Gartner-Umfrage

Unternehmen fremdeln mit Big-Data-Technik Hadoop

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Viele Betriebe nähern sich der Big-Data-Technologie Hadoop - wenn überhaupt - dann nur zögerlich, stellt Gartner in einer Erhebung fest. Es gebe Zweifel an konkreten Business-Vorteilen, vor allem aber fehle es an fachkundigem Personal.

Zwischen Februar und März 2015 fragten die Analysten bei 284 Mitgliedern ihres "Gartner Research Circle" nach. Dabei handelt es sich um ein Panel, in dem sowohl IT- als auch Business-Manager regelmäßig Rede und Antwort stehen. Die Antworten fallen durchaus überraschend aus. So haben nur 125 Teilnehmer bereits in Hadoop-Technologien investiert oder hegen Pläne, dies binnen zwei Jahren zu tun.

Hadoop Logo
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Foto: ASF

"Ungeachtet des großen Hypes und der berichteten Erfolge von Early Adopters sagen 54 Prozent der Befragten, sie beabsichtigten derzeit nicht in Hadoop zu investieren. Nur 18 Prozent planen, in den nächsten zwei Jahren, entsprechende Mittel locker zu machen", zeigt sich Gartners Research Director Nick Heudecker überrascht. Die Umfrage zeige auch, dass die Hadoop-Pioniere nicht unbedingt größere Investitionen nachschießen wollten. Im Gegenteil: In den kommenden zwei Jahren dürfte die Euphorie im Vergleich zur Frühphase deutlich abebben.

Hadoop-Technik - ein Overkill

Laut Gartner genießt Hadoop in vielen Firmen schlicht keine Priorität. Außerdem sprechen viele Anwender von einem "Overkill": Gemessen an den zu erwartenden Vorteilen seien die Kosten für Implementierung und Anpassungen im Business zu hoch.

"Bei einem solch großen Aufkommen an skeptischen Unternehmen nimmt sich die Nachfrage in den kommenden 24 Monaten regelrecht anämisch aus", urteilt Merv Adrian, Research Vice President bei Gartner. "Der Mangel an konkreten Projekten legt nahe, dass sich - ungeachtet der anfänglichen Euphorie um das Big-Data-Phänomen - die explizite Nachfrage nach Hadoop nicht beschleunigen wird." Die einschlägigen Software-Anbieter müssten sich nun wohl in erster Linie auf den Ausbau ihrer Geschäfte mit Bestandskunden fokussieren.

Während 49 Prozent der Befragten Zweifel hegen, ob sich aus Hadoop-Vorhaben wirklich Business-Werte ziehen lassen, nennen sogar 57 Prozent das Fehlen von gut ausgebildetem Fachpersonal als Hinderungsgrund für einen größeren Einstieg. Die Anbieter entsprechender Tools behaupteten zwar, einfache Software bereitzustellen, doch nach Meinung der Umfrageteilnehmer adressieren sie nur einen kleinen Kreis von absoluten Experten und nehmen das Gros der IT-Spezialisten nicht mit auf die Big-Data-Reise.

Ohne Business-Nutzen keine Ausbildung

Trotz einschlägiger Trainings fürchtet Gartner, dass es zwei bis drei Jahre dauern wird, bis Skills in ausreichender Menge verfügbar sind. Doch dazu werde es ohnehin nur kommen, wenn der Geschäftsnutzen von Hadoop zweifelsfrei erkennbar sei.

Diejenigen, die die Technik bereits eingeführt haben oder mit Piloten experimentieren, ziehen eine bescheidene Bilanz. 70 Prozent sagen, das eine bis maximal 20 Personen mit dem Cluster arbeiteten, und überraschende vier Prozent zählen nicht einen einzigen Hadoop-Anwender. "Im jetzigen Marktstadium sind diese Zahlen keine Überraschung", sagt Heudecker. Zudem sei der Hadoop-Stack unkomfortabel für die die simultane Nutzung vieler User, was die Zahl ebenfalls einschränke. Am Ende seien wohl die fehlenden Skills der wichtigste Grund dafür, dass Hadoop nicht recht vom Fleck komme.

"Eines der großen Wertversprechen liegt in den geringeren Kosten im Vergleich zu klassischen IT-Infrastrukturen", so der Analyst. "Doch die Relation zwischen der geringen Anzahl an Usern und der beträchtlichen Aufwände für Cluster-Hardware und Software-Support deutet darauf hin, dass Hadoop dieses Versprechen nicht einlöst."