Undefiniertes K

04.06.1982

Eigentlich größtes Entgegenkommen beweist die Bundespost der Industrie zur Zeit, was die Spezifikationen zu den Inhouse-Kommunikationsnetzen anbelangt. Es gibt nämlich noch gar keine, was den zahlreichen Anbietern von solchen Netzen andererseits das Leben auch nicht so viel leichter machen dürfte (siehe Seite 4: Die K-Anlage ist nicht isoliert zu betrachten).

Das von der Post kreierte Wort K-Anlage gewinnt in diesem Zusammenhang an Verbreitung, wenn auch nicht an Deutlichkeit; was jeder weiß, ist nur, daß K gleich Kommunikation zu setzen ist. Also stürzen sich die Anbieter auf diesen noch geheimnisvollen Terminus und verkünden, ihre Nebenstellenanlagen und/oder lokalen Netzwerke - oft sind es eh nur deren Komponenten - seien K-Anlagen im Sinne der Bundespost.

Aber nur ein deutscher Anbieter, das sagt immerhin das Postministerium, hat die Nase so weit vorn und seine Vertriebsbevollmächtigten schon so tief "in einem großen deutschen Konzern", daß die Postbevollmächtigten in diesem Einzelfall bereit sind, offiziell von K-Anlage zu sprechen. Roß und Reiter könnten aber erst in zirka einem halben Jahr genannt werden.

Nun beruhigen aber die K-Verständigen in der Bonner Adenauerallee alle die anderen, die da fürchten, hier könnte unter der Decke zweier kungelnder Unternehmen ein neuer Quasi-Standard für K-Anlagen gezeugt werden, mit Bonner Segen versteht sich.

Aber erstens sind vom Gesetz die Grenzen des öffentlichen Einflusses an der privaten Grundstücksgrenze gezogen, und zweitens ist die Post es leid, für ihre Doppelrolle als Schiedsrichter und Spieler auf dem Feld der Kommunikation immer nur gescholten zu werden. Man erinnere sich an diesbezügliche Auslassungen der Monopolkommission.

Den Schwarzen Peter dürfte diesmal die Industrie haben, falls sie es trotz der günstigen Rahmenbedingungen nicht fertigbringt, sich die postautorisierte Bezeichnung K-Anlage an ihre Netzwerk-fähigen Produkte zu heften.

Richtig einfach sieht das im Augenblick aus: Wenn man in einem Betrieb ein lokales Netzwerk aufbaut, das zum Postnetz hin möglichst viele Hauptanschlüsse hat, die sich möglichst viele Postdienste erweisen lassen - also zum Beispiel Datenpaketvermittlung (Datex-P), Teletex und Telefax, Breitbandkanäle und was es sonst noch alles gibt (oder noch nicht gibt) - und wenn das dann alles im Rahmen der bereits vorhandenen Verordnungen klappt, dann handelt es sich um eine K-Anlage.

Falls das eine oder andere großzügige Angebot der elektronischen Postillions noch nicht mit ins In- und Outhouse-Programm aufgenommen wurde, kneift das Ministerium vorläufig noch ein Auge zu bei der Vergabe des schicken Prädikats K.

Daß in einem halben Jahr, wenn die Hüllen zu diesem undefinierbaren Kommunizier-mal-wieder-Ding fallen, auch die ersten Akzeptanz-Hürden genommen sein werden, ist nicht wahrscheinlich, sagen skeptische Berater.

Übrigens nicht vergessen: Der Postberater ist immer dabei.