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Ungeliebter Thunderbird: Mozilla rudert zurück

31.07.2007
Von pte pte
Seit Mozilla-Chefin Mitchell Baker vor einigen Tagen die Weiterentwicklung von Thunderbird unter der Dachmarke von Mozilla in Frage gestellt hat, will die Diskussion über die Zukunft des alternativen Mail-Clients in den Blog- und Diskussionsforen nicht verstummen. Neben konstruktiven Vorschlägen hagelt es heftige Kritik, dass die Foundation ihre eigene Erfindung abstoßen will. Baker fühlt sich missverstanden und versucht nun seit Tagen das schiefe Bild wieder zurecht zu rücken. Thunderbird sei weiterhin ein wichtiger Bestandteil der Mozilla-Vision. Es gehe nur darum, wie der weitaus erfolgreichere Browser Firefox und Thunderbird in ihrer Entwicklung bestmöglich gefördert werden, so Baker.

In der Open-Source-Gemeinde sorgt eine der vorgeschlagenen Optionen - Thunderbird wie SeaMonkey http://www.seamonkey.at als weniger straff organisiertes Community-Projekt weiterzuentwickeln - durchaus für Zustimmung. "Ich denke, dass es im Endeffekt auf eine derartige Lösung hinauslaufen wird", meint SeaMonkey-Entwickler Robert Kaiser im Gespräch mit pressetext. Dass ein eher locker gegliedertes Team ein derartiges Projekt erfolgreich führen kann, habe SeaMonkey in den vergangenen Monaten und Jahren bewiesen. "Derzeit gibt es mehr Aktivitäten hinter SeaMonkey als hinter Thunderbird, und das, obwohl Thunderbird sicherlich mehr User hat."

Neben Baker, die beteuert den E-Mail-Client nicht mutwillig aufgeben zu wollen, hat die Diskussion auch weitere ranghohe Mozilla-Verantwortliche auf den Plan gerufen. Es gehe nicht darum, Thunderbird zur Strecke zur bringen, so der langjährige Mozilla-Mitarbeiter Asa Dotzler in seinem Blog-Eintrag. Vielmehr wolle man Entwicklungsprozesse beschleunigen und die richtige Organisation für den erfolgreichen Fortbestand des Clients finden. Kritikern gibt Dotzler zu verstehen, sie sollten sich mehr im Entwicklungsprozess engagieren und aktiv zur Verbreitung von Thunderbird beitragen, wenn sie das Projekt retten wollen.

"Thunderbird wurde in letzter Zeit von der Mozilla Corporation sehr stiefmütterlich behandelt, auch wenn zwei Entwickler von dieser beschäftigt werden", ortet allerdings auch Kaiser Handlungsbedarf. "Ich hoffe daher, dass eine Lösung gefunden werden kann, die Thunderbird mehr Eigenständigkeit und ein deutlicheres Profil verschafft. Optimal wäre zudem, wenn weiterhin Entwickler hauptberuflich daran arbeiten könnten", so Kaiser. Dass etwas gegen die derzeitige Situation unternommen werden muss, steht für den Open-Source-Experten aber außer Frage. "Denn sonst geht Thunderbird von selbst unter, und das will keiner von uns", meint Kaiser. (pte)