Nach Bilanzskandal

Übernimmt IBM Satyam?

Sabine Prehl ist freie Journalistin und lebt in München.
Erste Verhandlungen laufen Medienberichten zufolge schon.

IBM hat Interesse an einer Übernahme des indischen Offshorers Satyam geäußert, der Anfang des Jahres mit einem gigantischen Bilanzbetrug Schlagzeilen gemacht hatte. Indischen Medien zufolge strebt IBM eine Mehrheitsbeteiligung an Satyam an. Entsprechende Verhandlungen hätten bereits begonnen. Ein Team aus Investment-Bankern und Anwälten aus Europa und den USA seien dabei, die Größe des Deals und die damit verbundenen Risiken zu bewerten. Darüber hinaus sollen einige von Satyams größten Kunden an einer von IBM ausgeschriebenen Due Diligence teilnehmen.

Nach Ansicht von Phil Morris, Europa-Geschäftsführer der Sourcing-Beratungsfirma Equaterra, wären vor allem die Mitarbeiter und Kunden von Satyam ein lohnendes Investment für IBM: "Der indische Offshorer verfügt über gut ausgebildete Leute und gewachsene Kundenbeziehungen, die jetzt eine stabile Organisation brauchen", so der Experte. Zudem sei nur ein sehr großer IT-Anbieter wie IBM in der Lage, den angeschlagenen IT-Dienstleister wieder auf Kurs zu bringen. Und nicht zuletzt ist IBM in Indien stärker präsent als alle anderen IT-Unternehmen.

IBM gehört übrigens zu den Unternehmen, die der ehemalige Satyam-Chef Ramalinga Raju auf dem Board-Meeting des indischen Satyam im Rahmen einer feindlichen Übernahme Mitte Dezember vergangenen Jahres genannt hatte. Auch in einer Meldung an die New Yorker Börse im Februar wurde der Branchenriese als einer der wichtigsten Wettbewerber Satyams aufgeführt. Weitere prominente Player, die Interesse an einer Beteiligung bekundet haben, sind die Firma Larsen & Toubro (L&T), die bereits 12 Prozent an dem Unternehmen hält, Tech Mahindra sowie der Großindustrielle BK Modi. (sp)