GVT

Übernahmekampf in Brasilien - Telefonica gegen TelecomItalia

28.08.2014
Schneller Schlagabtausch im Übernahmepoker auf dem brasilianischen Telekommarkt: Die spanische Telefonica hat am Donnerstag ihr Angebot für den brasilianischen Breitbandanbieter Global Village Telecom (GVT) erhöht - keine 30 Minuten nach der Gegenanofferte von Telecom Italia. Das Objekt der Begierde gehört noch dem französischen Medienkonzern Vivendi.

Am Aktienmarkt sorgte das Bieterrennen für wenig Bewegung: Zum Handelsstart legten Telecom Italia um über ein Prozent zu. Telefonica legte leicht zu und Vivendi lag dagegen knapp im Minus.

Telefonica-Zentrale in Madrid
Telefonica-Zentrale in Madrid
Foto: Telefonica

Die Spanier haben nun eine 7,45 Milliarden schwere Offerte auf den Tisch gelegt, wie sie am Morgen mitteilten. Kurz davor hatten die Italiener ihre Karten auf den Tisch gelegt und das erste Gebot von Telefonica in Höhe von 6,7 Milliarden Euro überboten und 7 Milliarden Euro in die Waagschale geworfen. Ein Interesse der Italiener war schon bekannt, Mitte August hatte Telecom Italia Gespräche mit den Franzosen bestätigt.

Die Italiener wollen Vivendi auch mit einer weltweiten Allianz locken. Zudem soll es 1,7 Milliarden Euro in bar geben und einen Anteil an Telecom Italia. Die eigene brasilianische Tochter Tim soll mit GVT verschmolzen werden. Am Ende soll Vivendi an der neuen Firma in Brasilien beteiligt sein. Die Spanier wiederum legen deutlich mehr Bargeld auf den Tisch: 4,66 Milliarden Euro. Dazu gibt es dann noch eine Beteiligung an Telefonica Brazil sowie Kooperationen in verschiedenen Märkten. Das Angebot von Telecom Italia steht bis zum 10. September, das der Spanier nur bis zum 29. August.

Kompliziert ist eine mögliche Neuordnung des brasilianischen Telekommarktes in vielfacher Hinsicht. Telefonica ist Großaktionär bei den Italienern. In der Holding-Gesellschaft Telco SpA hält Telefonica zusammen mit dem Versicherer Generali und den Banken Intesa Sanpaolo sowie Mediobanca gut 22 Prozent an Telecom Italia.

Zentrale der Telecom Italia in Mailand
Zentrale der Telecom Italia in Mailand
Foto: Telecom Italia

Um den Wettbewerbshütern entgegenzukommen, will Telefonica daher aus der Beteiligung an Telecom Italia aussteigen. Telefonica ist der größte Mobilfunkanbieter in Brasilien - die Italiener sind mit der eigenen Tochter Tim Brasil die Nummer zwei im Land. In der jüngeren Vergangenheit war die Marktmacht von Telefonica daher von den Behörden scharf kritisiert worden.

Die Franzosen prüfen die neuen Angeboten. Der Verwaltungsrat tage heute, teilte Vivendi mit. Nach Börsenschluss legen die Franzosen ihre Halbjahresbilanz vor. Vivendi befindet sich in einem tiefgreifenden Umbau und verkauft seit längerem seine Telekom-Geschäfte - zuletzt den französischen Mobilfunker SFR und die marokkanische Maroc Telecom. (dpa/tc)