Gartner Magic Quadrant UC 2013

Unified Communications wird allmählich Mainstream

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Aus Sicht von Gartner ist der Markt für Unified-Communications-Lösungen in den vergangenen zwölf Monaten weiter gereift und wird allmählich Mainstream. An der Positionierung der einzelnen Anbieter hat sich indes nur wenig geändert.
Foto: Gartner

Wie bereits im Vorjahr liegt Cisco im Leader-Segment (recht oben) vorne und konnte sogar seine Position gegenüber dem Zweitplatzierten Microsoft etwas ausbauen. Dritter ist Siemens Enterprise Communications (SEN). Gartner bewertet die Münchner, was die Ausgereiftheit ihrer Vision (Gartner-Speak: Completeness of Vision), etwas besser als Microsoft, gleichzeitig schafft es das Unternehmen aber nicht so gut, diese im Markt umzusetzen ("Ability to Execute"), schlechter ab. Leicht abgeschlagen auf vierter Stelle sehen die Marktforscher weiterhin Avaya, das Unternehmen konnte sich aber etwas hinsichtlich seiner "Vision" verbessern.

Auch in den Nachbarquadranten gibt es kaum spürbare Veränderungen: Einziger Visionär ist laut Gartner der kanadische Anbieter Mitel, während IBM, NRC, Alcatel-Lucent und Huawei (in dieser Rangfolge) weiterhin als Herausforderer bewertet werden. Als Nischenanbieter sehen die Marktbeobachter Interactive Intelligence, ShoreTel, Aastra und - weit abgeschlagen - Toshiba.

Wie alle "magischen Quadranten" ist allerdings auch dieses Gartner-Ranking mit Vorsicht zu genießen, viele Bewertungsaspekte sind nur etwa für Großunternehmen, die weltweit operieren, relevant. Außerdem sehen die Analysten vieles stark durch die Nordamerika-Brille. Auf die Praxis der Marktforscher, sich die Studie von einem oder mehreren Playern aus dem Leader-Quadranten nach Erstellung finanzieren zu lassen (Danke, Microsoft!), soll hier gar nicht erst eingegangen werden.

Bewertungsgrundlage und Einzelergebnisse

Um für eine Bewertung im Gartners Magic Quadrant Unified Communications überhaupt in Frage zu kommen, muss ein Hersteller Angebote in sechs Bereichen aufweisen:

  • Sprache und Telefonie

  • Audio-, Video- und Web-Conferencing-Lösungen (auch über Partner)

  • Messaging (Integration von E-Mail, Voice-Mail etc…)

  • Presence und Instant Messaging

  • Client-Software für verschiedene Umgebungen sowie

  • Anwendungen mit integrierten Kommunikationsfunktionen.

Zusätzlich wird gefordert, dass die UC-Lösung in mehreren Regionen einschließlich Nordamerika, Europa und Asien angeboten wird und der Anbieter einen Mindestumsatz von 150 Millionen Dollar im Enterprise-Geschäft und fünf Referenzen (drei Kunden, zwei Partner) für sein UC-Portfolio vorweisen kann.

Nischen-Player unerwünscht: Bei seiner Beurteilung legte Gartner Wert auf einen globalen Ansatz.
Nischen-Player unerwünscht: Bei seiner Beurteilung legte Gartner Wert auf einen globalen Ansatz.
Foto: ktsdesign, Fotolia.com

Bei den Einzelbewertungen spielt dann auch noch eine entscheidende Rolle, wie reibungslos der Wechsel zwischen einer On-Premise-, Hybrid- und Cloud-basierenden Lösung möglich ist, oder wie es um die weltweite Verbreitung sowie das Service- und Reseller-Netz bestellt ist. Last, but not least betrachtet Gartner auch die finanzielle Situation der UC-Anbieter, wobei sich natürlich Firmen mit anderen Geschäftsbereichen leichter tun, etwa Cisco, IBM, Microsoft oder Huawei.

Aastra

Laut Gartner sollen Unternehmen die Aastra-Suite in Betracht ziehen, wenn sie besonderen Wert auf kostengünstige Telefonie und UC-Funktionen legen und es in ihrer Region Aastra-Partner gibt. Die Marktforscher weisen jedoch darauf hin, dass einige Features wie Web Conferencing nicht angeboten werden. Firmen, die ihre bestehenden TK-Anlagen von Aastra in Richtung UC migrieren wollen, sollten prüfen, inwieweit ihre aktuelle Umgebung zur breiteren Ausrichtung von Aastra passt, einschließlich des BluStar-Clients.

Stärken:

  • Aastra schafft es laut Gartner besonders in Europa, die installierte Basis zu seinem Vorteil zu nutzen und bietet allgemein eine niedrigere TCO im Vergleich zu anderen Anbietern

  • Aastra setzt auf offene Standards, um die Integration in andere UC-Lösungen und eine weite Zahl von SIP-Endpunkten zu unterstützen.

Gefahren:

  • Obwohl Aastra weitere Distributoren hinzugewinnen konnte, ist der Marktanteil für sein UC-Produkt in Kernmärkten wie Nordamerika weiterhin begrenzt. Einige Partner haben laut Gartner nur begrenzte Erfahrung, was den Support von UC-Funktionen betrifft.

  • Gartner warnt außerdem vor finanziellen Herausforderungen in den nächsten Jahren. Zum einen müsse Aastra mit der schwachen Konjunktur in Ländern wie Italien, Spanien, Benelux oder Skandinavien zurechtkommen, wo die Company einen hohen Marktanteil vorweisen kann. Zum anderen sehen die Marktforscher die Strategie des Herstellers kritisch, Wachstum durch Übernahmen zu erzielen. Aastra müsse seine Investitionen in Forschung und Entwicklung erhöhen, um die verschiedenen Lösungen zu integrieren.

Inhalt dieses Artikels

 

Tobias Stepan

Derzeit löst sich Enterprise Messaging mit Anbietern wie Teamwire, Cotap, Tigertext, Slack, usw. als eigene Kategorie aus dem UC. Es gibt einen Übergang weg von der Email hin zu Messaging Apps bei der internen Unternehmenskommunikation. Deswegen suchen Firmen verstärkt Apps, die Vorteile gegenüber UC-Lösungen im Enterprise Messaging haben.

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