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Unerwartet starker Gewinnschwund bei Siemens

26.01.2006
Die beiden Krisenbereiche Com und SBS haben einen schwungvollen Start von Siemens ins neue Geschäftsjahr 2005/06 ausgebremst.

Zwar stiegen Umsatz und Auftragseingang dank ungewöhnlich vieler Großaufträge im ersten Geschäftsquartal (Ende Dezember) überraschend deutlich, aber die Gewinne brachen im Jahresvergleich unerwartet stark ein. Das erste Geschäftsquartal sei ganz klar geprägt von Umstrukturierungen, sagte Siemens-Chef Klaus Kleinfeld am Mittwoch vor Journalisten.

Einen konkreten Ausblick für das Geschäftsjahr 2005/06 (Ende September) blieb der Industrie- und Technologiekonzern am Tag seiner Hauptversammlung schuldig. "Mit all unseren Maßnahmen, einschließlich des Verkaufs der Produktnahen Dienstleistungen von SBS, gehen wir auf unser Ziel von 2007 zu", sagte Kleinfeld lediglich. Die Aktie der Siemens AG stieg im frühen Handel um 3,22 Prozent auf 73,64 Euro und stand damit an der Spitze des DAX. Die Unternehmensgewinne sackten stärker als erwartet ab. Mit Blick auf die Auftragslage sei Siemens aber eine Überraschung gelungen, schrieb Analyst Thomas Hofmann von der Landesbank Rheinland-Pfalz.

Im Auftaktquartal schmälerten Umstrukturierungskosten für den IT-Dienstleister- und den Kommunikations-Bereich das Ergebnis um insgesamt rund 350 Millionen Euro. Hier fiel der Löwenanteil mit 207 Millionen Euro beim Informationstechnik-Spezialisten Siemens Business Services (SBS) an. "Bei SBS haben wir eine ganze Reihe von Dingen schon gemacht", sagte Kleinfeld. Er verwies auf das neue Management sowie die Ausrichtung auf höherwertige Dienstleistungen.

Siemens konnte seine Quartalsergebnisse dank Veräußerungsgewinnen aufpolstern. Aus dem Verkauf von Aktien des US-Netzwerkausrüster Juniper flossen den Münchnern 356 (Vorjahr: 208) Millionen Euro zu. Diese Quelle außerordentlicher Gewinne, die Siemens in den vergangenen Quartalen angezapft hat, ist nun aber versiegt. "Wir haben keine Beteiligung mehr an Juniper", so Konzernchef Kleinfeld.

"Wenn man sich das Gesamtbild anschaut, sind wir gut ins neue Jahr gestartet", sagte der Siemens-Chef. Fast alle Bereiche haben bessere operative Ergebnisse abgeliefert. In acht der elf Konzernbereiche stiegen die Gewinne auch dank Unternehmenszukäufen teils massiv. Zu den schwächeren Bereichen zählten die Sorgenkinder Com und SBS sowie die Kraftwerkssparte Power Generation, deren Gewinn im Jahresvergleich um 17 Prozent sank. Grund sei vor allem der negative Ausgang eines Schiedsverfahrens auf den Philippinen im Zusammenhang mit einem Projekt aus dem Jahr 1999 gewesen.

Siemens sei im Auftaktquartal sehr gut vorangekommen, sagte Kleinfeld mit Blick auf die Neuorientierung bei Communications (Com) und SBS, die auch den Abbau von Arbeitsplätzen mit einschließt. Das Unternehmen könne sich aber nicht auf dem Geleisteten ausruhen: "Wir haben eine Reihe von Hausaufgaben zu machen." Der seit einem Jahr amtierende Konzernchef betonte: "Ein Zwischenjahr kann man sich heute nicht wirklich leisten." Er blicke zuversichtlich auf die Zukunft. "Wir werden nicht in jedem Quartal diese Anzahl von Großaufträgen haben", sagte der Siemens-Lenker. "Aber unser Produktangebot überzeugt die Kunden, auch auf Wachstumsmärkten."

Im ersten Geschäftsquartal sank der Überschuss im Jahresvergleich um 19 Prozent auf 813 Millionen Euro (Prognose der von dpa-AFX befragten Analysten: 999 Millionen Euro). Das Ergebnis der Bereiche (operatives Geschäft) sackte um zehn Prozent auf 1,402 Milliarden Euro ab (Prognose 1,435 Milliarden Euro). Der Umsatz kletterte indes auch dank übernommener Unternehmen wie dem Anlagenbauer VA Tech und dem Getriebehersteller Flender um 22 Prozent auf 20,719 Milliarden Euro (Prognose 19,22 Milliarden Euro). Der Auftragseingang schnellte um 31 Prozent auf 26,788 Milliarden Euro hoch (Prognose 22,09 Milliarden Euro).

Das Auftaktquartal 2005/06 prägten laut Siemens "ungewöhnlich viele Großaufträge". Dies sei eine "Gewähr für künftiges Umsatzwachstum". Organisch, also ohne Währungs- und Portfolioeffekte, habe Siemens bei den Aufträgen um 13 Prozent und bei den Umsätzen um sieben Prozent zugelegt. Am stärksten waren die Zuwächse in der Region Asien/Pazifik. Siemens steigerte dort den Umsatz um 44 Prozent und den Auftragseingang um 70 Prozent. (dpa/tc)