Schnittstelle zu Apps und Inhalten

Twitter baut Cards zur Plattform aus

Thomas Cloer war viele Jahre lang verantwortlich für die Nachrichten auf computerwoche.de.
Er sorgt außerdem ziemlich rund um die Uhr bei Twitter dafür, dass niemand Weltbewegendes verpasst, treibt sich auch sonst im Social Web herum (auch wieder bei Facebook) und bloggt auf teezeh.de. Apple-affin, bei Smartphones polymorph-pervers.
Twitter hat seine "Cards"-Funktion zur Inline-Darstellung externer Inhalte strategisch ausgebaut.
Twitter Cards können nun direkt auf Apps in App Stores verweisen...
Twitter Cards können nun direkt auf Apps in App Stores verweisen...
Foto: Twitter

Tweets können nun Links auf mobile Apps in diversen App Stores enthalten und außerdem "Deep Links" auf Inhalte, die direkt mit Apps geöffnet werden (falls der Nutzer diese bereits installiert hat). Twitter kündigte diese Neuerungen eher diskret auf einem nur für eingeladene Developer zugänglichen Event an; dennoch sollte man ihre Auswirkungen nicht unterschätzen. Die neuesten Updates der Twitter-Apps für iOS und Android haben sie bereits eingebaut.

Twitter wolle seine Nutzern Inhalte aus dem breiteren mobilen App-Universum erschließen, schreibt Sarah Perez bei "TechCrunch" - neben den Apps selbst auch Produkte, die E-Commerce-Firmen feilbieten sowie Medien wie Fotos, Video, Artikel-Auszüge und demnächst wohl auch Musik. Das geht natürlich weit über das Verschicken der von SMS inspirierten 140-Zeichen-Mitteilungen hinaus, mit denen Twitter vor sieben Jahren gestartet war.

...und Inhalte so verlinken, dass sie direkt mit installierten Apps geöffnet werden.
...und Inhalte so verlinken, dass sie direkt mit installierten Apps geöffnet werden.
Foto: Twitter

Aus Sicht von Matthew Ingram für "GigaOM" versucht Twitter mit der Cards-Erweiterung, die Kontrolle über das eigene Ökosystem noch weiter zu zementieren. Und die Zukunft von Twitter Cards als Plattform unter strikter Kontrolle von Twitter berge einige offensichtliche Risiken wie auch Vorteile. Einem App-Anbieter wie beispielsweise Path (das zu den ersten Partnern der neuen Cards gehört) könne Twitter natürlich deutlich mehr Sichtbarkeit verschaffen. Anders als Yahoos Bilderdienst Flickr bleibe aber Instagram bei Twitter außen vor.

Und zwar natürlich deswegen, weil es mittlerweile Facebook gehöre. Twitter hatte in der Vergangenheit Instagram die Nutzer-Discovery gesperrt; als Retourkutsche kappte Instagram später die Cards-Unterstützung. Ähnlich verfuhr Twitter übrigens auch mit einem anderen früheren Cards-Partner, nämlich Tumblr. Twitter hat einfach seit Mitte 2011 aufgehört, sich als Zentrum eines mehr oder weniger offenen Ökosystems zu sehen.

Twitters neue Android-App - hier mit einem Deep Link zu Foursquare.
Twitters neue Android-App - hier mit einem Deep Link zu Foursquare.
Foto: Twitter

Der Grund dafür war Investor Bill Gross, der mit seiner damaligen Firma Ubermedia alle möglichen beliebten Twitter-Clients zusammenkaufte und offenbar ein eigenes Netz plante, in dem er Inhalte aus Twitter mit Werbung von Dritten kombinieren wollte. Dem konnte und wollte Twitter nicht tatenlos zusehen, musste es doch selbst Mittel und Wege finden, um seine wachsende Nutzerbasis zu monetarisieren. In der Folge schränkte Twitter unter anderem die Nutzung seiner API ein und schrieb fest, wie Inhalte aus seinem Netzwerk in Apps zu präsentieren seien.

Das zog machen Aufschrei aus der Entwickler-Community nach sich; viele Developer insbesondere von Third-Party-Clients warfen Twitter vor, es habe ihr Geschäftsmodell zerstört. Mit Twitter Cards als Gateway in Richtung mobiler Apps versucht Twitter offensichtlich, hier einiges wieder gutzumachen.

Allerdings steht dieser Weg nur "bevorzugten Partnern" offen, die dafür möglicherweise irgendwann auch zur Kasse gebeten werden. Eine Kooperation mit einem solchen geschlossenen Ökosystem sei (genauso wie bei einer Zusammenarbeit mit Apple oder Facebook) immer ein zweischneidiges Schwert, warnt Ingram. Sobald ein Partner nämlich als Konkurrent und nicht mehr als von Vorteil für das eigene Netzwerk angesehen werde, verwandele sich die vermeintliche Win-win-Situation augenblicklich in ein Lose-lose.