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Umfrage: TK-Branche wittert mit UMTS Morgenluft

02.03.2005

MÜNCHEN (COMPUTERWOCHE) - Die Telekommunikationsanbieter sehen optimistisch in die Zukunft. Das ist das Ergebnis der Umfrage "Telco Trend", die Mummert Consulting in Zusammenarbeit mit Inworks bei 124 Fach- und Führungskräften der TK-Branche im Dezember 2004 und Januar 2005 veranstaltet hat. 90 Prozent der Befragten rechnen damit, dass ihr Unternehmen heuer besser abschneiden wird als im Vorjahr, über ein Fünftel der Teilnehmer erwartet sogar eine starke Verbesserung.

Einen besonderen Schub versprechen sich die Entscheider von der dritten Mobilfunkgeneration UMTS. Die Hälfte der interviewten Provider sieht in dem neuen Mobilfunkstandard in Zukunft die wesentliche Technik zum Versenden von Daten. Damit rangiert UMTS sogar vor DSL und dem alten Mobilfunkstandard GSM. Den Ausbau der UMTS-Infrastruktur sowie deren Beschleunigung durch das High Speed Download Access Protocol (HSDPA) erachten die Unternehmen als wichtigste Aufgabe in diesem Jahr.

Allerdings teilt Mummert Consulting laut Bernd Janke, Senior Manager Telecommunications, nicht die Prognose des Branchenverbandes Bitkom, der heuer in Deutschland mit insgesamt 2,5 Millionen verkauften UMTS-Handys und -Datenkarten rechnet. Der Hamburger Beratungsfirma zufolge werden 2005 hierzulande zwischen einer und 1,5 Millionen UMTS-Telefone und -Adapter über den Ladentisch gehen.

Janke rechnet in Sachen UMTS schon bald mit einer größeren Tariftransparenz der Anbieter nach dem Vorbild der DSL-Flatrates. "Im Moment geben sich die Netzbetreiber allerdings noch sehr viel Mühe, mit ihren Tarifen intransparent zu sein", kritisiert der Consultant das aktuelle Verhalten der Provider. Seiner Meinung nach werden die Netzbetreiber auch weiterhin nicht umhinkommen, ihre Endgeräte zu subventionieren, wenn UMTS ein Erfolg werden soll. Bei dem in Deutschland gängigen Geschäftsmodell, Kunden durch Zweijahresverträge an sich zu binden, sei eine Subventionierung, so Janke, unvermeidbar. Die Carrier können seiner Meinung nach auf Zuschüsse nur dann verzichten, wenn sie einen vollständigen Paradigmenwechsel in ihrer Vertragspolitik vollziehen.

Trotz des Aufschwungs von UMTS wird DSL der Umfrage zufolge nicht an Bedeutung verlieren. Zwei Fünftel der teilnehmenden Firmen hält die Breitbandtechnik im Festnetz weiter für die wichtigste Methode der Datenübertragung. Höhere Bandbreiten, attraktive Tarife und neue Anbieter werden laut Mummert für weiter steigende Absatzzahlen sorgen.

Die Befragung brachte auch ans Licht, dass immer mehr Geschäftsleute mobile Geräte nutzen und die E-Mail erstmals SMS-Dienste in der Anwendung von der Spitze verdrängt hat. Komplettlösungen, mit denen Business-Kunden nicht nur die E-Mail-Verwaltung, sondern zusätzlich das gesamte Aufgaben-Management übernehmen, werden in Zukunft Standardprodukte im Portfolio aller Mobilfunkanbieter sein.

Ein weiteres Resultat der Umfrage ist, dass die Provider ihre Anstrengungen bei Kundenbindung und -service verstärken müssen. 85 Prozent der befragten Führungskräfte halten den Ausbau und die Optimierung des Customer-Relationship-Managements für den Gesamterfolg des Unternehmens für unerlässlich. Im Vordergrund der Bemühungen stehen dabei innovativere Endgeräte und Tarife sowie Bündelangebote. In Sachen Kundenbindung haben die Anbieter nach Meinung von Janke noch großen Nachholbedarf. "Die Netzbetreiber kennen ihre Kunden nicht", kritisiert der Marktbeobachter die in Deutschland aktiven Provider. Originelle Loyalty-Programme seien hierzulande noch Mangelware. (pg)