Hub-Modell mit Hauptsitz in UK

Unisys Deutschland wird zusammengestrichen

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Bei Unisys Deutschland werden rund 180 oder die Hälfte der Stellen gestrichen, die Zentrale wird nach Großbritannien verlegt.

Über das Streichkonzert habe der seit Oktober 2014 amtierende Geschäftsführer Sandro Lindner die Belegschaft Ende Juli auf einer Mitarbeiterversammlung informieren müssen, berichtet die "Frankfurter Rundschau". Der IT-Dienstleister Unisys hat hierzulande noch acht Standorte (fünf sind auf der deutschen Webseite gelistet), die größten davon sind Sulzbach bei Frankfurt und München. Das Hauptquartier solle aus Kostengründen von Sulzbach nach Großbritannien verlegt werden, heißt es.

Sandro Lindner, Deutschlandchef von Unisys
Sandro Lindner, Deutschlandchef von Unisys
Foto: Unisys

Unisys formuliert das anders. Das Unternehmen hat dazu uns folgende Stellungnahme zukommen lassen:

"Wir werden unsere deutsche Firmenzentrale nicht schließen und nach Großbritannien verlagern. Vielmehr beabsichtigen wir die Umstellung auf ein Hub-Modell mit Hauptsitz in Großbritannien und regionalen Teams für Vertrieb und Kundenservice in der EMEA-Region", heißt es darin. "Um auch weiterhin in Deutschland stark vertreten zu sein, haben wir uns erst kürzlich Büroflächen für die neue Deutschlandzentrale in Hattersheim gesichert. Der neue Standort ist nur wenige Kilometer von unserer bisherigen Konzernzentrale in Sulzbach entfernt und liegt strategisch günstig in der Nähe des Frankfurter Flughafens." Die Planung sehe vor, dass die lokalen Teams aus Sulzbach und Darmstadt im November 2015 das gemeinsame Büro in Hattersheim beziehen. Da die Gespräche mit den Arbeitnehmervertretern andauerten, können man aktuell leider keine genauen Angaben zu einem möglichen Stellenabbau oder einem etwaigen Zeitplan machen.

Unisys-Konzernzentrale in Blue Bell, Pennsylvania
Unisys-Konzernzentrale in Blue Bell, Pennsylvania
Foto: Unisys

Der hessische Verdi-Fachbereichsleiter Thomas Müller nennt die Ankündigung Lindners der Zeitung gegenüber eine "Bankrotterklärung". Es sei schon länger klar, dass bei Unisys der Umbau vom Hardware- zum Services-Anbieter nicht gut funktioniert habe. Wenn aber von 350 Mitarbeitern nur noch 170 übrig bleiben sollten, dann frage er sich, so Müller, "wie lange Unisys überhaupt noch Geschäft in Deutschland habe".

Überhaupt sähen Verdi und auch auch die anderen zuständige Gewerkschaft IG Metall die aktuellen Umstrukturierungen bei Unisys "in einer langen Kette ähnlicher Maßnahmen, die von erheblichen Arbeitsplatzverlusten begleitet waren". Allein in Frankfurt/Sulzbach sei die Mitarbeiterzahl von über 900 im Jahr 1995 auf aktuell noch gut 150 gesunken, sagte IGM-Sekretär Carsten Witkowski der "FR". Die Geschäftleitung kritisiert der Metaller scharf: "Das Management hat vor einigen Jahren eine Konzentration auf Großkunden sowie auf Segmente, die von niemand anderem bedient werden, beschlossen. Das hat nicht funktioniert, die Marke wurde verwässert und ist kaum noch erkennbar."

Die neuen Unisys-Großrechner arbeiten jetzt auch mit Intel- statt proprietärer CMOS-Prozessoren.
Die neuen Unisys-Großrechner arbeiten jetzt auch mit Intel- statt proprietärer CMOS-Prozessoren.
Foto: Unisys

Unisys selbst sagte der "Frankfurter Rundschau" eher vage, dass der Betrieb in der Region EMEA (Europa, Naherost und Afrika) verändert werde, um das Unternehmen wettbewerbsfähiger aufzustellen. Ein neues Betriebsmodell solle Kosten sparen und Produkteinführungszeiten verkürzen. Deshalb "beabsichtigen wir, die Zahl unserer Mitarbeiter in der EMEA-Region zu reduzieren", so Unisys; dies betreffe auch "einige Funktionen in Deutschland".