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Unisys wittert Trend zur Plattform-Konsolidierung

16.12.2003

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Unisys hat im März dieses Jahres rund 730 IT-Manager zum Thema (Betriebssystem-)Plattform-Konsolidierung befragt. Die Ergebnisse der Studie, mit denen das Unternehmen vor allem die hauseigenen Highend-Windows-Systeme "ES7000" unterstützen will, wurden allerdings erst jetzt bekannt. Obwohl teilweise sicher tendenziös, bringen sie Interessantes zutage.

Von den Befragten hatten Unternehmen mit bis zu 100 Millionen Dollar Jahresumsatz in ihrem Rechenzentrum im Schnitt 2.6 Betriebssysteme im Einsatz. Anwender mit Einnahmen von 101 Millionen bis eine Milliarde Dollar setzten durchschnittlich 3,8 Betriebssysteme ein, und bei Unternehmen mit mehr als einer Dollarmilliarde Umsatz waren es sogar im Schnitt 4,5 verschiedene Betriebssysteme (nur im RZ, wie gesagt). Je kleiner die Firma, desto häufiger waren Windows und Linux anzutreffen, je größer, desto mehr fanden sich auch die großen kommerziellen Unixe und andere Enterprise-Plattformen wie OS/400, OpenVMS oder MVS.

Von den Teilnehmern erklärten laut Unisys 32 Prozent ihre Absicht, ihr Data Center in Zukunft auf einer Plattform zu vereinheitlichen. 56 Prozent nannten hier Windows als erste Wahl, immerhin 16 Prozent Linux (für einen relativen Newcomer kein schlechter Wert). Auf den Plätzen folgten Solaris (neun Prozent - zum Zeitpunkt der Befragung war Solaris x86 noch nicht wieder Thema, sodass Sun heute möglicherweise besser dastünde) und HP-UX (sieben Prozent). Wichtigste Motive für die Konsolidierung sind Kostensenkung und geringerer Trainings- und Skill-Bedarf.

Natürlich kann aufgrund historisch gewachsener Strukturen längst nicht jeder Anwender seine IT auf eine Plattform reduzieren. Generell legt die Studie aber nahe, dass es einen Trend dazu gibt, zumindest die Zahl eingesetzter Plattformen zu verringern - und zwar umso stärker, je größer das Unternehmen (verständlich, s.o.). Von den hier aktiven Nutzern wollen 90 Prozent in jedem Fall Windows als eine ihrer Plattformen einsetzen, weitere 53 Prozent setzen auf Linux. Nennenswerte Anteile gab es außerdem für Solaris, HP-UX und AIX sowie IBMs Mainframe-Trio z/OS-OS/390-MVS.

Unisys und Microsoft sähen es natürlich am liebsten, dass Anwender bei der Konsolidierung von Unix-Vielfalten auf Windows 2003 Datacenter für große Jobs und die Enterprise Edition im Midrange migrieren würden. Aus Sicht von "Computerwire" deuten die erhobenen Daten aber darauf hin, dass viele wohl eher auf ein einziges Unix setzen beziehungsweise viele Workloads auf das aktuelle Linux 2.4 und die kommende Kernel-Version 2.6 verlagern werden.

Bill Jefferis, Director Migration Solutions bei Unisys, nannte interne Microsoft-Schätzungen, denen zufolge weltweit rund 1,6 Millionen Unix-Server weltweit installiert und in Betrieb sind, davon 252.000 mit acht oder mehr Prozessoren. Viele dieser Maschinen wurden zu Zeiten der Dotcom-Blase beschafft und stehen demnächst zur Ablösung an. Des Weiteren laufen vermutlich je rund eine halbe Millionen OpenVMS- und OS/400-Maschinen, die Mainframe-Basis liegt irgendwo zwischen 10.000 und 20.000. Massig Potenzial mithin für die wetteifernden Hersteller.

Unisys' Studie zeigt klar, dass Windows and Fahrt gewinnt und Linux Einzug ins Rechenzentrum hält - im Prinzip genau das, was Microsoft und Linux-Verfechter gehofft und Anbieter anderer Plattformen entweder befürchtet oder längst stillschweigend akzeptiert haben. Unisys selbst wird übrigens nicht auf den Linux-Zug aufspringen. Zumindest noch nicht - denn den Enterprise Server 8 von Suse hat der Hersteller schon für den Einsatz auf der ES7000 zertifizieren lassen und empfiehlt ihn auch Kunden, die das Open-Source-OS unbedingt benötigen. "Wir haben unsere Finger am Linux-Puls", erklärte Jefferis. "Die Jungs im Labor schauen sich all die Linuxe an, und wir können bei Bedarf schnell ein paar Gänge höher schalten." (tc)