DV-Konzern zahlt 400 Millionen Dollar Zinsen im Jahr:

Unisys Corp. gibt Wachstumsdoktrin auf

25.08.1989

BLUE BELL (IDG) - Volle Lager und eine unerwartet niedrige Nachfrage auf dem Weltmarkt haben bei der Unisys Corp. jetzt zu einem Rationalisierungskonzept geführt, das Rendite vor Größe stellt. Schieres Wachstum ist als Unternehmensziel passé. Der Produktschwerpunkt soll nun endgültig von der "Proprietary"-Architektur auf offene Systeme verlegt werden.

Vom Scheitel bis zur Sohle soll die interne Bereinigungsaktion bei dem Univac-Nachfolger in Blue Bell / Pennsylvania gehen. So stehen nicht nur weitere acht Prozent der noch 88 000 Unisys-Arbeitsplätze zur Disposition. Auch durch vereinfachte Fertigungsmethoden und den Einsatz standardisierter Bauteile will der Vorstand unter Chairman Michael Blumenthal sparen. 400 Millionen Dollar sollen noch heuer auf diese Weise hereingeholt werden - ebensoviel, wie die Banken in diesem Jahr an Zinsen für ihre Darlehen kassieren werden, mit denen Burroughs, seinerzeit die Sperry-Übernahme bezahlt hatte. Der Schuldenberg ist noch immens: Mit 3,7 Milliarden Dollar steht der DV-Konzern bei seinen Geldgebern in der Kreide.

Angesichts der prekären finanziellen Lage hat Konzernboß Blumenthal jetzt eine neue Parole ausgegeben. Nicht mehr Wachstum um jeden Preis - nach der Fusion hieß es: 20 Milliarden Dollar Jahresumsatz bis Anfang der 90er Jahre - ist angesagt, sondern Kostenmanagement: "Wir wollen Unisys auf Profit und Cash-flow trimmen", sagte Blumenthal. Bei der Neuausrichtung setzt der Chairman und Ex-Finanzminister auf offene Systeme. Die Unix-Sparte deren Anteil am Umsatz 1988 bei 37 Prozent gelegen habe, wird laut Blumenthal in diesem Jahr schon 45 Prozent der Einnahmen bringen. Diese Entwicklung will der Unisys-Vorstand weiter forcieren.

Mit dieser Politik, so der Branchenbeobachter Michael Geran von Nikko Securities International zieht das Unternehmen aus Blue Bell die gleichen Konsequenzen aus der veränderten Situation wie seine Wettbewerber - zwar ist die Gewinnspanne bei diesen Produkten nicht so hoch wie bei Mainframes, aber dafür expandiert der Markt wenigstens. Worum es aber eigentlich gehe, so Geran, sei die Frage, wie man "die offenen Systeme einer proprietären Architektur aufpflanzen" und den Anwendern die Kosten für diese Umstellung schmackhaft machen könne.