VLAN- und Fast-Ethernet-Ankuendigungen

UB Networks hofft auf frischen Wind durch virtuelle Netzwerke

01.03.1996

Firmengruender Ralph Ungermann hoechstpersoenlich war es, der bereits 1993 die Vision von VLANs in eine Produktstrategie einzubetten versuchte. Kurz vor seiner Abloesung durch Roel Piper, der UB vor kurzem verliess und nun als CEO die Geschicke der UB- Mutter Tandem lenkt, verkuendete Ungermann vor der Presse noch eine dreistufige Virtual-Networking-Architektur (VNA) seines Unternehmens.

Mangels VLAN-Bewusstsein der Anwender hatte Phase I, naemlich die Port-basierte Verwaltung der Mitglieder innerhalb eines Hubs, bisher keine Hochkonjunktur. Mit der Verbreitung des VLAN- Gedankens soll nun Phase II ab Mai 1996 die Wende bringen. Im Gegensatz zur VNA-Stufe I wird in Stufe II das Port-basierte Management der User nicht mehr nur im Hub, sondern im gesamten Netzwerk moeglich sein. Im dritten und letzten Abschnitt, der von UB fuer Ende 1996 anvisiert wird, soll die Verwaltung der Mitglieder auf Basis von Port- und Mac-Adressen erfolgen.

Herzstueck der VNA wird neben dem bereits verfuegbaren "Netdirector" dann der "Virtual Network Visualizer" (VNV) sein, eine von UB Networks zusammen mit Kaspia entwickelte Management-Anwendung. Einen Prototypen des VLAN-Management-Pakets stellten die Kalifornier bereits auf der Comnet in Washington vor. Die Applikation erlaubt Netzadministratoren die grafische Visualisierung und Verwaltung von virtuellen Netzen. Dabei koennen dem VLAN per Mausklick Segmente oder Abteilungen hinzugefuegt beziehungsweise daraus eliminiert werden. Darueber hinaus ist die Zuteilung und Optimierung von Bandbreite sowie die Regelung von Sicherheitskriterien ueber das Management-Tool steuerbar. Das Paket, seit Mitte Februar im Betatest bei Anwendern, laeuft unter Windows 95 sowie Windows NT und soll bis Mai 1996 marktreif sein.

Tatsaechlich koennte sich der Visualizer zu einer Bank im Portfolio von UB entwickeln. Der Schluessel zum Erfolg von VLANs duerfte generell in der Verfuegbarkeit von Paketen wie dem VNV liegen. Damit koennen IS-Manager ihre VLANs naemlich rasch konfigurieren respektive rekonfigurieren und darueber hinaus kontrollieren. Im Klartext heisst das: Arbeitsgruppen muessen kuenftig nicht mehr aufwendig physikalisch am Hub definiert werden, sondern sind logisch per Mausklick bestimmbar.

Allerdings gilt fuer UB wie fuer alle anderen Hersteller auch, dass es sich bei ihren VLAN-Loesungen um proprietaere Produkte handelt. In diesem Fall ist den Internetworking-Companies jedoch nur bedingt ein Vorwurf zu machen, da bis heute international kein VLAN-Standard festgeschrieben wurde. UB, seit Jahren durch Kooperationsvertraege eng mit Cisco verbandelt, hat in Sachen VLAN mit der Nummer eins im Internetworking zusammengearbeitet. Laut Chris Brennan, frischgebackener President und COO von UB, sind die VLAN-Produkte von UB Networks und Cisco kompatibel. Sie beruhen, so Brennan, auf der Sicherheitsnorm IEEE 802.10. Ob zum Beispiel VNV kuenftig mit VLAN-Komponenten anderer Anbieter kompatibel sein wird, haengt von der Bereitschaft UBs und anderer Firmen ab, Spezialsoftware zu VNV zu schreiben.

Die angekuendigte VNA-II-Funktionalitaet ist auf den meisten UB- Produkten nutzbar, einschliesslich dem "Geo-LAN/500 Super Switching Hub", dem "Geo-Switch/155 ATM Switch" und dem "Geo-Rim/E Ethernet Switch". Fuer UB wird es auch hoechste Zeit, diese Geraete mit mehr zeitgemaessen Features aufzupeppen. Trotz Einfuehrung dieser strategischen Produkte, insbesondere des Hubs Geo-LAN-500, der strenggenommen jedoch nur ein umbenannter Access/One-Hub ist, gelang es UB in den letzten Jahren nicht, nennenswert zu wachsen. Im abgelaufenen Geschaeftsjahr stieg der Umsatz nur geringfuegig und wies das Unternehmen sogar einen ruecklaeufigen Gewinn aus.

Auch UB-Chef Brennan weiss, dass seine Company zulegen muss und sich nicht auf den Lorbeeren der weltweit 60000 installierten Access/One- und Geo-LAN-Hubs ausruhen kann. "Wir haben in den letzten Jahren nicht die Umsatzraten erreicht, die der Markt insgesamt erzielte", gestand Brennan vor einer Runde europaeischer Journalisten ein. Der COO hofft nun auf die VLAN-Features sowie zusaetzliche Switching-Komponenten, die jetzt nach und nach fuer die Geo-Familie angeboten werden.

Bereits vor einem Monat hatten die Amerikaner mit dem "Port Mobile Ethernet Concentrator" (PMEC) ein neues Modul auf den Markt gebracht. Der Konzentrator umfasst 24 Ports und unterstuetzt als Einschub den Geo-LAN-Switching-Hub, indem einzelne Anschluesse mittels Software jedem der zwoelf Multi-LAN-Ethernet-Segmente zugewiesen werden.

Neu im Produktspektrum der Kalifornier ist ferner eine ganze Reihe von Fast-Ethernet-Erzeugnissen. Dabei handelt es sich um Entwicklungen fuer die Geo-Stax-Familie, stapelbare Workgroup-Hubs, die bisher unter dem Namen Access/Stax bekannt waren. Der "Geo- Stax/FE" ist ein 100Base-T-Hub mit zwoelf Ports. Insgesamt koennen bis zu fuenf Geraete gestapelt werden. Zudem wurde in dem Produkt eine aus zwei Segmenten bestehende Backplane installiert, wodurch sich laut UB die Bandbreite erhoeht.

Geo-Stax/FE ist ferner in Versionen fuer 100Base-TX, also zweiadrige UTP-Kabel der Kategorie 5, sowie 100Base-T4 fuer vieradrige UTP-Verkabelung der Kategorien 3, 4 und 5 erhaeltlich. Beide Ausfuehrungen bieten fehlertolerante Stromzufuhr, Management des remoten Monitorings (RMON) und Zugriffsschutz. Durch ein Uplink-Verfahren sind die Hubs miteinander verbindbar. Dadurch koennen die Restriktionen bei der maximalen Distanz zwischen Repeatern umgangen werden.

Letzte Neuentwicklung in der Geo-Stax-Reihe ist der "FE-Micro, ein nicht verwaltbarer Hub mit insgesamt acht Ports. Das Produkt soll Anwendern als Einstieg in die 100Base-T-Technologie dienen.

Fuer Maerz hat die Company aus Santa Clara den "Geo-Rim/E 10/100 Ethernet Switch" angekuendigt. Der LAN-Switch ist fuer Arbeitsgruppen und kleine Backbones ausgelegt und mit zwoelf 10Base-T-Ports sowie optional mit einem modularen 100Base-T-Uplink ausgestattet. Kunden wird durch diese Konfiguration die Integration von 10Base-T- und 100Base-T-LANs gewaehrleistet. Neben Features wie remotem Software-Update und der Unterstuetzung von IP- Fragmentierung sowie -Filterung beinhaltet der LAN-Knoten auch Routing-Funktionalitaet. Im Gegensatz zum Geo-LAN/500-Switching-Hub kommt die Technik jedoch nicht von Cisco, sondern von einem anderen Hersteller, den UB nicht nennen wollte. Der Grund: Die Internetworking-Operation-System-Software (IOS) von Cisco wuerde 16 MB Arbeitsspeicher erfordern. Da UB Networks im Routing seit jeher starke Defizite aufwies, ist die Company gezwungen, auf das Know- how anderer Spezialisten zurueckzugreifen. So geschah es jetzt auch beim Geo-LAN/500-Switching-Hub, in den UB ab sofort wahlweise die Remote-Office-Router-Serie "Cisco 2500" implementiert.

Die Cisco-2051-Integration bietet Routing fuer entfernte Niederlassungen ueber einen Ethernet-Port, der die Verbindung direkt zu den Backplanes des Geo-LAN/500- oder Access/One-Hub herstellt. Zudem sind im Geraet zwei serielle WAN-Ports vorhanden. Die Cisco-2511-Loesung hingegen sichert Branche-Office-Routing und entfernte Zugangsdienste mit 16 asynchronen Ports fuer PC-, Mac- und Terminalzugriff. Darueber hinaus ist das Modul mit zwei synchronen Ports fuer Router-zu-Router-Verbindungen ueber WAN- Strecken sowie einen Ethernet-Anschluss ausgeruestet.

Nach diesem umfassenden Roll-out von Ethernet- und Fast-Ethernet- Produkten bleibt die Frage nach dem Token-Ring-Engagement. Noch in diesem Quartal wird, so Marius Abel, Senior Vice-President der UB- Network-Division, ein Token-Ring-Switch mit UB-Logo auf den Markt kommen. Diesem Produkt soll im dritten Quartal 1996 ein Token- Ring-Einschub fuer den Geo-LAN/500-Switch folgen. Beide Komponenten werden keine UB-Entwicklungen sein.

An Geruechte, die UB-Mutter Tandem koennte den Hardwareteil der Tochter abstossen und Rest in den eigenen Bereich Net System Integration eingliedern, glaubt Brennan nicht. Vielmehr sieht der COO in dem erweiterten Produktspektrum eine Chance fuer einen Neuanfang.

Ausserdem will UB durch eine konsequentere Distributionspolitik wieder Fahrt aufnehmen. "Es war ein Fehler, vor drei Jahren das Direktgeschaeft in Deutschland aufzugeben", raeumte Brennan ein. Unterdessen ist UB hierzulande wieder vertreten und erwirtschafte letztes Jahr auf dem deutschen Markt acht Prozent des europaeischen Umsatzes. Insgesamt macht Europa mit 29 Millionen Dollar 31 Prozent der UB-Network-Einnahmen von 94 Millionen Dollar aus.