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Update: Microsoft will sich mit AOL gegen Google verbünden

16.09.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Nach einem entsprechenden Bericht in der "New York Post" (siehe auch: "Time Warner und Microsoft verhandeln über AOL-MSN-Joint-Venture") haben inzwischen verschiedene Quellen bestätigt, dass Microsoft und Time Warner Gespräche über Möglichkeiten für einen wirksameren Einsatz der Online-Aktivitäten geführt haben. Im Zentrum der Gespräche habe sich der Plan befunden, Microsofts Suchtechnik auf dem AOL-Portal einzusetzen. Der am weitesten reichende - wenn auch unwahrscheinliche - Vorschlag sei dahin gegangen, dass der Internet-Dienst AOL mit dem Online-Portal und Einwahlgeschäft von MSN in ein Joint-Venture überführt wird. Abgesehen von den Problemen bei der Realisierung, einschließlich der Bewertung von AOL, hat die Idee eines Zusammenschlusses einen gewissen Charme: Gemessen an den zusammen rund 167,8 Millionen einmaligen Nutzern, die Nielsen/Netratings für den Monat August ermittelte, würde das Gemeinschaftsunternehmen mehr als doppelt so viele Besucher wie Google (80,4 Millionen) aufweisen. Auch der Portalriese Yahoo würde mit seinen etwa 101,3 Millionen monatlichen Nutzern deklassiert, der Abstand zu Nachzüglern wie Ask Jeeves wachsen. Die Konsequenz auf der Umsatzseite: Da die Gates-Company anschließend die Web-Suche für AOL übernimmt, verliert der bisherige Technologielieferant Google auf einen Schlag rund elf Prozent seines Umsatzes im Anzeigengeschäft.

Die Verhandlungen zwischen Microsoft und Time Warner hatten laut "New York Times" im Januar dieses Jahres begonnen. Damals versuchte Microsoft, AOL zum Wechsel auf die neu entwickelte Suchmaschine zu bewegen und bot als Ausgleich sein MSN-Geschäft zum Kauf an. Im Anschluss hätten die Unternehmen dann verschiedene Möglichkeiten der Zusammenarbeit geprüft.

Überraschend ist, dass ausgerechnet jetzt von den Plänen bekannt wurde, wo Großanleger Carl Icahn die Strategie von Time Warner heftig kritisiert. Misstrauische Beobachter vermuten daher, dass der Bericht lanciert wurde, um den Kurs des Medienkonzerns zu stärken. (mb)