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United Internet lässt Freenet schmoren

18.10.2007
United Internet hat angekündigt, in diesem Jahr kein Angebot für die Übernahme von Freenet vorzulegen. Die Freenet-Aktie knickte ein.

Der Internetdienstleister United Internet wird den Aktionären der Freenet AG in diesem Jahr kein Übernahmeangebot unterbreiten. Das sagte ein Unternehmenssprecher der "Börsen Zeitung". Um die Verlustvorträge von Freenet zu nutzen, müsste eine Übernahme noch in diesem Jahr unter Dach und Fach kommen, und allein die Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht behält sich mindestens 15 Werktage zur Prüfung einer Offerte vor. Angesprochen auf diesen Zeitdruck, sagte der Sprecher, man verstehe die Aufregung nicht. United Internet habe nie erklärt, dass es in diesem Jahr ein Übernahmeangebot für Freenet geben werde. Zum weiteren Vorgehen sagte er, der Konzern halte sich, wie in der Pflichtmitteilung bekanntgegeben, alle Optionen offen.

United Internet und Drillisch hatten Ende September ein Gemeinschaftsunternehmen gegründet - Drillisch brachte ein 24,5 Prozent-Paket an Freenet ein, United Internet legte 151 Millionen Euro in bar dazu - und so die Übernahme- und Zerschlagungsspekulationen angeheizt. Zwischenzeitlich aufgetauchte Spekulationen über Finanzierungsprobleme von Drillisch wurden von beiden Unternehmen nie kommentiert.

Die Freenet-Aktien fielen am Donnerstag bis 11:30 Uhr um gut 4,5 Prozent auf 18,14 Euro. Der Index der Technologiewerte gab um 0,4 Prozent nach, United Internet legte ein Prozent zu. "Dieser Bericht wurde zwar am Vorabend vorab veröffentlicht, kam aber erst kurz vor Parketthandelsschluss in den Markt, weshalb die Aktie erst jetzt deutlich reagiert", sagte ein Börsianer.

"Vielleicht ist das nur ein cleverer Schachzug von United Internet, um weitere spekulative Kursanstiege der Freenet-Aktien zu verhindern", meinte Analyst Adrian Pehl von equinet. Er hob aber den Wortlaut des Sprechers hervor und meinte dazu, dass ein Joint Venture mit Drillisch durchaus noch ein Angebot vorlegen könnte. Analystin Heike Pauls von der Commerzbank schrieb in einer aktuellen Studie, dass der Aktienkurs von Freenet nun zwar etwa einknicke, mögliche Verkäufe von Vermögenswerten und alternative Szenarien für Freenet die Abwärtsbewegung jedoch mindern sollte. (dpa/ajf)