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United Internet-Chef erwartet Marktkonsolidierung

16.06.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Der Chef des zweitgrößten deutschen DSL-Anbieters United Internet (1&1, GMX), Ralph Dommermuth, rechnet mittelfristig mit maximal fünf nationalen Anbietern im nach wie vor schnell wachsenden Markt mit schnellen Internetzugängen. "Derzeit spielen neben uns die Deutsche Telekom-Sparte T-Online, AOL, Arcor und Freenet in der ersten Liga. Der Rest gehört schon zur zweiten Klasse", sagte Dommermuth der dpa-AFX. Es sei jedoch schwierig derzeit abzuschätzen, wie viele Anbieter letztendlich übrig blieben. Da sich der Markt bereits in einer Konsolidierungsphase befindet, geht er zudem davon aus, dass sich neben den genannten Anbietern kein weiterer deutschlandweit etablieren kann.

Vielmehr müssten außer T-Online die landesweiten Anbieter versuchen, ihre Marktanteile weiter auszubauen. Dommermuth schätzt, dass ein Marktanteil von rund 20 Prozent notwendig ist, um wirtschaftlich vernünftig bestehen zu können. "Ein Fünftel des Marktes sollten es schon sein, wenn es Spaß machen soll", sagte er. Gemessen an aktuellen Zahlen des britischen Marktforschungsunternehmens Point Topic, das die Zahl der DSL-Anschlüsse in Deutschland Ende März auf 7,45 Millionen schätzte, kam United Internet als Nummer zwei auf einem Marktanteil von etwas mehr als 15 Prozent.

United Internet hatte Ende März 1,15 Millionen DSL-Kunden. Davon entfielen etwa 950.000 auf die Marke 1&1 sowie 200.000 auf GMX, über dessen Plattform United Internet erst seit knapp einem Jahr DSL-Anschlüsse anbietet. Eine ähnliche Entwicklung erhofft sich Dommermuth von der zugekauften Marke Web.de. Für das laufende zweite Quartal kündigte er vor kurzem ein Rekordwachstum von mehr als 120.000 neuen DSL-Kunden an. Eine exakte Prognose für die DSL-Kundenzahl bis Ende des Jahres will Dommermuth nach wie vor nicht abgeben. Er geht jedoch davon aus, dass dieser Bereich über dem für alle Kundenverträge angepeilten Unternehmensziel eines Zuwachses von 20 bis 30 Prozent liegen wird.

Ob es T-Online weiter gelingt, mehr als die Hälfte der Neukunden im DSL-Geschäfts zu gewinnen, bezweifelte er. Auf Dauer werde das vor allem wegen der zuletzt immer stärker auftretenden regionalen Anbietern schwierig, sagte Dommermuth, der mit einem Anteil von knapp 38 Prozent auch der größte Aktionär des TecDAX-Schwergewichts ist. Spekulationen von Konkurrenten und Analysten, er bereite sein Unternehmen mit dem aggressiven Wachstumskurs auf den Verkauf an einen ausländischen Investor vorbereitet, erteilte er eine Absage. "Da ist nichts dran. Dafür macht mir das Geschäft viel zu viel Spaß", sagte der passionierte Segler, der vor kurzem sowohl privat als auch mit seinem Unternehmen mit der Übernahme der deutschen America's-Cup-Kampagne in das Sportsponsoring einstieg.

Falls ein ausländisches Telekomunternehmen oder ein Finanzinvestor in den deutschen DSL-Markt mit einer Übernahme eintreten will, stehe mit der Vodafone-Tochter Arcor derzeit bereits ein Anbieter zum Verkauf. Außerdem sei die bald fusionierte Mobilcom/Freenet-Gruppe für eine Übernahmeofferte wegen ihrer Aktionärsstruktur wesentlich geeigneter. An der Freenet-Mutter Mobilcom, die die Tochter wieder in komplett integrieren will, ist ein US-Finanzinvestor mit rund 27 Prozent sowie zwei weitere Fonds mit jeweils rund fünf Prozent beteiligt. (dpa/tc)