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Update: InfoStore-DMS vor dem Aus?

19.04.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Ein Leser teilt uns anonym mit, bestehende Kunden der speziell bei iSeries-Anwendern populären Dokumenten-Management-Lösung "InfoStore" müssten sich darauf einstellen, kurzfristig auf eine neue Lösung umzustellen. Comprendium versuche derzeit, das InfoStore-Geschäft abzustoßen. Grund sei eine Neuausrichtung des Anbieters mit Konzentration auf Großkunden nach dem Zusammenschluss mit Solitas.

Die kompletten ehemaligen Führungsmitarbeiter und Projektverantwortlich hätten das Unternehmen in den vergangenen zwei Jahren verlassen, zuletzt Ende vergangenen Jahres CEO Giovanni Bindoni. Inzwischen favorisiere auch der InfoStore-Hauptpartner SoftM statt InfoStore die DMS-Lösung "D3" von d.velop. Eine Weiterführung unter einem neuen Dach als eigenständige Lösung erscheine daher aussichtslos, schreibt der Informant weiter.

Update: Comprendiums Finanzchef Jürgen Breme hat uns inzwischen eine Darstellung des Sachverhalts aus Sicht seiner Firma zukommen lassen. Diese lautet wie folgt:

"Nach erfolgreichem Abschluss der Restrukturierungsmassnahmen, bei der man sich unter anderem von verlustträchtigen Geschäftsbereichen, allen Auslandsgesellschaften und auch vom früheren Management trennte, konzentriert sich Comprendium Informatik AG, Schweiz, der führende europäische Anbieter für DMS-Lösungen für iSeries- und Windows-Kunden, wieder auf sein ursprüngliches Kerngeschäft mit dem Erfolgsprodukt InfoStore. Den neuen Geschäftsführern Jürgen Breme und Klaus Eiteljoerge gelang innerhalb weniger Monate ein beachtlicher Turnaround; das Überleben des Unternehmens ist mittlerweile gesichert und gleichzeitig konnte die Anzahl der Installationen über ganz Europa auf mittlerweile knapp 900 gesteigert werden.

Nach einer finanziellen Durststrecke zum Ende letzten Jahres, bedingt in erster Linie durch hohe Sonderaufwendungen für die Restrukturierung, weist Comprendium im operativen Geschäft seit Anfang des Jahres wieder Gewinne aus.

Größere geplante Aufwendungen zur Zukunftssicherung, wie zum Beispiel für die geplante Modernisierung der Software-Architektur, für den Ausbau des Geschäftes in den stark wachsenden Märkten Italien, Spanien und Portugal und zur Stärkung der eigenen Vertriebsorganisation bedingen eine deutliche Stärkung der Kapitalbasis. Aus diesem Grund ist das Unternehmen aktuell auf der Suche nach strategischen Partnern und Kapitalgebern; aber auch ein verstärktes Engagement der bisherigen Eigentümer ist nicht ausgeschlossen.

"Kunden und Vertriebspartner von Comprendium brauchen sich keine Sorge um die Zukunft von InfoStore oder Comprendium zu machen", betont der neue CFO Jürgen Breme, im Gegenteil: "Wir erwarten durch die Aufnahme neuer Investoren und einer gleichzeitigen Stärkung der Kapitalbasis einen kräftigen Investitionsschub, der letztlich unseren Kunden und Partner zugute kommen wird."

Klaus Eiteljoerge, in der Geschäftsführung für Sales & Marketing zuständig, betont: "Die Verunsicherung im Markt durch derart sachlich unzutreffende Aussagen über unsere Strategie spüren wir natürlich im Tagesgeschäft, aber nach erfolgreichem Abschluss der derzeit laufenden Kooperationsgespräche mit neuen Partnern wird sich auch das wieder beruhigen. Nachdem im Februar das neue Release 4.0 von InfoStore für Windows mit grossem Interesse im Markt aufgenommen wurde, wird der für Anfang Mai geplante Release 7.0 von InfoStore für iSeries zeigen, wie quicklebendig Comprendium trotz aller gegenteiliger Aussagen noch ist."

Comprendium erwartet nach eigenen Aussagen für das laufende Geschäftsjahr einen Umsatz zwischen 4,5 und fünf Millionen Euro, davon fast die Hälfte aus Wartungsverträgen, die wie in den Vorjahren mit einer zweistelligen Zuwachsrate gesteigert werden konnten. Durch Neueinstellungen wuchs die Anzahl der Mitarbeiter, nach den harten Kostenschnitten des letzten Jahres, mittlerweile wieder auf 35 an. Das erweiterte Management ist seit diesem Jahr auch direkt am Geschäftserfolg von Comprendium beteiligt, was ein weiteres Indiz für das wieder erstarkte Selbstbewusstsein des Unternehmens und seiner Mitarbeiter ist."

Für weitere Fragen stehe Marketing-Chef Marcel Ritter jederzeit zur Verfügung, erklärte Breme weiter.

Davon unabhängig kündigen morgen die beiden Firmen Kendox (Schweiz) und eks Informatik (Österreich) an, künftig Anwender von InfoStore für iSeries im gesamten deutschsprachigen Raum mit Service-Angeboten und eigens angepassten Zusatzmodulen versorgen zu wollen. Hinter eks stehen der frühere Chef der InfoStore-Produktentwicklung Gerhard Ehrne sowie die früher bei Solitas Informatik für Kunden- und Partnerdienste zuständige Kurt Krinner und Elisabeth Schwendinger. Sowohl Kendox als auch eks arbeiten mit Comprendium zusammen und sind deswegen an einem Fortbestand von InfoStore interessiert. (tc)