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Update: Rätselraten um Sendos Smartphone-Rückzieher

08.11.2002

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Anscheinend völlig überraschend hat Microsoft gestern die Ankündigung des britischen Handybauers Sendo getroffen, dieser werde sein Smartphone "Z100" mit Microsoft-Betriebssystem nicht wie geplant auf den Markt bringen und stattdessen das konkurrierende "Series 60" von Nokia mit Symbian-Unterbau in Lizenz nehmen (Computerwoche online berichtete). Seinen zehnprozentigen Anteil an Sendo will der Redmonder Konzern dem Vernehmen nach trotz dessen plötzlichen Sinneswandels behalten - hier sind Konflikte vorprogrammiert.

In einer offiziellen Erklärung von Sendo wurden keine konkreten Gründe für die Entscheidung genannt. Auch Firmenchef Hugh Brogan und andere Unternehmensvertreter konnten oder wollten aufgrund eines juristisch bedingten Maulkorbs keine weiteren Angaben machen. Branchenintern werden jedoch mehrere Motive für die Maßnahme ausgemacht. Ein Knackpunkt war, dass Microsoft Sendo den Zugriff auf den Sourcecode von Smartphone 2002 verweigert hat und die Briten Eigenentwicklungen somit nur mühsam und aufwändig betreiben konnten. Als weitere Ursache gilt die fehlende Unterstützung von MMS und Java im Betriebssystem von Microsoft. Gegenüber den Netzbetreibern ist das ein erheblicher Minuspunkt, weil sie sich von Java und MMS-Diensten mehr Datenverkehr auf ihren Netzen und damit eine Umsatzsteigerung pro Teilnehmer versprechen. Von Java, weil es sich als mobile Spieleplattform etabliert hat, und von MMS-Diensten, weil sie umfangreicher als SMS sind und als Vorstufe zu UMTS

gelten. Als drittes wesentliches Kriterium wird in der Branche schließlich die mangelhafte Bluetooth-Integration in Smartphone 2002 genannt. (pg/tc)