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Update: E-Plus will Regulierung des Mobilfunkmarktes

05.05.2006
Der Mobilfunkanbieter E-Plus setzt bei der Absenkung der Handy-Tarife auf eine Regulierung des deutschen Mobilfunkmarktes.

"Der Regulierer muss hier handeln", sagte Thorsten Dirks, Vorstand der KPN-Tochter, am Freitag in Düsseldorf. Die Kosten für den Betrieb des Mobilfunknetzes von E-Plus und O2 seien höher als bei den Marktführern T-Mobile und Vodafone Group. Dirks stützt sich dabei auf ein Gutachten der Beratungsfirma WIK, wonach E-Plus und O2 wegen einer anderen Mobilfunkfrequenz ein dichteres Mobilfunknetz flechten müssten. Die Kosten für die zusätzlichen Sendemasten machten den Betrieb kostspieliger.

Dirks verlangt daher ein höheres Entgelt für Anrufe in die Netze von E-Plus und O2, als sie Telekom und Vodafone erhalten. Derzeit erhalten die beiden Schwergewichte elf Cent pro Minute und E-Plus und O2 jeweils 1,4 Cent mehr pro Minute. Die Differenz müsse wegen der höheren Kosten für den Netzbetrieb auf vier Cent steigen. Derzeit würden die kleinen Anbieter die großen subventionieren, sagte Dirks. Das tatsächliche Kostenniveau liege nach dem Gutachten bei der Telekom und auch bei Vodafone bei fünf Cent pro Minute. Es sei daher klar, dass die Entgelte sinken müssten, was sich dann auch in fallenden Mobilfunkpreisen niederschlagen soll. Die so genannten Terminierungsentgelte sind ein wesentlicher Teil der Handy-Tarife und bilden eine Grenze für den Mindestpreis, der derzeit bei 15 Cent pro Minute liegt.

Dirks bezieht mit seiner Forderung nach einem höheren Entgelt Stellung zu einem Regulierungsentwurf der Bundesnetzagentur. Die Behörde hat mit einer Regulierung der Terminierungsentgelte gedroht, falls sich die Netzbetreiber nicht freiwillig auf eine Absenkung einigen können. Die Frist für die Stellungnahmen lief an diesem Freitag aus. Nach Angaben eines Behördensprechers werden die von den Mobilfunkanbietern eingereichten Unterlagen nun gesichtet und dann darüber entschieden, wie die Regulierung aussehen könnte.

T-Mobile, Vodafone und O2 haben sich dem Vernehmen nach in bilateralen Verhandlungen auf einen Absenkung der Entgelte auf 9,5 Cent pro Minute für die Schwergewichte geeinigt und dies der Netzagentur mitgeteilt. O2 soll künftig knapp elf Cent erhalten. Eine höhere Vergütung für E-Plus lehnten die Unternehmen ab und verwiesen dabei auf das europäische Ausland, wo die Terminierungsentgelte zum Teil deutlich höher seien. Ein Sprecher von T-Mobile bezeichnete die Forderung von E-Plus als "nicht nachvollziehbar".

Da eine Einigung mit E-Plus nicht zustande kam, rechnen Experten nun mit einer Regulierung des Mobilfunkmarkts. Bislang ist das Segment davon ausgenommen. Durch die Regulierung verspreche sich E-Plus einen "offenen und fairen Wettbewerb, sagte Dirks. Nach Angaben von T-Mobile-Chef Rene Obermann machen die Terminierungsentgelte zwischen zehn und 20 Prozent des Gesamtumsatzes aus. Bei einer deutlichen Absenkung drohen den Unternehmen daher erhebliche Ergebniseinbußen. (dpa/tc)