Deloitte-Studie zu Planung, Budget, Forecast

Unternehmenskultur steht zeitgemäßer Planung im Weg

Holger Eriksdotter ist freier Journalist in Hamburg.
Anzeige  Zuständigkeiten und Zielsetzungen sind in vielen Unternehmen nicht klar geregelt, wenn es um Budgetierung und Forecasting geht. Traditionelle Methoden werden den Anforderungen nicht mehr gerecht, aktuelle Technologien aber noch viel zu selten eingesetzt, so das Ergebnis einer aktuellen Studie des Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsunternehmens Deloitte.
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Mehr als ein Drittel der Unternehmen schätzen ihre eigenen Budgetierungs- und Forecasting-Prozesse im Hinblick auf die strategischen Unternehmensziele als unzureichend ein. Diese Erkenntnis gilt für alle Unternehmen - unabhängig vor der Größe oder Branchenzugehörigkeit.

Für die Studie "Integrated Performance Measurement: Plan. Budget. Forecast." haben die Experten von Deloitte Führungskräfte aus 600 Unternehmen befragt. Der aktuelle Status quo in den Unternehmen weist danach auf eine erhebliche Schieflage hin: Für 86 Prozent ist Planung, Budgetierung und Forecast (PBF) eine Angelegenheit der Finanzabteilung, 60 Prozent fokussieren ausschließlich auf finanzielle Aspekte. Folgerichtig sehen 37 Prozent der Teilnehmer eine unzureichende Verbindung zu den strategischen Unternehmenszielen und ein Drittel verfügt über keinerlei Mechanismen zur Evaluierung der Forecasts.

Rolf Epstein, Leiter CFO-Services bei Deloitte
Rolf Epstein, Leiter CFO-Services bei Deloitte
Foto: Deloitte GmbH

"Strategische Planung, Budgetierung und Forecasting sollen Unternehmen einen Blick in die Zukunft ermöglichen - und damit die Gelegenheit, die Weichen frühzeitig zu stellen. Sie sind Schlüsselelemente bei der Informationsgenerierung und -verarbeitung und Entscheidungsbasis in zentralen Bereichen, sagt Rolf Epstein, Partner und Leiter CFO Services von Deloitte.

Tabellenkalkulation statt aktueller Planungstools

Dieses Ziel aber erreiche offenbar ein großer Teil der Unternehmen nicht. Als größtes Hindernis haben die Deloitte-Experten dabei die Unternehmenskultur ausgemacht. So seien häufig weder Ziele noch Zuständigkeiten so klar geregelt, wie das für ein angemessenes PBF angezeigt wäre. Deshalb könne der Gesamtprozess oftmals von individuellen Motivationen untergraben werden. "Die Organisationskultur fördert Ineffizienz und Ineffektivität. Wir stellten fest, dass es bis zu sechs Monaten dauern kann, bis der typische Budgetprozess vervollständigt ist", sagt Epstein.

Obwohl längst aktuellere Werkzeuge und Technologien zur Verfügung stünden, sei bei mehr als einem Drittel der Unternehmen immer noch die Tabellenkalkulation das Hauptwerkzeug für Budgetierung und Prognose. In diesem Punkt wie auch bei vielen anderen Planungsherausforderungen wiesen große und kleine Unternehmen kaum Unterschiede auf. Dabei brächten technologische Neuerungen wie Software-Standard-Plattformen zahlreiche Vorteile: mehr Geschwindigkeit, mehr Möglichkeiten, mehr Kontrolle, mehr Präzision - und mehr Transparenz.

"Der Weg zur PBF-Integration führt über zwei Schritte: nach der Zieldefinition sollte Klarheit darüber geschaffen werden, was ergebnisrelevant ist und daher im Fokus stehen sollte - und das reicht weit über die Finanzen hinaus. In jedem Fall sollte ein spezielles Team gebildet und offen über Prozesse und Herausforderungen diskutiert werden", resümiert Epstein.