Gerüchte reißen nicht ab

Verkauft HP Enterprise seine Softwaresparte?

Heinrich Vaske ist Chefredakteur der COMPUTERWOCHE und verantwortlich im Sinne des Presserechts (v.i.S.d.P.). Seine wichtigste Aufgabe ist die inhaltliche Ausrichtung der Computerwoche - im Web und in der Zeitschrift. Vaske verantwortet außerdem inhaltlich die Sonderpublikationen, Social-Web-Engagements und Mobile-Produkte der COMPUTERWOCHE und moderiert Veranstaltungen. Weitere Interessen: der SV Werder Bremen, Doppelkopf und Bücher - etwa die von P.G. Woodhouse.
Das "Wall Street Journal" kolportiert, HP Enterprise (HPE) wolle sein Softwaregeschäft für einen Betrag zwischen acht und zehn Milliarden Dollar verkaufen. Anfang August hieß es noch, eine Gruppe von Private-Equity-Unternehmen wolle HPE insgesamt für rund 40 Milliarden Dollar übernehmen.

HPE hatte sich 2011 mit dem Kauf des britischen Softwarehause Autonomy (für 11 Milliarden Dollar!) komplett verhoben. Wenn das "Wall Street Journal" richtig informiert ist, will HPE nun diese und andere Softwareaktivitäten für einen Preis von acht bis 10 Milliarden Dollar verkaufen. Behalten will HPE demnach nur Softwareprodukte, die zum Kerngeschäft mit Technologie-Infrastruktur gehören, beispielsweise im Bereich Software-defined Networking.

Anfang August gab es noch anders lautende Spekulationen, wonach ein Bieter-Konsortium rund um die Investment-Gesellschaften KKR, Apollo Global Management und Carlyle Group an HPE insgesamt interessiert sei. Ein Beitrag von "The Information" bezog sich damals ebenfalls auf eine ungenannte Quelle. Große Websites wie "Fortune", "CNBC" und "Bloomberg" hielten ihn allerdings für so plausibel, dass sie den Ball aufnahmen und ebenfalls berichteten. Bei HPE will man sich, wie in solchen Fällen üblich, weder zum einen noch zum anderen Gerücht äußern.

Plant Meg Whitman, CEO von HP Enterprise, schon wieder einen großen Coup?
Plant Meg Whitman, CEO von HP Enterprise, schon wieder einen großen Coup?

Als Motiv nannten die verschiedenen Medien das mögliche Interesse des HPE-Managements, den weiteren Umbau des Konzerns jenseits des Drucks von Quartalsberichten und fordernden Aktionären vorantreiben zu können - mit einer ausreichenden Finanzierung im Hintergrund. Als der gegenwärtig größte Anbieter von Speicher- und Servertechnologien stehe HPE vor großen Herausforderungen, da der Trend in Richtung Cloud-Dienste unvermindert anhält und die Margen im klassischen Geschäft mit IT-Equipment unter Druck bleiben dürften. Deshalb könne es Sinn geben, das Unternehmen - ähnlich wie Michael Dell es vorexerziert hatte - von der Börse zu nehmen und in Ruhe neu aufzustellen.

Erst die Zweiteilung, dann der CSC-Deal

Der Hewlett-Packard-Konzern hatte im November 2015 eine Zellteilung vollzogen und das Printer- und Desktop-Business in die eigenständige HP Inc. ausgelagert. Die verbliebene HP Enterprise unter Führung von CEO Meg Whitman entschied dann im Mai dieses Jahres, das IT-Service-Geschäft von HPE in ein Joint Venture mit CSC einzubringen. Dieser Unternehmensbereich ging im Wesentlichen aus der Übernahme von EDS im Jahr 2008 hervor. Im Monat zuvor war außerdem die indische Outsourcing-Tochter Mphasis mehrheitlich an den Investor Blackstone Group verkauft worden - für 825 Millionen Dollar.

Sollte sich HPE in die Hände der Investoren begeben, würde das Unternehmen dem Beispiel von Dell folgen. Michael Dell hatte sein Unternehmen, unterstützt von der Private-Equity-Gesellschaft Silver Lake Partners, im Jahr 2013 für 24,4 Milliarden Dollar aufgekauft und von der Börse genommen, um es fit für die Zukunft zu machen. In einem zweiten Schritt übernahmen Dell und Silver Lake dann - in einem durchaus abenteuerlichen Coups - für 45 Milliarden Dollar den Speichergiganten EMC. Dessen Aktionäre stimmten dem Deal vor wenigen Tagen zu.