Ein Tag mit einem SAP-BI-Berater

Unser Mann beim Kunden

Karriere in der IT ist ihr Leib- und Magenthema - und das seit 18 Jahren. Langweilig? Nein, sie endeckt immer wieder neue Facetten in der IT-Arbeitswelt und in ihrem eigenen Job. Sie recherchiert, schreibt, redigiert, moderiert, plant und organisert.
Was macht eigentlich ein SAP-Profi den ganzen Tag? CW-Redakteurin Alexandra Mesmer ging mit Tobias Kuhnt, Berater für SAP Business Intelligence bei der Itelligence AG, auf Reisen.
Autofahren ist Teil seines Jobs: Itelligence-Berater Tobias Kuhnt.
Autofahren ist Teil seines Jobs: Itelligence-Berater Tobias Kuhnt.
Foto: Itelligence

7.55: Auf der A9 in Richtung Nürnberg. Dicke Regentropfen peitschen gegen die Windschutzscheibe, die Scheibenwischer sind am Anschlag. Unbeeindruckt fährt Tobias Kuhnt und redet. Mal mit der Reporterin über seinen Traumberuf Berater " da lerne ich in drei Jahren 15 Firmen kennen". Mal mit dem Support-Kollegen aus Bielefeld über einen Fehler im System, für den er eine Lösung gefunden hat. Autofahren ist Teil seines Berufes, seine Kunden sitzen in ganz Bayern, sie besucht er im Zwei-Tage-Rhythmus, im Itelligence-Büro in Hallbergmoos bei München schaut er nur vorbei, wenn er sich mit Kollegen, seinem Projektleiter oder dem Vorgesetzten zum persönlichen Gespräch verabredet. Früher rechnete er noch seine Reisekosten im Büro ab, heute kann er das vom Hotel oder von zu Hause aus erledigen.

8:20: Der Regen hat nachgelassen, Tobias Kuhnt ruft einen Stuttgarter Kollegen an. Er sei Ende September zwei Tage in Fellbach bei Stuttgart, dann könnte man sich treffen. Es klappt, der andere Itelligence-Berater wird zu dem Zeitpunkt nur 15 Kilometer entfernt im Projekteinsatz sein. Kuhnt freut sich, solche Treffen sind für Berater auf Reisen nicht leicht zu organisieren. Da macht es auch nichts, dass er die Autobahnausfahrt verpasst, da das Navi stumm bleibt, während er telefoniert.

8:40: Kuhnt stellt sein Auto direkt vor dem Eingang der Bühler Motor GmbH in Nürnberg ab. Das Familienunternehmen stellt Antriebe mit Kleinmotoren, Kleingetriebemotoren und Zusatzwasserpumpen für die Automobilindustrie, Medizin- oder Gebäudetechnik her. 1650 Mitarbeiter sind an acht Standorten auf drei Kontinenten beschäftigt, vor vier Jahren hat Bühler Motor mit der itelligence AG das SAP-System eingeführt, in den vergangenen zwei Jahren haben Kuhnt und seine Kollegen ein Data-Warehouse aufgebaut, auf das nun ein so genanntes Management Cockpit aufgesetzt werden soll. Eine Business-Intelligence-Lösung für die Manager des Antriebstechnikherstellers, die dann ab Januar per Klick alle wichtigen Kennzahlen in neun übersichtlichen Grafiken präsentiert bekommen sollen. Bisher mussten diese Auswertungen mühsam in Excel zusammengestellt werden. Die wichtigste Neuheit: Alle Daten kommen aus einer Quelle, Kuhnt spricht von "Single Source Of Truth".

Ein eingespieltes Team: Monika Holler, Finanzanalystin bei Bühler Motor, und Berater Kuhnt arbeiten beim BI-Projekt eng zusammen.
Ein eingespieltes Team: Monika Holler, Finanzanalystin bei Bühler Motor, und Berater Kuhnt arbeiten beim BI-Projekt eng zusammen.
Foto: Itelligence

8:45: Im "Showroom" von Bühler Motor. Den langgezogenen Raum dominiert eine Reihe von Alusäulen, darauf jeweils eine Glasplatte und ein Motor oder Getriebemotor. Monika Holler aus dem Controlling begrüßt Kuhnt. Die Finanzanalystin wird sein Sparringspartner für die nächsten sechs Stunden sein, am Konferenztisch sitzen sich die beiden mit ihren Laptops gegenüber. Die BI-Welt mit ihren endlosen Zahlenkolonnen, Tabellen, Ordnern, Unterordnen und Verknüpfungen ist leichter zu durchschauen, wenn Zahlen und Ordner groß auf der Wand erscheinen.

9:20: Die Finanzanalystin und der BI-Berater sprechen die offenen Punkte im Grobkonzept für das Global-Reporting-Projekt durch. "Ein BI-Projekt erfordert an vielen Stellen eine andere Projektmethodik als ein klassisches ERP-Projekt. Da ist Kreativität gefragt, um auf die richtigen Lösungen zu kommen. Die Kunst besteht darin, eine solide und verlässliche IT-Architektur zu schaffen, die aber gleichzeitig den noch unbekannten Anforderungen der Zukunft gewachsen ist", erklärt Kuhnt. Die Konzeptphase ist mit fünf Tagen sehr kurz, in der die Anforderungen zusammengetragen werden. Für den Antriebstechnikhersteller ist zum Beispiel die Filterfunktion nach den weltweiten Tochtergesellschaften wichtig. Kuhnt klickt sich durch das Konzept, bei "Goods in Transit" weist Holler auf ein Problem hin: Müssen Materialien einen weiten Transportweg (etwa von China) zurücklegen, wird die Rechnung ins System gebucht, noch bevor die Ware eingeht. Bei externen Lieferanten lasse sich aus der Rechnung nicht erschließen, um welche Materialien es sich handelt. "Wir müssen beide Fälle getrennt behandeln, um auf die korrekten Bestandszahlen zu kommen" erläutert Kuhnt.