, Business Integration (= SeeBeyond), Communications, Application Platform, Availability, Web-Infrastruktur -, die Thin-Client-Software "Sun Ray Ultra", den "Secure Global Desktop (= Tarantella) sowie die N1-Management-Suite (mit System Manager, Service Provisioning und Grid Engine) und die "Studio"-Entwicklerwerkzeuge.

JES und die Studio-Tools laufen im Übrigen nicht nur unter Solaris, sondern auch auf anderen Plattformen wie Windows, HP-UX und Linux. Komplett ist das Solaris Enterprise System noch nicht (sondern erst zu rund 80 Prozent): PostgreSQL kommt im Dezember. Identity Management, Sun Ray und Tarantella sind laut Softwarechef John Loiacono im ersten Quartal 2006 erhältlich, die SeeBeyond-Software gegen Ende des ersten Quartals.

Eigentlich hat Sun aber nur den Zugang zu seiner Middleware vereinfacht. Wer die Software produktiv einsetzen will, kommt um den Abschluss eines Support-Vertrags gewiss nicht herum. "Es steht den Kunden frei, innerhalb ihres Implementationszyklus mit Sun Kontakt aufzunehmen, um Entwicklungs- und Serviceleistungen zu buchen", umschreibt dies der Hersteller in seiner Pressemitteilung.

"Kostenlos ist die niedrigste Eintrittschwelle für den Erwerb eines Produkts. Das ist ein Weg, um die Barrieren runter und den Umsatz hoch zu bekommen", erklärte Suns President und Chief Operating Officer Jonathan Schwartz in einer Telefonkonferenz. "Wir treiben jetzt zuvorderst einmal das Volumen und entwickeln dann den richtigen Service, um dieses Volumen zu versilbern." Sun müsse zunächst die Entwickler-Communities gewinnen, dann die Märkte.

Ob das gelingen kann, halten Experten indes für weniger sicher als Schwartz. "Ich bezweifle nicht, dass Sun bisherige Produkt- durch Serviceeinnahmen ersetzen kann", erklärte beispielsweise der Illuminata-Analyst Jonathan Eunice. "Die Frage ist aber: Wie kann es Marktanteil, Gewinn und Umsatz nachhaltig steigern?" Anders als Wettbewerber wie IBM oder Microsoft habe Suns Softwaresparte bislang keine Partner ins Boot geholt.

Im Bereich Infrastruktur-Software ist Sun ein Outsider - den Markt dominieren Hersteller wie IBM, Microsoft, Bea Systems, Oracle und Open-Source-Produkte wie Jboss. Sun versucht seit Jahren, den Erfolg seiner Software durch Kampfpreise sowie Zukäufe von Firmen wie NetDynamics, CenterRun, Pixo und zuletzt Seebeyond zu befördern.

Shawn Willett, Experte bei Current Analysis, erwartet: "Das wird die meisten Auswirklungen auf die Integrations- und Portalmärkte haben, wo es keine wirklich guten Open-Source-Produkte gibt. Es wird interessant zu sehen, ob und gegebenenfalls wie die Konkurrenten hier reagieren."

"Sun will sein gesamtes Software-Portfolio durch Open-Source-Lizenzen verfügbar machen", erklärte der Hersteller weiter. Viele Komponenten (Solaris, Java Application Server, NetBeans, Single Sign-On) seien schon heute quelloffen. Schwartz hatte bereits im September angekündigt: "Alles was Sun anbietet wird quelloffen und kostenlos sein".

Das mit dem gesamtem Software-Portfolio stimmt übrigens so nicht: So weit wir wissen, hat Sun auch zukünftig nicht vor, Java (2 Standard Edition) unter eine Open-Source-Lizenz zu stellen. Was das Solaris Enterprise System angeht, sollen wichtige Teile laut Loiacono im ersten Quartal 2006 quelloffen werden und die meisten aktuellen Produkte - auch weitere für zum Beispiel Storage-Management - binnen maximal zwei Jahren.

Und wer noch mehr (aus Sicht der Herstellers) lesen möchte: Suns deutscher Marketing-Chef Donatus Schmid hat zu der gestrigen Ankündigung ein Blog aufgesetzt. Und den Audiocast von Schwartz und Loiacono (beide ebenfalls Sun-Blogger) kann man abhören (im RealPlayer-Format). (tc)