Ultrabook und Tablet wachsen zusammen

30.08.2012
Ob mit schwenkbarem Touchscreen oder Dualscreen, Docking- oder ausfahrbarer Tastatur: Ultrabook und Tablet kommen sich näher. In Verbindung mit Windows 8 könnten die "Hybriden" die Lücke zwischen Notebook und Tablet-PC schließen.

Namentlich ist die neue Klasse von mobilen Geräten, in der Ultrabooks und Tablets allmählich eine Symbiose eingehen, noch gar nicht so richtig greifbar. Der Begriff Hybride ist etwas irreführend, da die ersten so bezeichneten Tablet-PCs mit der 2002 von Microsoft lancierten Windows XP Tablet Edition schlicht als Geräte mit abnehmbarer Tastatur verstanden wurden. Der Einfachheit halber sei dennoch erlaubt, in dieser Auswahl neuer Produkte von Hybriden zu sprechen. Schließlich geht es laut PC-Marktführer Hewlett-Packard darum, "die Lücke zwischen Notebook und Tablet-PC zu schließen".

Klobig und für Otto Normalverbraucher einst nahezu unerschwinglich waren die Vorgänger der modernen Tablets und Ultrabooks allemal. Im heutigen Tablet-Markt spielen weder Microsoft noch Intel eine wesentliche Rolle. Die meisten Non-iPad-Modelle sind derzeit mit ARM-Prozessoren und Googles Betriebssystem Android ausgestattet. Mit Windows 8 und den neuen Intel-Core-Prozessoren der dritten Generation ("Ivy Bridge") soll sich das ändern.

Laut Intel-Pressesprecher Martin Strobel werden unter den mehr als 80 neuen Ultrabooks, die der Chipkonzern und diverse OEM-Partner dieses Jahr ankündigen und auf den Markt bringen wollen, mit dem Start von Windows 8 auch einige Hybrid-modelle erscheinen. Da der Markt dafür noch im Entstehen begriffen ist und viele Hersteller sich momentan scheuen, die Katze zu früh aus dem Sack zu lassen, finden Sie auf den folgenden Seiten alle Gerätetypen, die bereits heute Ultrabook und Tablet zusammenführen.

Fujitsus wandelbare B2B-Tablets

Fujitsu hat die bereits Anfang 2010 vorgestellte T-Serie von Convertible-Tablets überarbeitet und präsentiert nun das "Lifebook T902". Dieses bietet einen 13,3 Zoll großen Multitouch-Display mit Dual-Digitizer, ist leichter und dünner als der Vorgänger und unterstützt von Haus aus den 4G/LTE-Mobilfunkstandard. Zur weiteren Ausstattung gehören jeweils zwei USB-3.0- und USB-2.0-Ports, davon einer mit Anytime-USB-Charge-Funktion, ein HDMI-Anschluss und ein Einschub für ein DVD- oder Blu-ray-Laufwerk.

Gleichzeitig mit dem neuen Lifebook T902 hat der japanische Hersteller Mitte Juli 2012 auch das neue "Stylistic Q702" als leichtgewichtiges Hybrid-Tablet mit 11,6-Zoll-Display und abnehmbarer Tastatur vorgestellt. Ohne Keyboard-Dockingstation wiegt das Gerät nur 850 Gramm. Intels vPro-Technik als Option für die Ivy-Bridge-basierten Core-i3- oder Core-i5-Prozessoren, Intel-Anti-Theft, TPM-Chip und Windows 7 Professional weisen das Q702 ganz klar als Business-Gerät aus. Nützlich ist dabei wieder die 3G- und 4G-Unterstützung. Mit Preisen ab 1599 Euro ist das Gerät allerdings kein Schnäppchen.

HP EliteBook 2760p - Notebook mit Tablet-Touch

Mit Verkaufsstart im Juni 2011 hat Hewlett-Packard mit dem "EliteBook 2760p" ein Business-Notebook auf den Markt gebracht, das sich konfigurationsabhängig durch Umlegen des 12,1-Zoll-Displays im Handumdrehen in ein leistungsstarkes Tablet mit vorinstalliertem Windows 7 Professional verwandeln ließ.

Abgesehen vom frühen Erscheinungstermin und dem hohen Preis von offiziell knapp 1600 Euro wäre das Gerät auch im Nachhinein nie als Ultrabook durchgegangen. Denn dafür hätte es nur eine maximale Bauhöhe von 2,0 statt 3,23 Zentimetern haben dürfen. Dafür ist das EliteBook 2760p mit einem robusten Outdoor-Panel für den Unternehmenseinsatz ausgestattet. Hinzu kommen Features wie Anschluss für eine Dockingstation und ein Zweit-Akku. Außerdem bietet das Business-Notebook eine Handschriftenerkennung.

Lenovo IdeaPad Yoga - der Name ist Programm

Wo Ungeübte sich den Rücken verrenken würden, kennt der Yogi mit der richtigen Atemtechnik keinen Schmerz. Atmen kann das von Lenovo auf der Consumer Electronics Show in Las Vegas Anfang 2012 vorgestellte "IdeaPad Yoga" zwar nicht. Aber mit dem um 360 Grad über ein Dual-Scharnier drehbaren 13,3-Zoll-Display lässt sich das mit Blick auf Windows 8 und Ivy Bridge konzipierte Ultrabook wie ein Zelt aufstellen oder im Handumdrehen in ein Tablet verwandeln. Dazu muss nur der HD+-Bildschirm (1600 mal 900 Pixel) mit dem kapazitiven Zehn-Zoll-Touchscreen einmal um die Achse gedreht und nach hinten geklappt werden.

Mit Intels neuen Core-Prozessoren, Windows 8, 8 GB RAM und 256 GB fassender SSD soll das IdeaPad Yoga eine Akkulaufzeit von acht Stunden bieten. Die leder-überzogene Handballenauflage und seitliche Bedienelemente erhöhen den Bedienkomfort. Mit einer Bauhöhe von 16,9 Millimetern und einem Gewicht von 1,47 Kilogramm ist das Gerät schlank und leicht.

Hybrid-Ultrabook von Toshiba?

Toshiba soll auf der Computex ebenfalls schon ein Hybrid-Ultrabook gezeigt haben. Ob Prototyp oder fertiges Produkt, wird man in Deutschland wohl erst zur IFA 2012 (31. August bis 5. September) erfahren. Derweil verweist das deutsche Toshiba-Team noch auf das Media-Tablet "AT300" mit 10,1 Zoll großem Multitouch-Bildschirm und "Corning Gorilla Glas", Android 4.0 und dem Vier-Kern-ARM-Prozessor Nvidia Tegra 3. Dabei wiegt das Gerät nur 590 Gramm, der Akku soll für bis zu zehn Stunden Video-genuss sorgen. Wie alle mit Bluetooth ausgestatteten Geräte lässt sich das Tablet mit einer entsprechenden Tastatur leicht in einen Hybriden verwandeln.

Ist das Toshiba-Tablet bereits für unter 400 Euro zu haben, kommt Samsungs Ende 2011 lancierter "Slate PC" der Serie 7 mit Windows 7 Home Premium und Intels Core-i5-ULV-Prozessoren, damals noch der zweiten Generation, auf deutlich über 1000 Euro. Dafür bringt das Modell "XE700T1A" eine Bluetooth-Tastatur mit. Im Lieferumfang enthalten sind auch ein Digitizer Pen und eine kleine Dockingstation mit LAN-, USB- und HDMI-Anschlüssen. Hinzu kommen WLAN n und 3G/UMTS-Unterstützung. Wie Samsung betont, ist der Slate 7 das erste Gerät seiner Klasse, das die Auszeichnung "TCO Certified Tablets 1" tragen darf.

Kriterien dafür sind nicht nur die Erfüllung von Umweltauflagen, sondern auch eine gute Bildqualität und die Erweiterbarkeit. Die Prozessorleistung von 1,6 Gigahertz, HD Graphics 3000, 4 GB DDR3-Speicher und 64 GB SSD versprechen reichlich Geschwindigkeit für Arbeit, Spiel und Spaß. Für den ursprünglich anvisierten Preis von 1499 Euro hätte es aber auch eine etwas größere SSD sein dürfen.

Asus Taichi und Transformer Book

Als Ultrabook-Tablet-Kombi mit doppelseitigem Display auf Basis von Windows 8 und Ivy Bridge hat Asus das "Taichi" entwickelt, das optisch an das Zenbook erinnert. Das zweite Display mit LED-Backlight, IPSPanel, Full-HD-Auflösung und Touchscreen auf der Außenseite erlaubt den Betrieb als Tablet und hat Asus den Einbau eines komplizierten und störanfälligen Dreh- oder Dual-Scharniers erspart.

Einen anderen Weg geht der taiwanische Hersteller mit dem ebenfalls auf der Computex 2012 vorgestellten "Transformer Book", angeblich das erste Convertible-Ultrabook der Welt. Dabei ist der Begriff Convertible eigentlich nicht korrekt, bezeichnet er doch die Möglichkeit, den Touchscreen umzulegen und nicht wie hier, ihn von der Tastatureinheit zu trennen. Interessant ist die Ultrabook-Tablet-Kombination für Windows 8 dennoch.

Das Transformer Book soll es mit 11,6 bis 14 Zoll großem Full-HD-IPS-Panel geben. Es dürfte mit den neuesten Core-i7-Prozessoren preislich etwas höher angesiedelt sein als das Taichi. Zur weiteren Ausstattung gehören 4 GB RAM, USB 3.0, Asus SonicMaster für den guten Klang, zwei hochauflösende Kameras und WLAN.

"Die hybriden Ultrabooks verbinden die Leistungsfähigkeit und Ausstattung eines Notebooks mit der einfachen intuitiven Bedienung und außerordentlich hohen Mobilität eines Tablets", wirbt Asus-Produkt-Manager Haris Musemic. Da die Geräte die bestmögliche Kombination von technischer Machbarkeit und "superber Wertigkeit" verkörperten, würden sie im Premium-Segment oberhalb der normalen Ultrabooks angeboten.

Fazit

Dass Ultrabook und Tablet zusammenfinden, ist aus Anwendersicht zu begrüßen und eigentlich nur konsequent. Die große Frage aber lautet, zu welchem Preis Kunden die neuen Geräte nutzen können. Android-Tablets scheinen diesbezüglich im Vorteil zu sein, obwohl die Wintel-Fraktion mehr Features und Leistung verspricht. Vieles spricht derzeit dafür, dass die Preisschere zwischen echten Hybrid-Ultrabooks und ähnlich gearteten Tablets mit Intel und Windows 8 an Bord noch weiter auseinandergehen wird - es sei denn, Intel kommt der Notebook-Industrie endlich entgegen und senkt die CPU-Preise deutlich. (wh/hi)

Klaus Haupftfleisch ist freier Journalist in München.

Historie: Die Vorreiter der Ultrabook-Tablet-Hybriden

Den ersten Vorstoß in Richtung Hybrid-Ultrabooks hat Lenovo auf der CES 2012 in Las Vegas mit dem später noch einmal deutlich verschlankten IdeaPad Yoga gemacht. Asus (Asustek) hat aus Rücksicht auf Intel bis zur Computex Anfang Juni mit der Ankündigung des Taichi gewartet.

Etwas anders konzipiert sind Dual-Screen-Geräte wie das Acer-Tablet Iconia (Foto), das mit Core-i5-Prozessor, 4 GB DDR3-Speicher und Windows 7 Home Premium (64 Bit) schon als leistungsfähiger PC-Ersatz durchgehen kann. Mit dem Gewicht von 2,8 Kilogramm und einem Preis von 1499 Euro fällt das Modell "Iconia-484G64ns DualScreen Tablet" allerdings etwas aus dem Rahmen.

Asus hat sich sowohl bei Netbooks als auch im Segment Ultrabooks schon immer als Wegbereiter gesehen. Das Anfang 2009 als Designstudie vorgestellte "Origami"-Notebook mit zwei Tastaturen und zwei Displays ist zwar nie auf den Markt gekommen. Im Gedächtnis geblieben ist aber die superdünne Bauweise, das doppelseitige Display für neuere Tablets und das Origami-Konzept für das Klapp-Cover als flexiblen Aufsteller für das Ende 2011 erschienene "EeePad Transformer Prime" mit Nvidias Tegra-3-Prozessor, Android 4.0 (Ice Cream Sandwich) und optional andockbarer Tastatur. Ohne diese bringt es das Modell wie auch das jüngst vorgestellte "Transformer Pad Infinity" dank der schlanken Linie auf ein Gewicht von weniger als 600 Gramm.

An die dünne Bauweise der Transformer Pads (Foto) fühlten sich viele erinnert, als Intel Mitte April 2012 auf dem Entwicklertreff (IDF) in Peking ein mobiles Gerät zeigte, das sich auf den ersten Blick als edles Tablet präsentierte. Mit dem hochgestellten Touchscreen erscheint der Rechner dann plötzlich als Ultrabook inklusive vollwertiger QUERTY-Tastatur.

Der Cove Point (Foto) genannte Intel-Prototyp war schon mit einer Vorabversion der Ivy-Bridge-Prozessoren und Windows 8 ausgestattet, was ihn deutlich von den Android-basierten Asus-Tablets unterschied. Auch wenn Intel für Cove Point noch keinen möglichen OEM-Partner vorweisen kann, soll der Preis in der Konfiguration mit 12,5-Zoll-Display, zwei USB-3.0-Ports und HDMI-Anschluss bei etwa 1000 Dollar liegen.

Wie PC-Marketing-Chef Gary Richman berichtete, hat Intel bei der Entwicklung des Ultrabook-Konzepts schon sehr früh auch andere Formfaktoren als die reiner Notebooks im Sinn gehabt.