Studie zur Software-Nutzung

Unternehmen verschwenden Geld beim Software-Kauf

Holger Eriksdotter ist freier Journalist in Hamburg.
Anzeige  88 Prozent der mittelständischen Unternehmen in Europa schöpfen ihre IT-Investitionen nicht vollständig aus. Durch bessere Planung und anforderungsgerechte Unternehmens-Software könnten Firmen durchschnittlich einen Betrag von 43.000 Euro jährlich einsparen.

Über alle Unternehmen hinweg ergibt sich eine Summe von 9,6 Milliarden Euro, die mittelständische Firmen in Europa jedes Jahr aus dem Fenster werfen, so das Ergebnis einer Umfrage des ERP-Anbieters Sage zur aktuellen Software-Nutzung. "Diese Umfrage sollte ein großer Weckruf für mittelständische Unternehmen in ganz Europa sein, die Milliarden von Euro für nicht vollständig genutzte Unternehmens-Software ausgeben", so Christophe Letellier, CEO Sage ERP X3.

Dabei sind die Gründe des nicht bedarfsgerechten oder unvollständigen Software-Einsatzes von Land zu Land unterschiedlich: Deutsche Firmen beklagen insbesondere die Überschneidung der Funktionen innerhalb unterschiedlicher Softwarelösungen (35 Prozent). Im internationalen Durchschnitt führten die Befragten am häufigsten an, dass nicht alle Features von geschäftlichem Nutzen seien (36 Prozent). "Die gekauften Lösungen stimmen nicht mit dem Geschäftsbedarf überein", kommentiert Sage-Manager Letellier. Ein Viertel aller Befragten gab mangelhaften Schulungen die Schuld.

Foto: Sage Software GmbH

Was die Erwartungen an eine Software-Lösung betrifft, nennen 63 Prozent der Befragten die unternehmerische Effizienz als wichtigste Herausforderung an eine Software. Dennoch glauben nur rund ein Drittel der Umfrageteilnehmer (35 Prozent), dass Software sie auf dem Weg zum Geschäftserfolg unterstützen kann. Dominiert wird die IT-Agenda nach wie vor durch die Cloud. Drei Viertel der Firmen denken darüber nach, künftig in Cloud-basierte Unternehmenssoftware zu investieren. Dabei variiert die Bereitschaft von Land zu Land: Während die Portugiesen zu 92 Prozent über einen Einstieg in die Cloud nachdenken, sind es in Frankreich nur 68 Prozent. In Deutschland ziehen immerhin 70 Prozent der Entscheider den Einsatz von Cloud-Computing-Lösungen in Betracht.

Foto: Sage Software GmbH

Dabei gewinnen Nutzer zunehmend Einfluss auf IT-Entscheider und viele Merkmale aus der Consumer-IT färben auch auf die Unternehmens-Software ab. Social Media beispielsweise hat sich zu einem starken Wachstumsbereich entwickelt: 64 Prozent der Unternehmen halten soziale Funktionen für ziemlich oder sehr wichtig. Nach Ansicht von Letellier sollte das Management die Nutzer generell stärker in die Planungen einbeziehen: "Entscheider hören nicht genug auf ihre Anwender und versuchen es lieber mit einer Einheitslösung statt mit maßgeschneiderten, auf die Nutzer ausgerichteten Produkten. Mittelständische Firmen müssen sich stärker an den Anwendern orientieren und verstehen, wie ihre Angestellten die Investitionen des Unternehmens am besten einsetzen können."

Für die Studie hat Redshift Research Crowdology im Auftrag von Sage im April 2014 Senior-IT-Verantwortliche aus 600 mittelständischen Unternehmen mit 250 bis 1.000 Mitarbeitern aus Deutschland (100), England (100), Frankreich (100), Spanien (100), Portugal (50), Belgien (50), Rumänien (50) und Holland (50) befragt. Weitere Zahlenangaben basieren auf der EU-Schätzung von 222.628 mittelständischen Unternehmen in der EU aus dem Jahr 2012.