Nach Restrukturierung

Unisys meldet sich zurück

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Um Unisys, einen der Pioniere im weltweiten IT-Markt, war es in den vergangenen Jahren ruhig geworden. Doch nun ist die lange Phase der Restrukturierung beendet. Unisys hofft mit Helpdesk-Services, Data-Center-Reorganisation und IT Service Management zurück in die Spur zu finden.

Ältere IT-Profis werden sich erinnern: Unisys ging Mitte der 80er Jahre aus einer veritablen Dinosaurier-Ehe hervor. Damals ließ sich Burroughs den Rivalen Sperry 4,8 Milliarden Dollar kosten - eine Summe, die auch aus heutiger Sicht noch beachtlich erscheint. Daraus entstand der zweitgrößte IT-Dienstleister mit Namen Unisys.

Sandro Lindner, Geschäftsführer von Unisys Deutschland, hat 150 deutsche Unternehmen identifiziert, die optimal in das Beuteschema des Unternehmens passen würden.
Sandro Lindner, Geschäftsführer von Unisys Deutschland, hat 150 deutsche Unternehmen identifiziert, die optimal in das Beuteschema des Unternehmens passen würden.

Ein Blick in die Wikipedia hilft, an die Ursprünge zu erinnern: Sie reichen zurück bis ins Jahr 1816, als Remington Arms die erste kommerziell nutzbare Schreibmaschine herausbrachte (die "Remington"). Auch die erste elektrische Schreibmaschine (1925) geht auf das Konto von Remington, ebenso die erste "QWERTZ"-Tastatur. Durch die Übernahme der Eckert-Mauchly Computer Corp. gelangte Remington Rand in den Besitz des ersten digitalen Computers der Welt, des "ENIAC". Die Technik wurde weiterentwickelt und kam in verschiedenen "Univac"-Modellen auf den Markt - der Computer, der den Wahlsieg von Dwight D. Eisenhower bei den US-Präsidentschaftswahlen prognostizierte und damit großes Aufsehen erregte.

Nur noch drei Mainframe-Kunden

"Heute hat Unisys in Deutschland nur noch drei Mainframe-Kunden", sagt der seit Oktober letzten Jahres amtierende Geschäftsführer Sandro Lindner ohne Wehmut. Der Konzern sei durch ein tiefes Tal gegangen und habe "eine unheimliche Transformation" erlebt. Jetzt konzentriere man sich voll auf IT-Services für große Unternehmen - und diese möchte Unisys rund um den Globus anbieten.

Weltweit beschäftigt der Konzern immer noch rund 25.000 Mitarbeiter. In Deutschland sind es nur etwa 400. Ihre Aufgabe besteht darin, die aktuell rund 100 Kunden hierzulande zu betreuen - viele davon sind die die deutschen Töchter internationaler Konzerne, mit denen Unisys weltweite Geschäftsbeziehungen unterhält. Das sei auch eines der Alleinstellungsmerkmale von Unisys, so Lindner, man könne große internationale Konzerne weltweit mit komplett eigenen Teams betreuen.

Unisys setzt dreifachen Fokus

Dabei setzt Unisys drei Schwerpunkte. Da ist zunächst das "People Business", wie es Lindner nennt. Unisys will den globalen Enduser-Support für Unternehmen organisieren - vom zentralen Helpdesk bis zu den Vor-Ort-Services. "Je globaler, desto besser", sagt der ehemalige McKinsey-Berater, der betont, dass man die Services auch in den entlegensten Regionen erbringen könne. Tatsächlich kann das Unternehmen in diesem Geschäft auf einige namhafte Kunden verweisen, beispielsweise den Henkel-Konzern, Unilever, Novartis und sogar Microsoft.

Das zweite große Feld, auf dem Unisys mitspielen will, ist das der "Data Center Transformation": Überall dort, wo es um Software Defined Data Centers und Hybrid-Cloud-Infrastrukturen gehe, fühle man sich gewappnet. Partnerschaften mit den wichtigsten Anbietern, darunter, Cisco, EMC, VMware, Amazon Web Services (AWS) und Microsoft mit seiner Cloud-Umgebung "Azure" helfen dem Konzern hier weiter. Laut Lindner sind weitere Stärken die globale Ausrichtung, der langjährige Umgang mit "Critical IT" und die langjährige Erfahrung im Umgang mit Mainframes und Unix.

Kein eigenes Data Center in Deutschland

Lindner räumt im Gespräch mit der COMPUTERWOCHE ein, dass Unisys kein eigenes Data Center in Deutschland unterhalte und auch keinen Fokus auf das Hosting-Business lege. "Wir helfen Kunden, das eigene Rechenzentrum zu optimieren und Public-Cloud-Elemente reinzubringen", sagt der Geschäftsführer.

Der dritte wichtige Komplex ist laut Lindner das IT Service Management (ITSM). Unisys bietet auf der Basis gängiger ITSM-Produkte der Partner BMC (Remedy) und ServiceNow eigene Lösungen an. Die Tools seien letztendlich nur ein Aspekt beim ITSM, sagt Lindner, Unisys wolle punkten wenn es um Prozesslogik und Best Practices gehe. Man unterstütze die Kunden bei der Auswahl der Tools und der Implementierung.

Das Unternehmen bietet dazu die "Edge Advisory and Consulting Services" an, ein Framework mit einer Auswahl an Services und Lösungen, um Service-Management-Prozesse einzurichten, die Kosten zu senken und "versteckte Werte" im IT-Portfolio aufzudecken. Vor allem in der Zusammenarbeit mit ServiceNow gebe es Perspektiven, orakelt der Unisys-Chef, der aus seinen Sympathien für den ITSM-Highflyer aus dem Silicon Valley kein Geheimnis macht.

Nur 150 potenzielle Kunden

"Eigentlich lässt sich das alles zusammenfassen mit: Transformation der globalen IT-Infrastruktur im Backend und Frontend", fasst Lindner zusammen. Dabei peilt er nur einen kleinen, erlesenen Kreis von rund 150 Firmen an, die von den Vorzügen einer "globalen Delivery" von Unisys profitieren wollten.