IT im Wandel

Unternehmen werden 2015 Bestandteil der Digitalwelt

Daniel Liebhart ist Dozent für Informatik an der ZHAW (Züricher Hochschule für Angewandte Wissenschaften) und Solution Manager der Trivadis AG. Er ist Autor verschiedener Fachbücher.
Aus dem modernen Alltag sind sie nicht mehr wegzudenken: Smartphones, Tablets und Wearables. Mobilität ist heute selbstverständlich – jedoch wird die dafür notwendige Informationstechnologie meist nur als unterstützende Nebensache wahrgenommen.
Der Autor wirft einen Blick in die nahe Zukunft. Demnach soll die Zahl der vernetzbaren Geräte weiter zunehmen und Mobile Devices sollen sowohl im Arbeits- als auch im privaten Umfeld eine weiterhin zunehmende Rolle spielen.
Der Autor wirft einen Blick in die nahe Zukunft. Demnach soll die Zahl der vernetzbaren Geräte weiter zunehmen und Mobile Devices sollen sowohl im Arbeits- als auch im privaten Umfeld eine weiterhin zunehmende Rolle spielen.
Foto: ra2 studio - Fotolia.com

Die Bedeutung der IT für Unternehmen und Gesellschaft nimmt zu und wird sich 2015 von der reinen Unterstützungsfunktion zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor wandeln.

Vollständig vernetzt

Noch 2012 hat das Word Economic Forums (WEF) mit seinem "The Global Information Technology Report" mit dem Titel "Living in a Hyperconnected World" vorausgesagt, dass sich Politik und Wirtschaft in den nächsten Jahren auf das neue Zeitalter der "Hyperkonnektivität" einzustellen haben. Inzwischen hat uns die Entwicklung längst überholt: Laut Statistiken der International Telecommunication Union (ITU) sind 2013 mehr Smartphones als andere mobile Telefone verkauft worden und aktuell haben weltweit 95 von 100 Einwohnern im Gesamtdurchschnitt bereits einen Mobilfunkvertrag.

Wir sind also schon heute vollständig vernetzt. Die Folge ist eine zunehmende Digitalisierung des Alltags und des Arbeitslebens. Doch damit nicht genug: Bereits heute sind mehr Geräte als Menschen über das Internet verbunden. Bis 2018 sollen es bereits 25 Milliarden sein - also sechsmal mehr Geräte als Menschen. Dazu gehören Fahrzeuge, Maschinen, Haushaltsgeräte, Kameras, Lampen, Sensoren. Eigentlich alles, was Strom braucht, lässt sich nach heutigem Stand der Technik bereits relativ einfach vernetzen. Die Onlinepublikation Quartz hat 2014 sogar zum Jahr des Internet der Dinge (IoT) erklärt, da der Preis, einen technischen Alltagsgegenstand internetfähig zu machen, also zu einem "Smart Thing" weiter zu entwickeln, bereits unter 5 Dollar gefallen ist. Und diese Smart Things werden die Veränderung von Arbeit und Alltag stark beeinflussen. Deren Anfänge erleben wir dank zunehmender Digitalisierung bereits jetzt. Beispielsweise das Verschwinden der Grenze zwischen Arbeit und Freizeit. Nach Angaben des amerikanischen Amt für Statistik der Arbeit verändert mobile Arbeit unsere Arbeitsweise sehr stark. So arbeitet ein Viertel aller Mobil Arbeitenden unterwegs - das ist in jedem Pendlerzug gut sichtbar. Und 37 Prozent arbeiten sogar während der Mittagspause und benützen Smart Things aller Art als Arbeitsinstrument.

Auch in der Freizeit haben sich Smart Things mehr und mehr etabliert. So sind wir längst dazu übergegangen, unsere sportlichen Outdoor-Aktivitäten laufend zu messen und auszuwerten. Doch das ist nur der Anfang. Die Analysten von IDC, Experton oder Forrester sind sich einig: Um neue Geschäfts- und Arbeitsmodelle entwickeln zu können, müssen Unternehmen früher oder später selbst zum integrierten Bestandteil der digitalen Welt werden. Gartner ging in seinem Symposium im November 2014 sogar noch einen Schritt weiter: Die Qualität sowie die Art und Weise der Umsetzung der Digitalisierung wird über Erfolg oder Misserfolg eines Unternehmens entscheiden. Die Vorbereitungen dazu sind schon in vollem Gange. IT-Experten in Unternehmen werden 2015 damit beschäftigt sein, bestehende Systeme anzupassen und darauf vorzubereiten, neue Technologien und Innovationen in ihre IT-Landschaften zu integrieren.

Der mobile Arbeitsplatz

Die zunehmende Mobilität des Arbeitsplatzes ist auf Unternehmensseite die wohl die spannendste Entwicklung für 2015. Im kommenden Jahr werden laut Schätzung von IDC rund ein Drittel aller arbeitenden Menschen einen mobilen Arbeitsplatz nutzen. Mit Laptops, Tablets oder Smartphones und bald auch mit Uhren oder Datenbrillen wird schon bald von Außen auf Firmennetzwerke und Anwendungen zugegriffen. Diese Entwicklung hat Auswirkungen auf sämtliche Berufsgruppen - vom klassischen Außendienst über Sachbearbeiterinnen bis hin zum Fertigungspersonal. Die Arbeit der Zukunft ist also mobil und damit wird der zugehörige mobile Arbeitsplatz früher oder später zum wichtigsten überhaupt.


Damit sind sowohl für Unternehmen als auch für die Angestellten eine Reihe von Vorteilen verbunden. Mitarbeitende erwarten eine höhere Flexibilität, mehr Produktivität, geringeren Reiseaufwand, bessere Work-Life-Balance und mehr Zeit für ihre Kunden. Unternehmen versprechen sich hingegen weniger Kosten für Immobilien und für Reisen, eine höhere Attraktivität für Fachkräfte sowie eine verbesserte Mitarbeiterbindung. In Zahlen ausgedrückt ist dieser Trend äußerst vielversprechend. Die Analysten der Aberdeen Group sprechen von Produktivitätssteigerungen von bis zu 45 Prozent, wenn Angestellte zur Erledigung ihrer Arbeit mobile Anwendungen verwenden durften. Die Gründe dafür liegen in der verbesserten Kommunikation und Zusammenarbeit im Team, der schnellen Bereitstellung handlungsrelevanter Informationen sowie der Optimierung des Kundenkontaktes durch mobile Software.

Die flexible Infrastruktur

Mobile Arbeitsplätze erfordern flexible Infrastrukturen. Anwendungen und Daten müssen also schon 2015 dort verfügbar sein, wo sich die Mitarbeiter aufhalten - und das wird mehrheitlich außerhalb klassischer Unternehmensgebäude sein. Sie befinden sich damit aus IT-Sicht in den Tiefen des globalen Internet - mit allen Chancen und Risiken. Dennoch ist eine signifikante Verschiebung der Unternehmensgrenzen unumgänglich. Bestehende IT-Sicherheitsrichtlinien sind also neu zu überdenken, denn Anwendungen und Daten müssen sich in naher Zukunft so frei bewegen können, wie die Menschen, die mit ihnen arbeiten. Dies setzt eine globale Infrastruktur voraus, die flexibel und agil durch Raum und Zeit unterstützende Arbeitsinstrumente zur Verfügung stellen muss - und gleichzeitig die Einhaltung gut abgesicherter Unternehmensgrenzen gewährleisten kann.

Ein Unternehmen muss also nicht nur Teil der digitalen Welt werden, es muss sich in dieser digitalen Welt auch bewegen können. Diese Beweglichkeit setzt voraus, dass Unternehmen ihre bestehende und gewachsene Anwendungslandschaft gründlich überdenken müssen. Um wettbewerbsfähig zu bleiben, muss diese mit den flexiblen Infrastrukturen der vernetzten Gesellschaft sinnvoll verbunden werden. Dazu gehören sowohl Cloud Services, Social Network-Plattformen als auch Marktplätze für Informationen. Ein Beispiel dafür ist das Produkt DHL Resilience360, welches eine neuartige Art und Weise mit Logistikrisiken durch eben diese Vernetzung und Kombination erlaubt. Eine Überwachungsfunktion korreliert Warenflüsse und Positionsinformationen mit Verkehrs- und Wetterinformationen und hilft so im laufenden Betrieb auftretende Transportrisiken zu mitigieren.

Die Digitalisierung der Unternehmen

Im Jahr 2015 werden viele Unternehmen eine verstärkte Nutzung der stetig wachsenden globalen Infrastruktur anstreben. Sie müssen dazu jedoch zuerst ihre bestehende Infrastruktur verändern, konsolidieren, mit neuen Schnittstellen versehen oder wenn nötig sogar durch eine neue ersetzen. Diese Tatsache ist beispielsweise der eigentliche Grund, weshalb mehr und mehr private Cloud-Infrastrukturen aufgebaut werden.
Dabei sind es vor allem die prognostizierten Produktivitätssteigerungen durch mobiles Arbeiten, die entsprechende Investitionen im Jahr 2015 rechtfertigen werden - nicht nur der vermeintlich tiefere Preis oder eine höhere Elastizität. Unternehmen, die bereits heute interne Cloud-Plattformen einsetzen, haben es hingegen deutlich einfacher, innerhalb kurzer Zeit auf globale Cloud-Infrastrukturen umzustellen. Doch der Weg in die Digitalisierung ist damit bei Weitem noch nicht abgeschlossen. Die Informationstechnologie ist auf dem besten Weg ihre Position 2015 von der reinen Unterstützungsfunktion zum entscheidenden Wettbewerbsfaktor eines Unternehmens zu avancieren. Mit seinem Artikel "Software is eating the world" sagte der Netscape-Mitgründer Marc Andreesen im Wall Street Journal voraus, dass die Verarbeitung von Daten und das Management von Informationen künftig zum Kern eines jeden Geschäftes wird. Die Firma Deep Knowledge Ventures hat im vergangenen Jahr sogar erstmals einen Computer namens "Vital" (Validating Investment Tool for Advancing Life Sciences) in den eigenen Aufsichtsrat gewählt. Auch 2015 werden wir zahlreiche digitale Innovationen den Weg in die Geschäftswelt finden - es bleibt also spannend. (bw)