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UPDATE: SAP übernimmt Compliance-Anbieter Virsa

04.04.2006
Produkte sollen eng mit Mysap ERP gekoppelt werden. Finanzielle Details wurden nicht genannt.

Virsa Systems entwickelt Lösungen für Compliance und Risk-Management. Anwender sollen damit IT-gestützt die Einhaltung von Richtlinien zur Unternehmensführung überwachen können. Die SAP-Verantwortlichen wollen die Übernahme bis Mai dieses Jahres abschließen. Finanzielle Details des Deals wurden nicht veröffentlicht.

Der 1996 gegründete Softwareanbieter hat seinen Hauptsitz im kalifornischen Freemont und unterhält Niederlassungen in Großbritannien, Deutschland, Frankreich, Asien und Australien. SAP zufolge hat Virsa etwa 300 Kunden und beschäftigt 250 Mitarbeiter. Diese sollen in die USA-Organisation sowie das weltweite Forschungsnetz der SAP eingebunden werden. Die einzelnen Standorte bleiben erhalten.

Der US-Anbieter hat bereits in der Vergangenheit eng mit SAP kooperiert. So seien die Virsa-Lösungen auf SAPs Netweaver-Plattform entwickelt und speziell an die Integrationsplattform angepasst worden, gaben die badischen Softwerker bekannt. Zudem arbeiten beide Firmen bereits seit geraumer Zeit in Sachen Entwicklung, Vertrieb und Marketing zusammen. Seit rund einem Jahr verkauft SAP eigenen Angaben zufolge den "Compliance Calibrator" von Virsa als Ergänzung zu Mysap ERP.

Nach Schätzungen von John Hagerty, Analyst von AMR Research, kommt Virsa auf einen Jahresumsatz von etwa 40 Millionen Dollar. Mit der strikt auf Netweaver ausgerichteten Strategie seien die Amerikaner ein Musterpartner für die Walldorfer. Allerdings hätten die Virsa-Verantwortlichen zuletzt auch einige Anstrengungen unternommen, ihre Lösungen unabhängig von der Applikationsplattform zu positionieren. Es bleibe abzuwarten, in welcher Form SAP beispielsweise eine Oracle-Unterstützung durch die Virsa-Produkte forciere. Die Strategie SAPs, seine Compliance-Lösungen mit einem Zukauf zu stärken, bezeichnet Hagerty als sinnvoll. Die Virsa-Produkte könnten zwar nicht jedes Problem in diesem Umfeld lösen, bildeten jedoch eine gute Grundlage für die weiteren Entwicklungen.

Die Pläne, das Virsa-Portfolio über die SAP-Grenzen hinweg auszuweiten, hat nach Einschätzung von HVB Equity Research noch einen pikanten Nebenaspekt. Im Aufsichtsrat des US-amerikanischen Compliance-Spezialisten sitzt unter anderen Ray Lane, ehemals Chief Operating Officer (COO) von Oracle. Lane war in den 90er Jahren entscheidend am Aufbau des Applikationsgeschäfts von Oracle beteiligt und galt als Kronprinz von Oracle-Chef Lawrence Ellison (siehe auch: Oracle sucht neuen Kurs). Im Jahr 2000 verließ Lane jedoch nach Kompetenzstreitigkeiten mit seinem als geltenden Boss den Datenbankanbieter. Lane könnte SAP dabei behilflich sein, Kontakte in Oracles Kundenbasis hinein zu knüpfen, mutmaßen die HVB-Analysten.

Die SAP-Verantwortlichen halten das Thema Compliance offenbar für immer wichtiger. Dabei berufen sie sich auf eine von SAP selbst finanzierten Studie der Universität Hamburg sowie der European Business School Oestrich-Winkel. Demnach halten 84 Prozent der Unternehmen die Umsetzung von regulatorischen Anforderungen für eine große Herausforderung. Allerdings räumten 58 Prozent der Befragten ein, die eigene Vorgehensweise in Sachen Compliance sei ineffizient. (ba)