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Lieber an die NYSE

Twitter meidet Pannenbörse Nasdaq

16.10.2013
Der Börsengang von Twitter nimmt immer mehr Gestalt an: Jetzt ist der Börsenplatz bekannt und die neusten Geschäftszahlen. Und angeblich soll es auch schon ein Datum geben.

Twitter hat sich für seinen Börsengang die traditionsreiche New York Stock Exchange ausgesucht. Der Handelssaal der NYSE liegt an der Wall Street. Damit hat sich der Kurznachrichtendienst gegen die sonst bei Technologiefirmen beliebte rein elektronische Konkurrenzbörse Nasdaq entschieden. Dies geht aus dem am Dienstag aktualisierten Börsenprospekt von Twitter hervor.

Statt der Technologiebörse Nasdaq am Times Square hat sich Twitter für ein IPO an der traditionellen NYSE entschieden.
Statt der Technologiebörse Nasdaq am Times Square hat sich Twitter für ein IPO an der traditionellen NYSE entschieden.
Foto: Thomas Cloer

Beobachter werteten die Entscheidung als Abgrenzung gegenüber Facebook. Das weltgrößte Online-Netzwerk hatte im vergangenen Jahr für seinen Börsengang die Nasdaq gewählt. Wegen überlasteter Systeme wussten Zehntausende Anleger jedoch damals zunächst nicht, ob sie die Aktie nun ge- oder verkauft hatten. Die Börsenaufsicht SEC brummte der Nasdaq deshalb eine Millionenstrafe auf und Anleger bekamen eine Entschädigung.

Der holprige Einstand lastete wie ein Fluch auf der Facebook-Aktie, die zwischenzeitlich mehr als die Hälfe ihres Wertes einbüßte. Inzwischen steht das Papier allerdings im Plus. Twitter ist der bedeutendste Börsengang seit Facebook. Der Dienst hat inzwischen mehr als 230 Millionen aktive Nutzer im Monat und konnte damit weiter zulegen. Im alten Börsenprospekt war noch von 215 Millionen die Rede.

Auch die Einnahmen von Twitter steigen. Deren Quelle ist vor allem Werbung, eingestreut in den Nachrichtenstrom der Nutzer. Im dritten Quartal lag der Umsatz bei annähernd 169 Millionen Dollar (125 Mio Euro) - mehr als doppelt so viel wie im Vorjahreszeitraum. Dem stehen jedoch hohe Ausgaben für Rechenzentren, neue Produkte und die Vermarktung gegenüber. Der Verlust verdreifachte sich dadurch auf fast 65 Millionen Dollar.

Twitter-Chef Dick Costolo
Twitter-Chef Dick Costolo
Foto: Costolo bei about.me

Dennoch scheint das Interesse an den Aktien riesig. Denn Twitter hat sich zum vielleicht wichtigsten Medium für schnelle Nachrichten entwickelt. Nutzer können über den Dienst 140 Zeichen lange Textnachrichten verschicken, die auch auf Fotos, Videos oder fremde Websites verweisen können. Mehr als 500 Millionen dieser sogenannten Tweets gehen täglich raus.

Nach Informationen des US-Wirtschaftssenders CNBC und der "New York Times" ist geplant, dass die Twitter-Aktie am 15. November zum ersten Mal gehandelt wird. Die Medien beriefen sich dabei auf eingeweihte Personen. Die sogenannte Roadshow, auf der das Management zuvor bei Investoren wirbt, könnte demnach in knapp zwei Wochen starten.

Twitter hatte Mitte September in einem Tweet enthüllt, dass das Unternehmen im Geheimen seinen Börsengang angestoßen habe. Der Kurznachrichtendienst konnte als junges Unternehmen seinen Börsenprospekt zunächst geheim halten. Anfang Oktober schließlich veröffentlichte Twitter eine frühe Fassung der Unterlagen. (dpa/tc)