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Update: SBS-Chef von Hammerstein und 2400 Mitarbeiter gehen

19.09.2005
Nur erfolgreiche Geschäfte könnten Arbeitsplätze sichern und schaffen, kommentierte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld die bei SBS und Com geplanten Stellenstreichungen.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Siemens-Chef Klaus Kleinfeld hat am heutigen Montag die mit Spannung erwarteten Einschnitte bei den Krisensparten des Konzerns bekannt gegeben: Um rund 1,5 Milliarden Euro einzusparen und das von Kleinfeld gesteckte Margenziel von fünf bis sechs Prozent zu erreichen, muss der defizitäre IT-Dienstleister Siemens Business Services (SBS) in den kommenden zwei Jahren unter anderem 2400 Stellen in Deutschland streichen. Neben einer Senkung der Sach- und Prozesskosten sollen Überkapazitäten reduziert werden, begründete Siemens den Jobabbau. Wo die Arbeitsplätze verloren gehen, ließ der Konzern zunächst offen. Auch Bereichschef Adrian von Hammerstein geht, angeblich auf eigenen Wunsch. Man überlege, welcher Posten ihm im Konzern angeboten werden könne, erklärte Kleinfeld in einer Telefonkonferenz. An seine Stelle rückt Christoph Kollatz (44), der bisherige Leiter des Geschäftsgebiets Intelligent Traffic Systems des Bereichs Industrial Solutions and Services.

Im Zuge der operativen Neuausrichtung plant SBS zudem, das margenschwache Geschäft mit produktnahen IT-Dienstleistungen flexibler und kostengünstiger zu gestalten. Bereits zu Jahresbeginn hatten die Münchner einen wesentlichen Teil dieser Tätigkeiten in Deutschland mit dem Verkauf der Unternehmensgruppe Sinitec an den IT-Dienstleister a&o ausgelagert (siehe auch: "Siemens verkauft Sinitec an a&o"). Wie bereits Ende Juli angekündigt, sind ähnliche Partnerschaften auch im Auslandsgeschäft geplant. Der Wegfall weiterer Arbeitsplätze jenseits der deutschen Grenzen ist damit ebenfalls abzusehen.

Nach wie vor hält sich Siemens in der grundsätzlichen Ausrichtung des verlustreichen IT-Dienstleisters alle Optionen offen. "Bei SBS geht es jetzt erstmal darum, die operative Performance vernünftig hinzubekommen", sagte Konzernchef Kleinfeld in der Telefonkonferenz. Dies habe aber keinerlei Auswirkungen darauf, wie Siemens weiter strategisch vorgehe. "Optionen in jeder Variante" seien aber besser, wenn SBS stark sei. Der Konzern werde für Kunden und Aktionäre den "richtigen Weg" gehen.

Kleinfeld kündigte außerdem an, die Zahl der SBS-Standorte in Deutschland deutlich zu verringern. Sie sollen von etwa 60 auf ungefähr 20 sinken. "SBS wird auch in Deutschland weiterhin in der Fläche vertreten sein", betonte Kleinfeld. "Wir sind im Mittelstand sehr stark und mögen dieses Geschäft sehr gerne."

Einen weiteren, nicht näher bezifferten Arbeitsplatzabbau soll es in der ebenfalls defizitären Kommunikationssparte Com geben. Zudem gliedert Siemens in der Logistiksparte L&A einen Teil mit 5.000 Beschäftigten in eine eigenständige Gesellschaft aus, von der sich der Konzern später trennen will. "Der Bereich L&A wird mit Wirkung zum 1. Oktober 2005 aufgelöst", kündigte Siemens an. Das verbleibende Geschäft wird auf andere Sparten verteilt. Insgesamt werden beim Industrie- und Technologiekonzern durch Stellenstreichungen und Abspaltungen voraussichtlich mehr als 10.000 Jobs wegfallen.

Vorstandschef Klaus Kleinfeld bekräftigte das Unternehmensziel, alle Geschäfte schnell auf den Kurs profitablen Wachstums zu bringen: "Die notwendigen Maßnahmen setzen wir konsequent um." Nur erfolgreiche Geschäfte könnten Arbeitsplätze sichern und schaffen. Mit dem im April angekündigten Programm "Fit4More" sei Siemens "auf Kurs". (dpa/mb)