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Update: Sun glänzt mit niedrigen Kosten und hohem Gewinn

31.07.2007
Sun war im vierten Quartal mit Kostensenkung und Gewinnmaximierung überraschend erfolgreich und scheint auf dem besten Weg zu einem nachhaltigen Comeback. Die Anleger goutierten dies mit einem nachbörslichen Kursanstieg von zehn Prozent.

Für den am 30. Juni abgeschlossenen Berichtszeitraum wies das in Santa Clara, Kalifornien, ansässige Unternehmen gestern nach Börsenschluss einen Gewinn deutlich über den Erwartungen der Analysten aus.

Der auf Server spezialisierte Hersteller hatte seit dem Platzen der "Internet-Blase" lange zu kämpfen, um wieder in Schwung zu kommen, nachdem die Investitionen alter Kernkundengruppen wie Telcos und Finanzdienstleister ziemlich versiegt waren.

Sun hatte bereits für die ersten zwei Viertel des Fiskaljahres überzeugende Zahlen vorgelegt, dann aber im dritten Quartal die Erwartungen der Wall Street verpasst. Analysten drängen das Unternehmen außerdem weiterhin zu aggressiverer Kostensenkung.

Im abgeschlossenen Quartal erzielte Sun indes bereits eine operative Marge von 8,5 Prozent, mehr als doppelt so viel wie die vom neuen Konzernchef Jonathan Schwartz im Mai vergangenen Jahres kurz nach seiner Amtsübernahme angepeilten vier Prozent. Sun gelang es, seine operativen Kosten im Jahresvergleich von 1,97 Milliarden Dollar auf 1,49 Milliarden Dollar zu senken.

Den größten Erfolg erzielte Sun dabei im Bereich Selling, General and Administrative Expenses, die sich für den Berichtszeitraum auf 958 Millionen Dollar oder rund 25 Prozent vom Umsatz beliefen. Ein Jahr zuvor hatte SG&A noch rund 30 Prozent der Einnahmen ausgemacht.

"Auf oberster Ebene ist das Vertrauen der Kunden gestiegen, und sie wollen die Innovationen, die Sun zu bieten hat", erklärte Schwartz in einem Interview. Finanzchef Michael Lehman konzedierte indes in der Telefonkonferenz zu den Ergebnissen, dass Sun weiterhin noch einiges zu tun hat. "Wir wissen, dass wir unsere Kosten weiter senken müssen", sagte der Chief Financial Officer (CFO) - was natürlich auch einen weiteren Stellenabbau bedeuten könnte.

Der deutsche Marketing-Chef Donatus Schmid ergänzte, in der hiesigen Niederlassung sei man "zufrieden" und liege im europäischen Vergleich gut (die USA hätten im Q4 ein wenig geschwächelt). Sun Deutschland habe ein einstelliges Umsatzplus erzielt vor allem mit Servern und Software. "Nicht so zufrieden" sei man mit der Entwicklung im Storage-Bereich, dieses Problem bestehe aber weltweit (außer für Spezialsysteme wie den "Thumper" für Streaming Video). Die Margensituation habe sich nicht zuletzt dank eines höheren durchschnittlichen Systempreises verbessert. Es gebe unter anderem wegen des Virtualisierungs-Booms einen Trend zu größeren Maschinen. Am Rande verriet Schmid außerdem, dass Sun sein weltweit erstes Highend-Sparc-System der gemeinsam mit Fujitsu entwickelten "APL"-Familie nach Deutschland ausgeliefert hat.

Stolz präsentiert Sun-CEO Jonathan Schwartz einen Wafer mit kommenden "Niagara-2"-Prozessoren.
Stolz präsentiert Sun-CEO Jonathan Schwartz einen Wafer mit kommenden "Niagara-2"-Prozessoren.
Foto: Lynx

Suns Quartalsumsatz stagnierte im Jahresvergleich mehr oder weniger. Das Unternehmen verriet, dass die Produkterlöse sogar um ein Prozent rückläufig waren; dafür stiegen die Serviceeinnahmen um drei Prozent. Was die Serverlinien betrifft, wuchs im Laufe des Geschäftsjahres vor allem die Nachfrage nach den Strom sparenden Chip-Multithreading-Maschinen ("Niagara") und nach x86-Servern mit Prozessoren von AMD und Intel, bei denen allerdings die Margen deutlich geringer sind als bei den hauseigenen Sparc-Systemen.

Der Sanford-Bernstein-Analyst Toni Sacconaghi erklärte übrigens, er sei angesichts der vorgelegten Zahlen weniger optimistisch als die Börse - zum Teil, weil das Unternehmen unterm Strich von gesunkenen Preisen für Speicherchips profitiert habe. Ohne die Vorteile bei den Komponentenpreisen seien Suns Profitmargen "nicht ansatzweise der Ausbruch, nach dem sie aussehen", warnt der Experte.

In der Vergangenheit hatte sich Sun zumeist gescheut, eine Umsatzprognose für die Zukunft abzugeben. Es brach diesmal mit dieser Tradition und kündigte an, es erwarte für das neue Geschäftsjahr ein niedriges bis mittleres einstelliges Plus.

Für das im Juni abgeschlossene Fiskaljahr wies Sun einen Gewinn von 473 Millionen Dollar oder 13 Cent pro Aktie aus nach einem Verlust von 864 Millionen Dollar oder 25 Cent je Anteilschein im Vorjahr. Der Umsatz stieg im Jahresvergleich von 13,07 Milliarden Dollar um 6,2 Prozent auf 13,87 Milliarden Dollar.

Zum Fixing an der Nasdaq hatte die Sun-Aktie gestern drei Cent schwächer bei 4,89 Dollar geschlossen. Nachbörslich zog der Kurs auf 5,37 Dollar an. (tc)