CW-Kolumne

Unheimlicher Job

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Manchen Menschen, die mit IT zu tun haben, ist Cloud Computing unheimlich. Jüngstes Beispiel ist Steve Wozniak, Mitgründer von Apple und Erfinder der ersten Modelle Apple I und II.
" IT muss man nicht mehr besitzen, um sie zu nutzen. Wichtiger ist der schnelle und universale Zugriff." Heinrich Vaske, Chefredakteur COMPUTERWOCHE.
" IT muss man nicht mehr besitzen, um sie zu nutzen. Wichtiger ist der schnelle und universale Zugriff." Heinrich Vaske, Chefredakteur COMPUTERWOCHE.

Die Website phys.org zitiert ihn mit der Aussage: „Ich sorge mich um alles, was in die Cloud geht.” Dem Anwender gehöre gar nichts mehr. Mit seinem Einverständnis zu den Geschäftsbedingungen eines Cloud-Providers gebe er die Kontrolle über seine Daten aus der Hand.

In diesen Aussagen zeigen sich die Auswirkungen eines Paradigmenwechsels, der private und professionelle IT gleichermaßen betrifft: Anstelle des Ownership- tritt der Access-Gedanke. IT muss man nicht mehr besitzen, um sie zu nutzen. Wichtiger ist der schnelle und universale Zugriff. Breitbandige Internet-Zugänge und die Always-on-Kultur machen es möglich. IT-Verantwortliche sind mit diesem Wandel hart konfrontiert. Anders als bei früheren Veränderungsprozessen, etwa dem Übergang von der Mainframe- in die Client-Server-Ära oder dem Aufkommen mächtiger betriebswirtschaftlicher Standardsoftware- Lösungen, betreffen die Verschiebungen das gesamte Unternehmen einschließlich seiner Kultur. Jeder ist betroffen, jeder will mitreden, wenn es um Cloud Computing, Collaboration oder das Social Enterprise geht.

Die seit Jahrzehnten bestehende Verantwortung für Datensicherheit, Verfügbarkeit und die Einhaltung gesetzlicher Vorgaben bleibt der IT-Organisation zusätzlich erhalten – ein Spagat, den viele ITChefs derzeit kaum aushalten. Folge ist, dass IT-Mitarbeiter derzeit oft damit beschäftigt sind, zwischen privaten, hybriden und öffentlichen Clouds abzuwägen, Lösungen für das Mobile-Device- Management einzuführen oder Facebook für den unternehmensinternen Einsatz noch einmal zu erfinden. Immer geht es darum, neueste IT-Errungenschaften mit dem Bedürfnis nach Sicherheit und Kontrolle in Einklang zu bringen. Ein schwieriger Job, bei dem es darauf ankommt, zu erklären und zu überzeugen. Kein Wunder, dass ihn manch einer unheimlich findet.