Achtungserfolg für Canonical

Ubuntu Edge verfehlt Crowdfunding-Ziele

Manfred Bremmer beschäftigt sich mit (fast) allem, was in die Bereiche Mobile Computing und Communications hineinfällt. Bevorzugt nimmt er dabei mobile Lösungen, Betriebssysteme, Apps und Endgeräte unter die Lupe und überprüft sie auf ihre Business-Tauglichkeit. Bremmer interessiert sich für Gadgets aller Art und testet diese auch.
Canonical ist mit seinem äußerst ehrgeizigen Ziel gescheitert, 32 Millionen Dollar für die Produktion seines Dual-Boot-Smartphones „Ubuntu Edge“ einzusammeln. Während das Projekt nun ruht, wird der finnische Jolla Ende des Jahres die ersten Smartphones mit Sailfish-OS ausliefern.
Das Ubuntu Edge
Das Ubuntu Edge
Foto: canonical

Um die Produktion eines eigenen Smartphones zu finanzieren, hatte der durch seine Linux-Distribution bekannte Hersteller am 22. Juli ein Projekt auf der Crowdsourcing-Plattform Indiegogo eingestellt, das nun nach 30 Tagen auslief. Die Kampagne startete ziemlich gut an, so dass bereits nach wenigen Tagen das Angebot von 600 Dollar für ein Ubuntu Edge vergriffen war. Obwohl unter anderem Bloomberg 80.000 Dollar beisteuerte und einige kleinere Unternehmen ein Firmenpaket für 7000 Dollar orderten, kamen am Ende nur 12.809.906 Millionen Dollar zusammen, mehr als 19 Millionen Dollar weniger als benötigt. Nichtsdestotrotz handelt es sich dabei immerhin um die höchste Summe, die jemals für ein Crowdfunding-Projekt eingesammelt wurde. Die bekannte Pebble Smartwatch brachte es bei Kickstarter auf 10,2 Millionen Dollar, die Mindestsumme für das Zustandekommen lag bei lediglich 100.000 Dollar.

Knapp verfehlt: Resümee der Kampagne nach 30 Tagen
Knapp verfehlt: Resümee der Kampagne nach 30 Tagen

Trotz des Scheiterns spricht Canonical-Chef Mark Shuttleworth von einem positiven Ergebnis: Knapp 20.000 Menschen seien bereit gewesen, bereits Monate im Voraus Geld für ein Gerät zu zahlen. Das Geld werde ihnen in den nächsten Tagen erstattet, erklärte er. Gleichzeitig betonte er, dass 2014 andere Ubuntu Smartphones auf den Markt kämen. Die Unterstützung und die Publicity um das Crowdfunding-Projekt hätten dazu geführt, dass die Gespräche mit einigen führenden Herstellern weitergebracht, außerdem seien viele der weltweit größten Mobilfunkbetreiber der Ubuntu Carrier Advisor Group beigetreten, so Shuttleworth.

Ubuntu Edge
Ubuntu Edge

Bei dem Ubuntu Edge handelte es sich um kein normales Smartphone. Viel ist zu den Hardwarespezifikationen nicht bekannt. Fest steht lediglich, dass es über eine schnelle Quad-Core-CPU verfügen soll, der vier GB Arbeitsspeicher zur Seite gestellt sind. Weitere Features sind ein 4,5-Zoll großes Display mit HD-Auflösung (720p), 128 GB Speicher sowie Unterstützung von Dual-LTE. Deutlich interessanter sind allerdings – wie beim Hersteller Canonical nicht anders zu erwarten - die angekündigten Softwareeigenschaften: Das Gerät sollte sowohl mit Android wie auch mit Ubuntu laufen und sich über eine Docking-Station wie ein herkömmlicher PC nutzen lassen.

Jolla-Smartphones ausverkauft

Das erste Jolla-Smartphone wird Ende des Jahrs ausgeliefert.
Das erste Jolla-Smartphone wird Ende des Jahrs ausgeliefert.
Foto: Geeksphone

Besser ist die Situation bei dem von ehemaligen Nokia-Mitarbeitern gegründeten Smartphones-Hersteller Jolla. Wie das Unternehmen nun vermeldete, ist die erste Charge der Geräte, die mit dem Meego-Derivat Sailfish-OS laufen, bereits ausverkauft. Eine zweite Vorbestellungsrunde soll im Herbst starten. Die genaue Anzahl der 399 Euro teuren Smartphones, die nun gegen Ende des Jahres an die Kunden ausgeliefert werden, nannte Jolla nicht. Branchenexperten zufolge soll eine Lieferung dieser Größenordnung aber 50.000 Stück umfassen.