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Update: Alles hört auf IBMs System z9?

28.07.2005
In seinem neuen Computing-Modell macht IBM den Mainframe zur zentralen Schaltstation im Rechenzentrum, der als Hub die angeschlossenen heterogenen Server verwaltet.

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Vorstellung des neuen Großrechners "z9" in New York nutzte IBM dazu, ein neues Computing-Konzept zu propagieren: "Kollaboration statt Transaktion". IBMs neues Computing-Modell stellt einen Server als zentrale Schaltstation in das Rechenzentrum. Er soll als Hub die angeschlossenen heterogenen Server verwalten. Damit die Anwender aus den in den vergangenen Jahren aufgebauten isolierten Inseln mehr Funktionalität ziehen können, ist es erforderlich, dass die unterschiedlichen Computersysteme intelligenter miteinander verbunden werden, wirbt IBM. Für eine bessere Zusammenarbeit nutzt Big Blue Techniken wie Virtualisierung, Verschlüsselung und die viel zitierten offenen Standards. So sollen sich Informationen in Echtzeit im Unternehmen austauschen lassen.

Hinweis: Zu diesem Artikel gibt es inzwischen in unserem "CW Notizblog" auch eine Kolumne von CW-Chefredakteur Christoph Witte.

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Als ersten Schritt zu solcher reibungslosen Zusammenarbeit präsentierte IBM mit "System z9" einen neuen Mainframe und die "Virtualization Engine 2.0". Zudem wurde noch die Gründung der "Blade.org" in Aussicht gestellt, die in Anlehnung an die bestehende "Power.org" eine Organisation von Drittanbietern rund um IBMs Blade-Center-Systeme etablieren soll. Brocade, Cisco, Citrix, Intel, Network Appliance, Nortell, Novell und VMware haben ihr Interesse bekundet, Gründungsmitglieder der Blade.org zu werden. Nach Angaben von Jürgen Ley aus dem deutschen IBM-Management steht die Organisation auch anderen Anbietern von Blade-Systemen - etwa Hewlett-Packard - offen, falls sie die Spezifikationen von IBMs Blade Center erfüllen. Für die Anwender bestehen allerdings nur geringe Hoffnungen, dass konkurrierende Blade-Systeme in Zukunft kompatibel sein werden.

IBM positioniert den neuen "z9-109"-Großrechner (Codename "Danu") als Hub für das "Collaborative Business". Das Herz des Rechners sind wie schon bei den Vorgänger-Systemen "Z-Series 990" (Codename T-Rex) die "Books". Jeder z9-109-Server kann mit bis zu vier Books ausgestattet werden. Sie enthalten die "Multichip Modules" (MCM), die die Recheneinheit, den Hauptspeicher und die Anschlüsse für den Input/Output (I/O) tragen. Die z9-109-Modelle "S08", "S18", "S28" und "S38" sind pro Book mit zwölf Prozessoreinheiten ausgestattet. Das Highend-Modell "S38", das im November ausgeliefert werden soll, liefert in jedem seiner vier Books 16 CPUs. Jeder Prozessor ist mit 1,7 Gigahertz getaktet und bringt eine Leistung von 580 Mips.

Die Prozessoreinheiten in einem Book sind so konfiguriert, dass zwei Recheneinheiten als "System Assist Processors" (SAPs) arbeiten und - nur im ersten Book - zwei weitere als Austauschprozessoren für den gesamten Server zur Verfügung stehen. Die anderen Chips können für die Rechenarbeit verwendet werden und als "Central Processors", "Integrated Facility for Linux (IFL) Processors", "System z9Application Assist Processors" (zAAPs), "Internal Facility Processors" (ICFs) oder als zusätzliche SAPs eingesetzt werden. Jedes Book lässt sich mit bis zu 128 GB Memory bestücken, was dem Server eine maximale Hauptspeicherkapazität von 512 GB verleiht. Für die Datenkommunikation zwischen Hauptspeicher und I/O-Einheit stehen pro Book 16 schnelle Verbindungen bereit.

IBM fertigt die CMOS-Chips mit neuester "10S-Silicon-on-isulator"-Technik (SOI). Die CPUs enthalten generell zwei Rechenkerne. In den vier kleineren z9-Modellen sind aber nur in der Hälfte der CPUs beide Kerne aktiv, die andere Hälfte arbeitet mit nur einem Rechenkern. Dieses Verfahren wendete IBM auch schon in den T-Rex-Modellen an. Der Grund dafür dürfte die noch immer nicht ausreichend große Ausbeute an funktionsfähigen Doppelkernprozessoren sein. Nur im Topmodell S38 will Big Blue für die maximal möglichen 54 Prozessoren ausschließlich Dual-Core-CPUs einsetzen, was die Leistung dieses Systems auf rund 17 800 Mips schraubt.

Der Danu-Großrechner lässt sich in bis zu 60 logische Hardwarepartitionen (LPARs) und Tausende von virtuellen Servern unterteilen. Damit Java- und Linux-basierende Applikationen dort ablaufen können, werden die zAA- und IFL-Prozessoren verwendet. Kommen zudem die Version 2.0 der Virtualization Engine und der "IBM Director" zum Einsatz, dann "agiert der Mainframe im Rechenzentrum als Hub, der Blade-, Unix-, x86- und andere Server über eine Schnittstelle verwalten kann". In Zukunft soll auch die Speichervirtualisierungssoftware "SAN Volume Controller" eingebunden werden.

Besonders wichtig sind IBM die Sicherheitsfunktionen des Großrechners. So sollen Anwender die Mainframe-Daten einfacher verschlüsseln können, damit Archivierung und Transport der Datenbänder sicher sind. Außerdem stellt z9 eine zentrale Verwaltung für die Datensicherheit dar: Verwendung des Hashing-Algorithmus "SHA-256", hardwaregestützte Verschlüsselung und sichere Transaktionsverarbeitung durch die Unterstützung von Crypto Express 2 in PCI-X-Adaptern. Damit sollen bis zu 6000 SSL-Handshakes in der Sekunde möglich sein. Zusammen mit Cisco portierte IBM die "Intrusion Detection Services" (IDS) auf das Mainframe-Betriebssystem

z/OS. Damit sollen sich z9-Systeme regelgestützt gegen bekannte und unbekannte Attacken schützen lassen.

Verbessert hat IBM auch die Verfügbarkeit des Systems während Wartungs- und Ausbauaktivitäten. Der Hauptspeicher lässt sich im laufenden Betrieb reparieren und erweitern, Treiber können erneuert werden. Für eine bessere Lastverteilung im IP-Netz sorgt der neue "TCP/IP Sysplex Load Balancing Advisor", der in Zusammenarbeit mit den LAN-Switches Vorschläge zur Aufgabenverteilung der angeschlossenen Rechner macht.

Das System z9 unterstützt die Betriebssysteme z/OS, Linux, z/VM, z/VSE und das transaktionsorientierte z/TPF. An Middleware bietet IBM die hauseigenen Websphere-Programme "Application Server for z/OS V6", "Portal for z/OS V5" sowie "MQ for z/OS V6" an. Der Cics-Transaktions-Server liegt in der Version V3.1 vor und soll zusammen mit dem "Cics Gateway V6.0" für bessere Anwendungsintegration sorgen.

Der Hersteller hat nach eigenen Angaben 1,2 Milliarden Dollar für die Entwicklung des Systems ausgegeben: Drei Jahre lang sollen 5000 Ingenieure die Sicherheits-, Virtualisierungs- und Collaborative-Techniken entwickelt haben. Rund 450 Mitarbeiter aus dem Forschungszentrum Böblingen haben unter anderem am Chipdesign für die neuen Prozessoren gearbeitet. (kk)

Kästen:

Die Virtualization Engine 2.0 enthält:

- Resource Dependency Services, mit denen Ressourcen im IP-Netz automatisch erkannt und dargestellt werden. Damit lassen sich auch Geschäftsprozesse einzelnen Ressourcen zuordnen.

- Integrated Virtual Management: Dient dem Aufbau und der Konfiguration von virtuellen Systemen.

- Enterprise Workload Manager: Erlaubt das dynamische Partition-Management für Power-5-basierende Server. Zusammen mit System z9 für netzbasierendes Load Balancing.

- Director 5.1: Softwarewerkzeuge für die Verwaltung von IBM-Hardware von einer Konsole aus.

System z9 auf einen Blick

- Unterteilung in bis zu 60 Partitionen;

- höheres Maß an Sicherheit;

- kürzere geplante Ausfallzeiten;

- bis zu 54 Prozessoren;

- Anwendungsintegration über Websphere.