Web

Quartal solide

United Internet senkt Prognose wegen Abschreibungen

14.08.2012
Der Internetdienstleister United Internet (1&1, GMX, Web.de) hat seine Prognose wegen Abschreibungen auf die Tochter Sedo gesenkt.
United-Internet-Chef Ralph Dommermuth nimmt für Wachstum auch weniger operativen Gewinn in Kauf.
United-Internet-Chef Ralph Dommermuth nimmt für Wachstum auch weniger operativen Gewinn in Kauf.
Foto: United Internet

Der Gewinn vor Zinsen und Steuern (EBIT) soll im laufenden Jahr 200 Millionen Euro betragen, wie das Unternehmen am Dienstag in Montabaur mitteilte. Dabei schlagen enttäuschende Geschäfte mit Werbung auf brach liegenden Internetseiten beim "Domain-Parkplatz" Sedo mit 46,3 Millionen Euro negativ zu Buche. Ohne diesen Effekt werde das EBIT bei rund 250 Millionen Euro auf Vorjahresniveau erwartet. Das ist etwas zurückhaltender als der bisherige Ausblick von 243 bis 281 Millionen Euro. An der Frankfurter Börse wirkte sich die Ankündigung nicht negativ aus. Die im TecDax notierte Aktie legte in den ersten Handelsminuten rund zwei Prozent zu.

Seine Expansion will United Internet ungeachtet dessen weiter vorantreiben und die Investitionen nicht herunterfahren. Mit 120 Millionen Euro liegen sie sogar am oberen Rand der angekündigten Spanne. Das Umsatzziel für dieses Jahr von 2,4 Milliarden Euro bleibt unverändert bestehen. "Das starke Wachstum und die gute Ergebnisentwicklung in den etablierten Geschäftsfeldern gibt uns die Kraft für hohe Investitionen in neue Geschäftsfelder", sagte Vorstandschef Ralph Dommermuth. "Wir sehen uns auf gutem Weg, unsere für das Gesamtjahr gesteckten operativen Ziele zu erreichen."

Das Geschäft mit neuen Produkten läuft gut. Nach 910.000 Neukunden im Vorjahr will United Internet den Kundenstamm bis Jahresende um 1,2 Millionen aufstocken. Die Montabaurer expandieren derzeit stark in das Geschäft mit "Baukästen" für den Eigenbau von Internetseiten (das Produkt dafür basiert auf einer älteren Software-Version des Hamburger Start-ups Jimdo). Das Ausrollen des Angebots zum Erstellen einer eigenen Seite für Privatleute und kleine Gewerbetreibende in sieben europäischen Ländern und den USA wird von einer breitangelegten Vermarktungskampagne begleitet, die den Löwenanteil der Kosten verschlingt. Aber auch die Entwicklung von rechtssicheren Emails, die unter dem Namen "De-Mail" firmieren, werden vorangetrieben.

Die Zentrale von United Internet in Montabaur aus der Vogelperspektive
Die Zentrale von United Internet in Montabaur aus der Vogelperspektive
Foto: United Internet

Im ersten Halbjahr stieg der Umsatz mit neuen Produkten von 5,1 auf 14,7 Millionen Euro. Für die Eigenbausätzen für Internetseiten gewannen die Montabaurer 130.000 neue Kunden nach 40.000 vor einem Jahr. Auch bei den übrigen Kundenverträgen konnte United Internet stark zulegen und mit einem Zuwachs um insgesamt 610.000 Verträge auf 11,28 Millionen das Vorjahr deutlich übertreffen.

Im zweiten Quartal erfüllte United Internet die Erwartungen am Markt. Der Umsatz stieg im Vergleich zum Vorjahr von 511 auf 586,6 Millionen Euro. Der Gewinn vor Zinsen und Steuern und Abschreibungen (EBITDA) sank wegen hoher Investitionen in neue Geschäfte von 110 auf 78,1 Millionen Euro, der Gewinn vor Zinsen und Steuern fiel von 89,7 auf 55,4 Millionen Euro. Um das Wachstum anzuheizen, fährt Unternehmenschef Dommermuth die Ausgaben für das Anwerben von Kunden und die Werbung für neue Produkte hoch. Dafür nimmt er auch einen Rückgang beim operativen Gewinn in Kauf. (dpa/tc)