Erste Absagen für den Numerus clausus in Informatik

Universitäten verlangen Zulassungsbeschränkungen

23.05.2001
Der Numerus clausus (NC) im Fachbereich Informatik ist für viele Universitäten das letzte Mittel, um den Ansturm auf das Studienfach einzudämmen. Schon jetzt leidet das Niveau vieler Hochschulen an überfüllten Hörsälen und der geringen Anzahl an Professoren. Doch bei Bund und Ländern gelten andere Kriterien: Sie wollen IT-Absolventen um jeden Preis.

Seitdem führende Verteter aus Politik und Wirtschaft für das Studienfach Informatik geworben hatten, verdoppelte sich die Anzahl der Studienbewerber an den Universitäten. Doch die vorhandenen Kapazitäten reichen bei weitem nicht aus, um die zugelassenen Studenten gut auszubilden.

So habe das von Bund und Ländern finanzierte Notprogramm für die Informatikausbildung in Höhe von 100 Millionen Mark nur geringe Wirkung gezeigt, erklärte kürzlich der Fakultätentag. Um aus dem Fonds Mittel zu erhalten, musste beispielsweise die Magdeburger Otto-von-Guericke-Universität einen neuen Masterstudiengang einrichten, da laufende Studiengänge nicht unterstützt werden können.

„Bis zum Jahr 2004 bekommen wir im Rahmen des Programms eine befristetete Professur in Höhe von 490 000 Mark, das ist alles“, klagt die Referentin des Dekans Carola Lehmann. Die Hochschule habe im letzten Jahr sehr gute Kritiken erhalten, mit der derzeitigen Überschreitung an Kapazitäten, werde es jedoch schwer fallen, dieses Niveau zu stabilisieren.

Ähnlich besorgte Gesichter gibt es an der Universität Bonn. Dort musste man im letzten Wintersemester eine Auslastung von 240 Prozent verzeichnen. Deshalb beantragte die Hochschule eine Zulassungsbeschränkung beim Ministerium in Düsseldorf. Doch die Landesministerin Gabriele Behler ließ bei einem öffentlichen Auftritt keinen Zweifel darüber aufkommen, wer die Grenzen absteckt: Für ganz Nordrhein-Westfalen werde es keinen NC geben.

An der Universität Dortmund erhielt man bereits Mitte Mai die Botschaft. Mit der knappen Begründung, dass das öffentliche Interesse einen freien Hochschulzugang verlange und eine Zulassungsbeschränkung kontraproduktiv wäre, lehnte das Ministerium den Antrag auf einen NC ab. „Auf bis zu 1000 Studienanfänger kommen nur 350 Plätze“, gibt der Dekanatsmitarbeiter der Universität, Hans Decker, zu bedenken. Nun sei möglicherweise mit einer erhöhten Abrecherquote und noch längeren Studienzeiten zu rechnen.

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