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Update: Analysten vermissen bei HP einen Strategiewechsel

20.07.2005
Mark Hurd hat gestern seine Pläne zur Steigerung der Effizienz von HP vorgestellt. Analysten vermissen dabei einen deutlichen Wechsel der Konzernstrategie.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der neue HP-Chef Mark Hurd hat gestern seine Pläne zur Steigerung der Effizienz des Unternehmens vorgestellt (siehe "HP baut 14.500 Stellen ab"). Jedoch vermissen Analysten dabei einen deutlichen Wechsel der Konzernstrategie. In den letzten Jahren kämpfte Hewlett-Packard unter anderem mit dem Trend zu billigeren und margenärmeren Produkten. Und trotz des massiven Stellenabbaus haben Wettbewerber wie Dell immer noch eine erheblich günstigere Kostenstruktur.

"Mit fehlte eine allgemeinere Aussage dazu, was die Company strategisch unternimmt. Es ging hauptsächlich um 'Wir entlassen Leute, bringen die Kosten unter Kontrolle und schreiten vorwärts'. Aber wohin es gehen soll, blieb weitgehend offen", findet Charles King, Principal Analyst bei Pund-IT Research. Die Finanzwelt habe möglicherweise auch noch größere Entlassungen erhofft, schrieb die Moors&Cabot-Analystin Cindy Shaw in einer Research Note.

Auch Richard Ptak von Ptak & Associates mutmaßt, Hurd werde womöglich noch mehr Stellen und in anderen Bereichen als den gestern angekündigten abbauen müssen. Er sorgt sich außerdem, dass der Stellenabbau Moral und Produktivität der Belegschaft in Mitleidenschaft ziehen könnte, wenn er sich zu lange hinziehe.

Es gibt aber auch andere Stimmen. "Dieses ganze Jahr über war HP auf sein Innenleben fokussiert", sagte Sam Bhavnani von Current Analysis. "Jetzt können sie sich um das Executing kümmern." "Was HP tut, ist vernünftig und sinnvoll", erklärte die Goldman-Sachs-Analystin Laura Conigliaro. "Ich glaube aber, dass das nicht ausreichen wird, speziell angesichts der sich ändernden Preisstrukturen."

Hurd versucht mit seiner Restrukturierung viele der Probleme anzugehen, mit denen sich HP seit Anfang des Jahrzehnts herumschlägt. Auch seine Amtsvorgängerin Carly Fiorina bemühte sich schon um Wachstum - einerseits durch die umstrittene Übernahme von Compaq für 19 Milliarden Dollar im Jahr 2002, andererseits ebenfalls durch Kostensenkungen: Nach der Übernahme von Compaq beschäftigte HP 150.000 Mitarbeiter, diese Zahl wurde auf 141.000 reduziert. Allerdings nur zwischenzeitlich, denn Ende Oktober vergangenen Jahres war die Belegschaft wieder auf 150.000 angewachsen.

Hurd glaubt, dass er erfolgreicher zu Werke wird gehen können als bei den vergeblichen Versuchen in der Vergangenheit. "Der Schlüssel liegt in der Umsetzung", erklärte der Chief Executive Officer. "Nur mit einer wettbewerbsfähigen Kostenstruktur können wir aggressiv im Markt agieren. Unser Ziel ist, ein einfacheres, flinkeres HP zu schaffen."

Pund-IT-Analyst King sieht hier nur ein Teilziel erfüllt. Die Restrukturierung "macht HP vielleicht zu einem profitableren Unternehmen; ich weiß aber nicht, ob sie HP zu einem besseren Unternehmen macht", erklärte der Experte. (tc)