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Update: Intershop will 40 Prozent der Belegschaft entlassen

31.07.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der finanziell stark angeschlagene E-Commerce-Softwareanbieter Intershop Communications AG hat seine bereits Anfang Juli angedeuteten Entlassungspläne (Computerwoche online berichtete) konkretisiert: Wie das Jenaer Unternehmen am heutigen Donnerstag bekannt gab, soll die Zahl der Mitarbeiter bis Jahresende von zuletzt 445 auf 250 reduziert werden. Der einstige Börsenstar hofft mit diesem Schritt, seine Gesamtbetriebskosten im Schlussquartal auf sieben Millionen Euro zu senken. Damit soll der angesichts schrumpfender Finanzen stark gefährdeten Fortbestand ermöglicht werden.

Nach Informationen der dpa-Tochter "news aktuell" haben die Entlassenen die Möglichkeit, in eine neu gegründete Beschäftigungsgesellschaft zu wechseln. Es handelt sich dabei um eine Einheit der Beratungsgesellschaft Tower Consult GmbH. Die ehemaligen Intershop-Mitarbeiter können ein zunächst auf sechs Monate befristetes Arbeitsverhältnis eingehen. Geschäftsführer der im Intershop-Tower ansässigen Tower Consult ist Reinhard Hofmann, der bisherige Personalchef der Jenaer Softwareschmiede. Bislang haben bereits rund 70 Angestellte von Intershop einen Arbeitsvertrag in der Transfergesellschaft erhalten, hieß es.

Mithilfe von Kostensenkungen konnte Intershop bereits im zweiten Quartal 2003 die Gesamtaufwendungen des Unternehmens gegenüber dem vorangegangenen Quartal um 14 Prozent von 14,6 Millionen auf 12,6 Millionen Euro reduzieren. Im Vergleich zum zweiten Quartal 2002 sanken die Kosten sogar um 5,4 Millionen Euro oder 30 Prozent. Den Ostdeutschen gelang es damit, den Nettoverlust im sequenziellen Vergleich um 22 Prozent von 8,4 Millionen auf 6,6 Millionen Euro beziehungsweise 33 Cent pro Aktie zu drücken. Parallel ging allerdings auch der Umsatz von 6,4 Millionen auf 5,6 Millionen Euro zurück. Zum Vergleich: Im zweiten Quartal des Vorjahres hatte Intershop noch Einnahmen in Höhe von 12,1 Millionen Euro erwirtschaftet. Das Nettodefizit hatte damals 5,8 Millionen Euro oder 31 Cent pro Anteil betragen.

Unternehmen und Anleger erwartet eine dramatische zweite Jahreshälfte: Nachdem Intershop im Berichtszeitraum rund sechs Millionen Euro verbraucht hat, betrug die Gesamtliquidität zum 30. Juni nach eigenen Angaben nur noch 10,8 Millionen Euro. Davon sind gegenwärtig allerdings nur 3,8 Millionen Euro frei verfügbar. Die Company rechnet aber weiter damit, in naher Zukunft über rund fünf Millionen Euro an derzeit eingefrorenen Mitteln wieder uneingeschränkt verfügen zu können.

Gleichzeitig geht die Softwareschmiede in der zweiten Jahreshälfte von insgesamt rund 13 Millionen Euro Umsatz aus. Die Gesamtbetriebskosten 2003 sollen sich auf Grund der Restrukturierungsmaßnahmen auf 40 bis 45 Millionen Euro belaufen, hieß es. Als Jahresverlust vor Zinsen, Steuern und Abschreibungen (EBITDA) hatte Intershop zuletzt rund 20 Millionen Euro in Aussicht gestellt. (mb)