Kritik an Stellenkürzungen

Unruhe beim Atos-Umbau

Joachim Hackmann ist Principal Consultant bei Pierre Audin Consulting (PAC) in München. Vorher war er viele Jahre lang als leitender Redakteur und Chefreporter bei der COMPUTERWOCHE tätig.
Die ehemalige SIS kommt nicht zur Ruhe. Anonymen Forumsberichten zufolge tangiert der Umbau durch die neue Mutter Atos das Kerngeschäft.
Winfried Holz, CEO Atos Deutschland: "Vom Stellenabbau ist nur der indirekte Bereich in der Administration betroffen."
Winfried Holz, CEO Atos Deutschland: "Vom Stellenabbau ist nur der indirekte Bereich in der Administration betroffen."
Foto: Atos

In einem Interview mit der COMPUTEWOCHE hatte Winfried Holz, CEO von Atos Deutschland, vor wenigen Wochen noch große Zuversicht über die Rolle des IT-Dienstleisters im europäischen Wettbewerb gezeigt (siehe "Atos schafft Aufbruchstimmung"). Mit der Integration der ehemaligen Siemens-Tochter Siemens IT Solutions and Services (SIS) könne ein bedeutender europäischer IT-Provider auf Augenhöhe mit Konkurrenten wie IBM und T-Systems entstehen, sagte der Manager. Dabei planten die beiden zusammengeführten Dienstleister von Beginn an mit Einschnitten bei der Siemens-Tochter.

Dem Zusammenschluss sollten in Deutschland 650 Stellen zum Opfer fallen. Holz kündigte an, dass nur Bereiche in der Verwaltung betroffen seien. Entsprechende Gespräche würden geführt. Die SIS-Belegschaft, die unter dem Eindruck jahrelangen Personalabbaus steht, ist offenbar nicht begeistert.

"Was derzeit passiert, kommt einem Kahlschlag nahe", schimpft ein CW-Leser im CW-Artikelforum. Anders als von Holz behauptet, würden auch Mitarbeiter im Kerngeschäft aufgefordert, "freiwillig" zu gehen. "Das schafft keine positive Stimmung. Es sorgt für Verärgerung und Unmut in der Belegschaft", beobachtet der CW-Leser mit dem Online-Pseudonym "solver". Die von Holz beschworene Aufbruchstimmung sei bereits verpufft.

Foto: Atos

Ein zweiter CW-Leser namens "Macher" formuliert seine Kritik etwas moderater, stimmt der Kritik im Grunde aber zu: "Die neue Organisation hat es nicht verstanden, die Mitarbeiter abzuholen und zu motivieren", schildert er seine Erfahrung. Ein überhasteter Umzug habe die Unzufriedenheit weiter geschürt. Zudem erwecke das Management den Eindruck, sich vor allem um Großprojekte zu kümmern. Die tägliche Arbeit für die Kunden und das Einhalten laufender Verträge bekämen nicht die erforderliche Aufmerksamkeit. "Hoffentlich wird sich das nach der Umformierung ändern, ansonsten wird der IT-Riese durch einen kleinen Stein zu Fall gebracht", warnt "Macher".

Atos betonte auf Anfrage der COMPUTERWOCHE, der Interessenausgleich sei zwischen der Geschäftsführung von Atos und dem SIS-Gesamtbetriebsrat ausgehandelt und in einer Gesamtbetriebsvereinbarung verabschiedet worden. "Ziel ist es, die Wettbewerbsfähigkeit des Unternehmens nachhaltig zu verbessern und die Synergiepotenziale aus dem Zusammenschluss von Atos Origin und Siemens IT Solutions and Services im Verwaltungs- und Leitungsbereich zu heben", teilte Atos mit.

Dabei habe höchste Priorität, dass vertraglich vereinbarte Kundenleistungen störungsfrei erbracht werden. Erneut wies das Unternehmen darauf hin, dass der Stellenabbau sich auf Funktionen konzentriere, die nicht mit der unmittelbaren Leistungserbringung für Kunden befasst seien. Zudem entstünde im dynamischen IT-Servicemarkt auch immer wieder neuer Personalbedarf. Den werde man decken, indem man die eigene Belegschaft weiter entwickele und neue Kollegen einstelle.

Die IG Metall reagierte ebenfalls auf die Kritik der CW-Leser an der Mitarbeitervertretung. Sie stellte klar, dass der Gesamtbetriebsrat (GBR) der SIS GmbH den Interessenausgleich und Sozialplan abgeschlossen hat, nicht die IG Metall. Anlass sei der Wegfall von Headquarter-Funktionen insbesondere in München gewesen. Die Gewerkschaft versprach in ihrer Stellungnahme jedoch, den Stellenabbau zusammen mit dem GBR krtisch zu begleiten. Sie werde eingreifen, wenn etwa produktive, operativ tätige Beschäftigte abgebaut werden sollen.

Obwohl die IG Metall die europäische Lösung für SIS, also den SIS-Kauf durch die französische Atos, nur für die zweitbeste Lösung erachtet (nach einem Verbleib im Siemens-Konzern), sieht sie den neu entstandenen IT-Dienstleister auf gutem Weg. Dafür sorge die enge Geschäftsbeziehung zwischen Atos und Siemens. "Somit gibt es sehr wohl Grund für eine Aufbruchsstimmung, was auch viele Beschäftigte so sehen", schreibt die IG Metall. Im Rahmen der Kontrollmöglichkeiten werde man zusammen mit dem GBR darauf achten, dass diese Chance nicht durch falsche Entscheidungen des Managements vertan werde. Bisher habe man das Atos-Management sowohl in Deutschland als auch in der Zentrale bei Paris als sehr qualifiziert, motivierend und offen für die Belange der Arbeitnehmer kennengelernt. (jha)

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